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Stresslevel von Mangusten messen Stresstest mit Wildtierhaaren

| Autor/ Redakteur: Jan Zwilling* / Christian Lüttmann

Beim Menschen ist die Haaranalyse ein verbreitetes Mittel, besonders zur Dopingkontrolle. Doch auch für Tiere bietet sie sich an. So haben Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung nun die Haaranalyse als möglichen Stress-Nachweis bei Mangusten ausgemacht. Darüber soll beispielsweise erforscht werden, wie die Mangusten mit der Rückkehr des Iberischen Luchses zurechtkommen.

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Ägyptische Manguste
Ägyptische Manguste
(Bild: Egyptian mongoose / Egyptian mongoose / Artemy Voikhansky / CC BY-SA 4.0 / CC BY-SA 4.0)

Berlin – Das Leben und Überleben von Tieren in der Natur ist oft hart. Nicht nur lauern natürliche Feinde und Nahrungskonkurrenten, auch Lichtverschmutzung, Lärm oder Straßenverkehr sorgen für zusätzlichen Stress. Kein Wunder, dass Wildtiere oft einen erhöhten Pegel des Stresshormons Cortisol im Blut haben. Prinzipiell lässt sich dieser leicht aus einer Blutprobe nachweisen. „Doch allein das Einfangen der Tiere und die Blutabnahme erzeugen erheblichen Stress. Zudem erhalten wir über das Blut ohnehin nur eine Momentaufnahme“, sagt Prof. Katarina Jewgenow, Leiterin der Abteilung Reproduktionsbiologie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW).

Auch im Kot lassen sich die Abbauprodukte des Cortisols nachweisen, immerhin schon mit einem Zeitfenster für den Rückblick auf die vergangenen 24 bis 48 Stunden. Als echtes Langzeitarchiv für Belastungen durch Stress eignet sich aber nur ein Material: Tierhaare.

Haarige Analyse mit HPLC

Im Rahmen seiner Dissertation untersuchte Leibniz-IZW Doktorand Alexandre Azevedo 294 Haarproben von ägyptischen Mangusten (Herpestes ichneumon) aus sieben Distrikten Portugals, wo die kleinen Raubtiere als eingewanderte, invasive Art bejagt werden. Azevedo reinigte die Haarabschnitte erlegter Mangusten zunächst mit Alkohol, pulverisierte sie und extrahierte die Inhaltsstoffe mit Methanol. Die so erhaltenen Extrakte untersuchte der Doktorand mittels HPLC. Dabei zeigte sich, dass Cortisol im Haar der Mangusten während des Wachstums eingebaut wird. Nun konnten die Wissenschaftler untersuchen, ob es auch tatsächlich als Biomarker für Belastungen geeignet ist – also als Stressmesser dient.

Das Ergebnis war positiv: In den Haaren der kleinen Raubtiere hatte sich das Stresshormon angesammelt. Anhand der fast 300 Proben bestimmten die Forscher dann Normalwerte für Cortisol bei den Mangusten. Neben dem erlebten Stress spiegelten sich auch Alter, Geschlecht und Lagerzeit der Proben in den Cortisolwerten wider. Für Jahreszeit oder Reproduktionsstatus der Weibchen konnte hingegen kein Zusammenhang festgestellt werden.

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Die ägyptische Manguste

Die Raubtierfamilie der Mangusten stammt ursprünglich aus Afrika, wo sie in trockenen Busch- und Grassavannen südlich der Sahara leben. Kleine Populationen verteilten sich entlang des Nils bis hin zum Mittelmeer. Von den 34 bekannten Arten sind 17 Arten reine Insektenfresser.

Die ägyptische Manguste – zur Pharaonenzeit als heiliges Tier verehrt und deshalb auch „Pharaonenratte“ genannt – gehört zu den größten Mangustenarten und ist ein ausgesprochener Fleischliebhaber: Kaninchen sind ihre Hauptbeute, aber auch Mäuse, Echsen, Frösche und Würmer stehen auf dem Speiseplan. Außerdem gehört sie zu den Mangustenarten, die es sogar mit Schlangen aufnehmen. Deshalb wurden mehrere Mangustenarten, darunter auch die ägyptische Manguste, in verschiedenen Ländern zur „Schädlingsbekämpfung“ eingeführt. Ob sie deswegen bereits in der Antike nach Portugal und Spanien gebracht wurde, ist umstritten.

Rückkehr eines alten Konkurrenten

Die ägyptische Manguste ist heute in Portugal weit verbreitet, weil sie dort über lange Zeit keine Nahrungskonkurrenten hatte. „Konkreter Anlass für unsere Studie ist die Wiederauswilderung des iberischen Luchses in Portugal. Seine bevorzugten Beutetiere sind Kaninchen. Damit wird er jetzt zum direkten Nahrungskonkurrenten der Manguste“, erklärt Jewgenow. Die IZW-Forscher wollen in einer weiteren Studie nun untersuchen, inwieweit dies die Mangustenpopulationen unter Stress setzt. Mit der Haaranalyse haben sie jetzt eine geeignete Methode dafür zur Verfügung.

Originalpublikation: Azevedo A, Bailey L, Bandeira V, Dehnhard M, Fonseca C, de Sousa L, et al.: Age, sex and storage time influence hair cortisol levels in a wild mammal population, PLoS ONE 14 (8) (2019); DOI: 10.1371/journal.pone.0221124

* J. Zwilling, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, 10315 Berlin

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