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Labordiagnostik für Infektionskrankheiten So funktioniert der Test auf Corona

Autor: Christian Lüttmann

Auf allen bewohnten Kontinenten gibt es bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Dass es sich um den neuartigen SARS-CoV-2 Erreger und nicht um eine reguläre Grippe handelt, lässt sich mit einem Schnelltest überprüfen. Doch was verbirgt sich hinter dem weltweit genutzten Verfahren?

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Dank Schnelltest lässt sich das Coronavirus gut nachweisen (Symbolbild).
Dank Schnelltest lässt sich das Coronavirus gut nachweisen (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Geralt / Pixabay )

Würzburg – Obwohl das Coronavirus SARS-CoV-2 erst wenige Monate bekannt ist, gibt es bereits seit Januar einen Schnelltest für diese neue Virusart. Wie konnte man so kurz nach der Entdeckung des neuen Virusstammes schon eine aussagekräftige Labordiagnostik haben? Die Antwort ist simpel: Die zugrundeliegende Methode für den Test auf die neuen Coronaviren gibt es bereits seit über 30 Jahren.

In 1,5 Stunden zum Testergebnis – theoretisch

Liegt ein begründeter Verdacht vor, dass jemand an der von den neuen Coronaviren verursachten Lungenkrankheit COVID-19 erkrankt ist, so ordnet der betreuende Arzt einen Labortest an. Dabei handelt es sich um eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit der sich gezielt spezifische DNA-Stücke in einer Probe auffinden lassen – oder auch die RNA des Coronavirus SARS-CoV-2. Weil bei der PCR das genetische Material vervielfältigt wird, genügen bereits kleinste Probenmengen für einen Nachweis. Als Probe reicht ein Rachenabstrich oder etwas hochgehustetes Sekret aus den tieferen Atemwegen.

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Namensklärung: SARS-CoV-2 und Covid-19

SARS-CoV-2 ist seit 11. Februar 2020 die offizielle Bezeichnung für das aktuell grassierende „neue“ Coronavirus. SARS steht dabei für Schweres Akutes Atemwegssyndrom.

Covid-19 ist die Lungenkrankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann. Covid-19 steht für Corona Virus Disease 2019.

Quelle: Bundesgesundheitsministerium

Der Abstrich muss dann an ein Labor geschickt werden, wobei die Verpackung aus Sicherheitsgründen drei Schichten umfassen muss: Das Probengefäß, ein Schutzgefäß und eine Versandkiste. Während der Versand und das hohe Probenaufkommen in den Laboren zu Verzögerungen von mehreren Tagen führen können, ist der eigentliche PCR-Test dann in nur 1,5 Stunden durchgeführt.

Die PCR-Methodik brachte 1993 den Chemie-Nobelpreis

Aus dem Testergebnis lässt sich dann sogar bestimmen, wie hoch die Viruslast ist, also wie viele Viren in der Probe enthalten waren. Das PCR-Verfahren hat der US-amerikanische Biochemiker Kary B. Mullis bereits 1983 entwickelt und dafür 1993 den Chemie-Nobelpreis erhalten. Es wird neben der Diagnostik von Infektionskrankheiten auch zum Abklären von Erbkrankheiten oder in der Gerichtsmedizin eingesetzt.

Corona-Krise aktuell Impfstoffentwicklung, Schnelltests und verschobene Fachmessen – hier finden Sie die neusten Meldungen zum Thema Coronavirus aus der LABORPRAXIS-Redaktion.

In Deutschland war ein Forscherteam um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité maßgeblich an der Entwicklung des PCR-basierten Schnelltests beteiligt. Das fertige Verfahren findet nun weltweit Anwendung bei der Corona-Diagnostik. Trotz seiner hohen Sensibilität selbst für geringste Viruskonzentrationen, seien falsch-negative Testergebnisse nicht ausgeschlossen, wie das Robert-Koch-Institut warnt. Daher rät das RKI dazu, bei einem starken Verdacht auf COVID-19, ein negatives Ergebnis mit einem zweiten Test abzusichern.

Was passiert bei einem positiven Testergebnis?

Wenn SARS-CoV-2 im Labor nachgewiesen wurde, kann man derzeit lediglich die Symptome der Patienten behandeln. Je nach Schwere der Infektion treten z.B. Fieber, trockener Husten oder auch Atemprobleme auf; oft sei der Krankheitsverlauf aber milde. Eine Therapie, die gezielt gegen das Coronavirus selbst wirkt, gibt es nach Angaben des RKI derzeit noch nicht, ebenso wenig wie einen Impfstoff. Bei (bestätigtem) Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 sollten auch in Kontakt stehende Personen vorsorglich für 14 Tage (die maximal vermutete Inkubationszeit) unter Beobachtung in häuslicher Quarantäne bleiben, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen.

Die Kosten von 250 € für den Coronatest übernimmt die Krankenkasse – sofern der Test auf begründeten Verdacht hin ärztlich angeordnet wurde. Eine vorsorgliche Überprüfung „auf Nummer sicher“ ist nicht vorgesehen. Dies soll auch verhindern, dass aufgrund zu hoher Anfrage Engpässe bei den Testlaboren entstehen.

Bleiben Sie sachlich informiert

Grundsätzlich bewertet das RKI die Lage auf globaler Ebene zwar als eine „sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation“, betont aber auch, dass „die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung […] in Deutschland aktuell als mäßig eingeschätzt“ wird. Aktuelle Informationen zur Ausbreitung des Coronavirus und Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie im FAQ zum Coronavirus des Robert-Koch-Instituts sowie auf www.infektionsschutz.de.

Tagesaktuelle Informationen zum Coronavirus stellt auch das Bundesgesundheitsministerium bereit.

Das NDR bietet zudem einen Podcast zum Coronavirus, in dem der Leiter der Virologie in der Berliner Charité, Christian Drosten, die aktuelle Lage einordnet.

Quellen:

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Über den Autor

 Christian Lüttmann

Christian Lüttmann

Redakteur, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG