Suchen

ADHS Verhaltensstörung durch Schwermetalle Was hat ADHS mit Schwermetallen zu tun?

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

ADHS tritt häufig bei Kindern auf. Ulf Sauerbrey vom Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Autor des Buches „ADHS durch Umweltgifte? Schadstoffe in der Kinderumwelt“ erläutert im LP-Interview den Zusammenhang zwischen ADHS und Schwermetallen. Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus.

Firmen zum Thema

M.A. Ulf Sauerbrey, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik
M.A. Ulf Sauerbrey, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik
(Bild: Uni Jena)

LABORPRAXIS: Herr Sauerbrey, in Ihrem Buch zeigen Sie einen direkten Zusammenhang zwischen Giften in der kindlichen Umwelt und der Entstehung von ADHS auf. Von welchen Ursachen für diese Krankheit geht man bisher aus?

Ulf Sauerbrey: ADHS ist eine Abweichung menschlichen Verhaltens von gesellschaftlich erwünschten Normen. Gekennzeichnet ist ADHS durch Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität. Diese Symptome müssen bei Kindern über mindestens sechs Monate an verschiedenen Orten auftreten, damit die festgelegten Kriterien erfüllt sind und die Diagnose mit Sicherheit gestellt werden kann. Die in den Wissenschaften erforschten Ursachen sind vielfältig. Studien zeigen zunächst einmal, dass die Gehirne von ADHS-Betroffenen v.a. auf neurochemischer und funktioneller Ebene deutlich anders strukturiert und organisiert sind. Dies ist jedoch nicht überraschend, schließlich steuert unser Gehirn unser Verhalten ja auch mehr oder weniger. Ein besonderer Schwerpunkt der ADHS-Forschung liegt auf der Genetik, wobei die Erbanlagen nach derzeitigem Kenntnisstand lediglich eine Disposition für ADHS darstellen. Ob und wie sich die Merkmale der genetischen Disposition in der individuellen Entwicklung eines Kindes ausprägen, hängt stark von Umweltfaktoren ab. Dabei spielen psychosoziale Faktoren eine große Rolle, z.B. die Beziehung zu erwachsenen Bezugspersonen und das Erziehungswissen und -verhalten der Eltern. Außerdem sind stoffliche Umweltfaktoren zu beachten, z.B. verursachen einige Farb- und Konservierungsstoffe aus Nahrungsmitteln hyperaktives Verhalten bei Kindern, wenngleich diese Effekte in experimentellen Studien gering waren.

LABORPRAXIS: Neuere Studien weisen auch auf eine große Bedeutung von Schadstoffen in der Entstehung kindlicher ADHS hin. Welche Schadstoffe wurden hier untersucht?

Sauerbrey: Vor allem in Innenräumen, in Spielzeug und in der Nahrung finden sich Schadstoffe. Heute ist jedes Kind Umweltgiften ausgesetzt und hat Umweltgifte im Körper. Dies wurde durch einen bundesweit durchgeführten, repräsentativen Survey des Umweltbundesamtes in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut nachgewiesen. Bei ADHS spielen vor allem das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, aber auch Passivrauchexposition in der frühen Kindheit eine große Rolle, wie es jüngst durch Forschungen am Helmholtz Zentrum München bestätigt wurde. Außerdem gibt es inzwischen ausreichend Studien, die zeigen, dass Blei eine ähnlich große Rolle spielt. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass auch Quecksilber ADHS begünstigen könnte ebenso wie die chemischen Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate. Polychlorierte Biphenyle (PCBs) und einige Pestizde verursachen immerhin Einzelsymptome der ADHS.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 26082450)