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Digitalisierung im Gesundheitswesen Vertrauenssache? Neue Lösungen für Telemedizin und interne Klinik-Kommunikation

| Autor/ Redakteur: Alan Duric* / Dr. Ilka Ottleben

Das Gesundheitswesen steht, nicht zuletzt durch den drohenden Ärztemangel, vor dem digitalen Umbruch. Oder ist es bereits mittendrin? Ob Notfall auf der Nachbar­station oder im nächsten Dorf: Eine verbesserte Kommunikation über sichere und datenschutzkonforme Tools könnte die Patientenversorgung verbessern.

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Abb. 1: Was kann die Digitalisierung des Gesundheitswesens für die Patientenversorgung leisten?
Abb. 1: Was kann die Digitalisierung des Gesundheitswesens für die Patientenversorgung leisten?
(Bild: ©BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine zügige Digitalisierung im Gesundheitswesen ausgesprochen. Gemeint sind damit auch medizinische Leistungen, wie die Gesundheitsversorgung aus der Ferne, um dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. Aber ob es sich nun um den Notfall im Krankenhaus handelt oder im nächsten Dorf: Der Schutz sensibler Patientendaten hat höchste Priorität – doch viele bestehende Tools und Angebote können diesem Anspruch nicht gerecht werden.

Mit Online-Fernbehandlung gegen den Ärztemangel

Vor allem ländliche Gegenden bekommen den Ärztemangel deutlich zu spüren. Eine Lösung ist trotz Rekordzahlen von Medizinstudierenden nicht in Sicht: Bis ins Jahr 2020 werden nach Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung 50.000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen. Vereinzelte Projekte wie rollende Arztpraxen versuchen zumindest im Kleinen eine Lösung für das Problem zu finden. Im Mai hat der Deutsche Ärztetag eine Liberalisierung der Fernbehandlungen beschlossen und kippte somit ein jahrzehntelang gültiges Verbot. Somit sollen zukünftig im Einzelfall auch Behandlungen über Kommunikationsmedien ohne einen persönlichen Erstkontakt möglich sein. Voraussetzung für die Behandlungsform ist, dass die Patienten umfassend über die digitale Behandlung informiert werden. Auch besteht eine ärztliche Sorgfaltspflicht bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation des Vorgangs.

Die Fernbehandlung soll als Ergänzung zum persönlichen Arztbesuch dienen und diesen nicht ersetzen. Trotzdem besteht die Chance, dass der Ärztemangel auf diese Weise abgefedert werden kann, denn ein Teil der Patienten, die sonst im Wartezimmer sitzen würden, kann schnell und unkompliziert über Onlinetools beraten werden. Durch digitale Lösungen kann dabei ortsunabhängig auf Expertenwissen zurückgegriffen werden. Auch dies kommt insbesondere ländlichen Regionen zugute, da nicht jedes Kreiskrankenhaus auf alle medizinischen Fachgebiete und Krankheitsbilder spezialisiert sein kann.

Interne Krankenhaus-Kommunikation

Bisher läuft die Kommunikation in Krankenhäusern hauptsächlich auf klassische Weise: per E-Mail, Telefonat, Fax, über Notizen oder das persönliche Gespräch. Neuartige Wege beispielsweise Messengerdienste wie Wire stellen bislang eher eine Ausnahme dar. Dabei bieten sie sich nicht nur in der Telemedizin an, sondern auch für die interne Abstimmung des Personals. Durch eine toolbasierte, organisierte Kommunikation werden sogenannte Informationssilos vermieden (s. LP-Info). Elektronische Kommunikationsprozesse machen Expertenwissen teilbar, sodass auch andere Stationen oder Ärzte von den medizinischen oder patientenbezogenen Informationen profitieren und alle am Prozess beteiligten Personen über den gleichen Informationsstand verfügen.

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LP-info: Was ist ein Informationssilo?

Ein so genannter Informationssilo bezeichnet ein Datensystem, in dem die einzelnen Informationen nur innerhalb eines bestimmten Bereiches verfügbar sind, jedoch von anderen Systemen isoliert sind – ähnlich wie Getreide in verschiedenen Silos. In einem Krankenhaus könnten dies beispielsweise einzelne Stationen, Datenbanken oder sogar Personen sein.

Auch können bei komplizierten Operationen oder ungewöhnlichen Krankheitsbildern ärztliche Kollegen konsultiert werden, um gemeinsam die für den Patienten beste Lösung zu finden. Dies funktioniert zwar theoretisch auch im persönlichen Gespräch, doch per elektronischer Kommunikation können auch jene Experten hinzugezogen werden, die sich gerade nicht vor Ort befinden. Diese können sich per Online-Zugriff auf z.B. Röntgenbilder oder andere Untersuchungsergebnisse ein genaueres Bild der Situation machen.

Klare Zuständigkeiten und Kompatibilität

Das intelligenteste System verfehlt jedoch seine Wirkung, solange es nicht genutzt wird. Aus diesem Grund sollte das Personal ausführlich gebrieft und in die Funktionsweisen neuer, digitaler Kommunikations- und Informationstools eingeführt werden. Vor allem in den Anfangsmonaten bedarf es dabei einer Eingewöhnungsphase, in der sich das Personal in die Technik einarbeiten und alle Prozesse aufeinander abstimmen kann. Zuständigkeiten werden in dieser Zeit klar definiert und ein eindeutiger Workflow festgelegt.

Abb. 2: Die interne Krankenhaus-Kommunikation kann durch digitale Tools schneller und effizienter werden.
Abb. 2: Die interne Krankenhaus-Kommunikation kann durch digitale Tools schneller und effizienter werden.
(Bild: ©elenabsl - stock.adobe.com)

Wie werden im Falle von Messengerdiensten wie Wire die Kranken- und Krankheitsinformationen abgelegt? Wie wird ersichtlich, wann welche Person auf welcher Station Dienst hat? Wie können relevante Informationen stationsübergreifend identifiziert werden, wenn sich Mitarbeiter nicht kennen? Es ist lohnenswert, neue Kommunikationsdienste mit für die beteiligten Personen zugänglichen, jedoch ansonsten gut gesicherten Datenbanken zu kombinieren, in denen tagesaktuelle Zuständigkeiten und verantwortliche Mitarbeiter definiert sind. Somit hat jeder Arzt oder Pfleger aus jeder Station Klarheit darüber, welcher Ansprechpartner kontaktiert werden kann.

Wichtig ist, dass alle bereits bestehenden Systeme mit neuen Softwaretools kompatibel sind – nur so wird eine Einführung der neuen Kommunikationstechniken reibungslos funktionieren. Dazu sollten die Endgeräte mit aktuellen Betriebssystemen laufen. PCs sind das klassische Instrument, doch Smartphones und Tablet-PCs sind auf dem Vormarsch. Eine Synchronisation von PC, Tablet und Handy ermöglicht es, dass die benötigten Daten immer auf dem gerade genutzten Gerät verfügbar sind. Vor allem bei Smartphones ergibt sich dabei ein hoher Datenschutzbedarf: Berufliche Informationen wie Patientendaten sollten keinesfalls mit privaten Informationen vermischt, ein Diensthandy daher selbstredend nur beruflich genutzt werden.

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