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Diagnostik von Präeklampsie Teststreifen soll Schwangerschaftsvergiftung erkennen

| Autor / Redakteur: Dr. Andrea Six* / Christian Lüttmann

Übelkeit und Kurzatmigkeit sind normale Beschwerden einer Schwangerschaft. Doch auch die Schwangerschaftsvergiftung verursacht solche Symptome. Für eine schnellere und sicherere Diagnostik entwickelt ein Spin-Off-Unternehmen der Empa nun einen Teststreifen. Dieser soll werdenden Müttern in Zukunft frühzeitig Klarheit über ihren Gesundheitszustand bringen.

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Schwangere können an der so genannten Schwangerschaftsvergiftung erkranken. Ein neuer Test soll dies bald leichter diagnostizieren lassen (Symbolbild).
Schwangere können an der so genannten Schwangerschaftsvergiftung erkranken. Ein neuer Test soll dies bald leichter diagnostizieren lassen (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, xusenru / Pixabay )

Dübendorf/Schweiz – Übelkeit, geschwollene Hände oder Kurzatmigkeit klingen wie typische Beschwerden, mit denen Schwangere zurechtkommen müssen. Diese wenig spezifischen Symptome können jedoch auch Anzeichen einer Schwangerschaftsvergiftung sein. Die so genannte Präeklampsie schleicht sich oft langsam und unbemerkt als allgemeines Unwohlsein an, bis Mutter und Kind plötzlich zum medizinischen Notfall werden. Schätzungen zufolge sterben weltweit jährlich rund 500.000 Kinder und 76.000 Mütter an den Folgen einer Präeklampsie.

So gefährlich das Krankheitsbild ist, so unklar ist seine Ursache. Die Präeklampsie lässt sich zwar im Anfangsstadium mit einfachen Mitteln wie Aspirin und Magnesium ausbremsen, eine frühzeitige, sichere Diagnose ist jedoch schwierig – bis jetzt. Denn die Basler Firma „MOMM Diagnostics“, ein Spin-off der Empa, entwickelt einen Test, der innerhalb von Minuten Gewissheit schaffen soll.

Biomarker erlauben hochsensitiven Nachweis

Bisher waren die gängigen Diagnosekriterien für die Erkrankung zwei körperliche Veränderungen, die bereits erste Folgen der Schwangerschaftsvergiftung sind: Steigender Blutdruck und bestimmte Eiweiße im Urin der Mutter. Diese beiden Erscheinungen müssen aber nicht zwingend für eine Präeklampsie sprechen und sorgen dadurch für überflüssige Krankenhausaufenthalte oder gar Fehlbehandlungen.

Der neue Test setzt daher woanders an. „Wir analysieren zwei sehr spezifische Biomarker im Blut der Mutter“, sagt Mathias Wipf, CEO und Mitgründer von MOMM Diagnostics. Mit einem hochempfindlichen Immunoassay werden die beiden Marker bereits in Konzentrationen von einigen Picogramm pro Milliliter mittels Antikörper aufgespürt. Spezifität und Sensitivität des Tests sind somit deutlich höher als bei der bisherigen klinischen Diagnose.

Eine andere Art von Schwangerschaftstest

Der winzige Biosensor für den Nachweis der Marker ist auf einen Papierstreifen gedruckt. Ein Tropfen Blut aus dem Finger der Mutter reicht aus, um die Moleküle mit dem winzigen Sensorsystem zu detektieren. „Prinzipiell ähnelt das System einem Schwangerschaftstest“, vergleicht Wipf. „Allerdings werden die Ergebnisse elektronisch analysiert.“ Dies spart Zeit und verkürzt somit das Warten der werdenden Mutter auf ein gesichertes Testergebnis.

In den USA ist die Technologie bereits zum Patent angemeldet. Derzeit entwickeln Mathias Wipf und sein Team einen Prototyp; geplant ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum CSEM in Neuenburg und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Marktreif soll der Biosensor-Test bis 2023 sein.

* Dr. A. Six, EMPA Eidgenössische Material- Prüfungs-und Forschungsanstalt, 8600 Dübendorf/Schweiz

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