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Sartorius prägt die Wägetechnik nachhaltig

Technologieführerschaft als ständiges Leitmotiv

| Autor / Redakteur: Marc Platthaus* / Marc Platthaus

Abb.1: Kurzarmige Analysenwaagen wie diese bildeten Ende des 19. Jahrhundert das Fundament für den Erfolg von Florenz Sartorius.
Abb.1: Kurzarmige Analysenwaagen wie diese bildeten Ende des 19. Jahrhundert das Fundament für den Erfolg von Florenz Sartorius. (Bild: Sartorius AG)

Kurzarmiger Wägebalken, Aluminium als Werkstoff, das monolithische Wägesystem oder modular konfigurierbare Laborwaagen – die Geschichte des Unternehmens Sartorius ist geprägt von zahlreichen technologischen Meilensteinen. Eine Zeitreise voll brillianter Entwicklungen.

Erfolgreiche Gründer haben eine Idee, von der sie überzeugt sind, den unbedingten Willen, diese Idee umzusetzen – und einen Markt, der die Idee annimmt. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist Florenz Sartorius, der 1870 die „Feinmechanische Werkstatt F. Sartorius“ in Göttingen gründete. Kein halbes Jahr später entstand mit dem Deutschen Kaiserreich der erste deutsche Nationalstaat. Die damit einhergehende wirtschaftliche Belebung der Gründerzeit schuf für den jungen Betrieb ein unternehmerisches Umfeld, das der „Universitätsmechanikus“ Florenz Sartorius erfolgreich zu nutzen wusste. Fast 150 Jahre später hat das Unternehmen zwei Weltkriege überstanden, mehrere Wirtschaftskrisen gemeistert und ist immer noch dem Grundgedanken des Gründers verpflichtet: Dem Markt technologisch führende Produkte anzubieten.

Florenz Sartorius war beseelt von einer bahnbrechenden Idee: der kurzarmigen Analysenwaage. In der sich rasant entwickelnden chemischen Industrie war ein schnell wachsender Markt für hochgenau messende Analysenwaagen entstanden. Die Kunden hatten jedoch in der Anwendung mit konstruktionsbedingten Nachteilen zu kämpfen, die in einer komplizierten Bedienung und langen Einschwingzeiten der in dieser Zeit üblichen Balkenwaagen begründet waren. Sartorius erkannte schnell, dass durch die Einführung leichter und kurzer Wägebalken die Einschwingzeit von Waagen wesentlich reduziert werden könnte. Das Problem löste er mit der Entwicklung eines leichten und kurzarmigen Wägebalkens mit Dreiecks­profil und hoher Festigkeit.

Aluminum – ein neuer Werkstoff kommt auf

Die Gewichtsreduktion bei seinen Waagenkomponenten erreichte Sartorius durch den Einsatz des bereits 1827 von Friedrich Wöhler entdeckten, industriell aber noch recht wenig genutzten Werkstoffs Aluminium. Wöhler lehrte zu dieser Zeit als Professor für Chemie an der Universität Göttingen, der Georgia Augusta, und entwickelte dort den nach ihm benannten Wöhler-Prozess, eine Reduktionsmethode zur Herstellung von reinem Aluminium. Wöhler unterstützte die Idee von Sartorius nicht nur durch die Bereitstellung von Aluminium für die Waagen-Entwicklung, sondern gab auch Hilfestellung bei der Legierung von Aluminium mit Silber, um das Metall fester zu machen. Noch heute sind Aluminium-Legierungen wichtige Materialien für die Herstellung von Sartorius-Waagen.

Um seine Produkte einem breiten Publikum zu präsentieren, nutzte Sartorius sehr früh Messen und Ausstellungen, von denen er oftmals prämiert zurückkehrte: Bereits 1874 erhielt man auf einer Ausstellung in Bremen die höchste Auszeichnung für seine kurzarmige Waage. Auch auf internationalem Parkett war das Unternehmen erfolgreich. So gewann man 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia eine hohe Auszeichnung, 1893 in Chicago eine weitere. Kurz vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten bereits 60 Angestellte im Unternehmen und es wurde die 5000. Waage produziert. Florenz Sartorius band vorausschauend seine vier Söhne in die Geschicke des Unternehmens ein, von denen zwei, Wilhelm und Erich, den Erfolg lange Jahre begleiten sollten.

Jedoch eignete sich Sartorius nicht nur neue Technologien zum Gebrauch an, er nutzte ebenso auch Bekanntes, um hieraus neue Anwendungen zu schaffen. Im Betrieb in Rauschenwasser, rund zehn Kilometer nördlich von Göttingen gelegen, wurden Brutschränke für die Geflügelzucht hergestellt. Gleichzeitig war Sartorius auf das Gebiet der aufkommenden Bakteriologie aufmerksam geworden. In beiden Feldern spielte eine präzise Temperaturregelung in begrenzten Räumen zur Zucht von Organismen eine entscheidende Rolle. Dem technisch interessierten Unternehmer mit Gespür für zukunftsträchtige Anwendungsbereiche eröffnete sich ein aussichtsreiches neues Betätigungsfeld, auf dem technische Innovation schnellen Markterfolg erwarten ließ. Auch in der Folgezeit wurden immer wieder neue Produktsegmente in das Unternehmen integriert: So beispielsweise in den 1930er Jahren die Entdeckungen des Göttinger Chemikers und Nobelpreisträgers Prof. Richard Adolf Zsigmondy auf dem Gebiet der Filtertechnik. Aus diesen sollte später der wichtige und zukunftsweisende Unternehmenszweig der Filtrationstechnologie entstehen.

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