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Luftverschmutzung und Kindersterblichkeit
Einen Schwerpunkt legt die Studie auf Kinder unter fünf Jahren, die besonders sensibel auf Luftschadstoffe reagieren. Die Berechnungen ergaben, dass 2015 von insgesamt 669 Millionen Kleinkindern weltweit rund 246.000 wegen schlechter Luft gestorben sind, wobei die meisten (237.000) einer Infektion der unteren Atemwege wie bei einer Lungenentzündung erlagen. Zum Vergleich: Im selben Jahr starben 87.000 Kleinkinder an HIV/AIDS, 525.000 an Durchfallerkrankungen und 312.000 an Malaria.
Einen noch dramatischeren Befund, wie Luftverschmutzung die Kindersterblichkeit erhöht, liefert eine Studie, die ein Team um Marshall Burke von der Universität Stanford im Juni 2018 im Fachmagazin Nature präsentiert. Demnach ist die Kindersterblichkeit in Subsahara-Afrika zu 20 Prozent auf Luftschadstoffe zurückzuführen. Das heißt, im Jahr 2015 starben mehr als 400.000 Kinder alleine in dieser Region durch verschmutzte Luft. Den Autoren der Nature-Studie zufolge rufen die Schadstoffe bei Kindern nicht nur lebensbedrohliche Atemwegsinfektionen hervor, sondern machen Kinder offenbar auch in anderer Weise schwer krank. Worin diese zusätzliche gesundheitsschädliche Wirkung der Luftverschmutzung auf Kinder liegt, wissen die Forscher allerdings noch nicht genau.
Die Wahrscheinlichkeit, wegen schlechter Atemluft zu sterben, ist in Afrika besonders hoch. Denn in Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen führen heilbare Krankheiten oft zum Tod, weil viele Kinder unterernährt sind und die medizinische Versorgung mangelhaft ist. Im Tschad ist das Risiko für Kinder, an der Luftverschmutzung zu sterben, gegenüber dem weltweiten Mittel sogar fast auf das Zehnfache erhöht. Auch die Lebenserwartung sinkt wesentlich. In Subsahara-Afrika verliert jedes Kind im Durchschnitt vier bis fünf Lebensjahre durch verschmutzte Umgebungsluft.
„Eine Dreifach-Strategie ist nötig.“
Die Studie zeigt zudem, dass in einigen Ländern mit niedrigem bis mittlerem Durchschnittseinkommen, insbesondere in Indien und Pakistan, die Sterblichkeitsrate für Mädchen 1,2 Mal höher liegt als für Jungen. Die Autoren führen das auf Unterschiede in der Ernährung und der medizinischen Versorgung zurück. Andererseits zeigt die Studie, dass in Indien, die Kindersterblichkeit bedingt durch schlechte Luft rückläufig ist, weil sich der Versorgungszustand, die Luftqualität in Innenräumen und die Ernährung verbessern.
Da sich jedoch die Luftqualität der Außenluft weiter verschlechtert, verschiebt sich die Sterblichkeit auf andere Krankheiten und ältere Menschen. „Um die Todesfälle von Kindern durch Luftverschmutzung zu verhindern, ist eine Dreifach-Strategie nötig“, sagt Atmosphärenforscher Lelieveld: „Ausreichende Ernährung, eine verbesserte medizinische Versorgung und bessere Luftqualität.“
Originalpublikation: Jos Lelieveld, Andy Haines, Andrea Pozzer: Age-dependent health risk from ambient air pollution: a modelling study of childhood mortality in middle and low-income countries. The Lancet Planetary Health, 2. Juli 2018; pre-publication 29 June 2018, DOI: 10.1016/S2542-5196(18)30147-5
(ID:45378124)

