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Sartorius prägt die Wägetechnik nachhaltig

Technologieführerschaft als ständiges Leitmotiv

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Die Elektronik hält Einzug in die Wägetechnik

Eine der einschneidendsten und zugleich erfolgreichsten unternehmerischen Entscheidungen der Firmengeschichte war sicher die Einführung der Elektronik in der Wägetechnik in den 1950er Jahren. Während Ende des Zweiten Weltkrieges in Amerika der Begriff des „Electronic Weigh­ing“ schon gebräuchlich war, bemühte man sich in Göttingen zunächst, die Produktion herkömmlicher mechanischer Waagen im Holz- oder Metallgehäuse wieder aufzubauen und weiter zu entwickeln. Gleichzeitig wurden vielversprechende Prototypen entwickelt, welche die elektromagnetische Kraftkompensation (EMK) nutzten. Das der EMK zugrunde liegende „Spule-Magnet-Prinzip“ war in der Wissenschaft zwar schon länger bekannt, fand bis dato allerdings noch keinen konkreten kommerziellen Einsatz.

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Mit der Elektrono 1 wurde 1954 die erste elektromagnetisch-kraftkompensierende Waage von Sartorius in Serie produziert. Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis sich das EMK-System auch in Präzisions- und Analysenwaagen wiederfand.

Mit der Modellreihe 3100 wurde 1963 das kraftkompensierende Messprinzip schließlich auch auf die mechanischen Präzisionswaagen übertragen. Deren Messwerte konnten zu Dokumentationszwecken etwa an x-t-Schreiber, Steuer- oder Anzeigegeräte übermittelt werden. Mithilfe dieser registrierenden Wäge­systeme war es möglich, die Automatisierung von Laborprozessen zu unterstützen.

In immer größerem Ausmaß wurden Analysenwaagen auf das EMK-System umgestellt. Mit der im Jahr 1971 eingeführten Waagen-Reihe 3000 erfolgte die Messwertermittlung erstmals vollautomatisch. Wägewerte wurden nun innerhalb weniger Sekunden ohne weitere Bedienschritte digital angezeigt und standen zur weiteren digitalen Verarbeitung zur Verfügung. Der Wägevorgang wurde dadurch erheblich vereinfacht, die Messzeit stark reduziert.

In den Jahren 1975 bis 1977 wartete Sartorius sowohl in technologischer als auch optischer Hinsicht mit Highlights auf. Zunächst wurde die Waagen-Reihe 3700 präsentiert, welche mit C-MOS-Bausteinen ausgestattet war, und vom US-Magazin „Industrial Research“ 1976 zu den 100 bedeutendsten neuen technischen Produkten des Jahres gezählt wurde. Die endgültige Umstellung von mechanischen zu elektronischen Präzisionswaagen wurde durch die Einführung von Mikroprozessorwaagen eingeleitet. Den Anfang machte die 1200 MP, welche Anwender nicht nur durch ihre kompakte, handliche Größe zu überzeugen wusste, sondern ihnen auch ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis bot. In schneller Folge wurden Mikroprozessoren auch in anderen Waagen verbaut, etwa der Modellreihe 2000 MP.

In die Mitte der 1970er Jahre fiel zudem die Umstellung der Gehäusefarbe zahlreicher Modellreihen – von nun an waren viele Sartorius-Waagen orange. Die markante Farbgebung unterstrich die technische Differenzierung und hob sich zugleich auffällig von den Produkten der Konkurrenz ab. Die Farbe sollte lange das Erscheinungsbild des Unternehmens und seiner Produkte prägen. Waagen aus dieser Zeit haben Generationen von Anwendern begleitet und gelten heute als echte „Klassiker“.

Statt vieler Einzelteile: das monolithische Wägesystem

Das Herzstück einer Analysenwaage von Sartorius war von Anbeginn die Mechanik der Waage. Die Herstellung der bis zu 150 Einzelteile, sowie deren Zusammenbau zu einem funktionierenden Wägesystem stellte höchste Ansprüche an die Facharbeiter.

Eine wesentliche Herausforderung war zudem der Einsatz unterschiedlicher Materialien, aus denen die Einzelteile hergestellt wurden. Aufgrund ihrer jeweiligen physikalischen Eigenschaften reagierten diese Materialien unterschiedlich auf sich verändernde Umweltbedingungen, wie z.B. Temperatur, Luftdichte oder Luftfeuchtigkeit. Mit der Entwicklung und dem Einsatz monolithischer Wägesysteme fand das Göttinger Unternehmen auch hierauf eine passende Antwort. Zwar gab es bereits Entwicklungen, die zu einer erheblichen Senkung der Anzahl von Einzelteilen und Materialien beitrugen, jedoch gelang Sartorius mit dem Monolithen 1994 ein Durchbruch. Modernste Fertigungstechnologien wie dreidimensionales Highspeed-Cutting erlaubten, das monolithische System mit seinen filigranen Hebeln vollständig aus einem einzigen Aluminium-Block zu fräsen.

Diese Hightech-Wägesysteme wurden zunächst in Halbmikro- und Analysenwaagen verbaut und bald auf weitere Modellreihen übertragen. Der Monolith basierte auf jahrzehntelanger kontinuierlicher Forschung und Entwicklung, die zu einer erneuten Qualitätssteigerung in der Waagenfertigung führten.

Erfolgreiche Waagen-Serien wie die im Jahr 2000 eingeführte Genius und das Nachfolgemodell ME zeugen von den Vorteilen dieser Bauart. Die herausragende Technik der Genius Waage wurde außerdem mit dem „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“ des Jahres 2000 in der Kategorie „Mittelständische Unternehmen“ honoriert. Die Jury hob vor allem die Funktionalitäts- und Ergonomieaspekte der Genius hervor. So überzeugte sie mit der Bedienbarkeit, dem freien Zugriff und Durchgriff zum bzw. in den Wägeraum, einfacher Reinigungsmöglichkeit und einer intuitiven Windschutzbedienbarkeit. Der in der Waage verbaute Monolith besaß eine zu diesem Zeitpunkt einzigartige Auflösung von 21 Millionen Schritten.

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