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Analytica Virtual: Trinkwasseranalytik Wasseranalytik – sensitiv wie ein Weißer Hai

Redakteur: Christian Lüttmann

Die moderne Wasseranalytik ist heute so empfindlich, dass sie selbst einen einzigen Würfel Zucker im Bodensee nachweisen könnte. Welche Entwicklung die Wasseranalytik gemacht hat und was heutzutage möglich ist, verdeutlicht eine aktuelle Publikation, die der Verband Spectaris zusammen mit der Messe München zur Analytica Virtual erstellt hat.

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Die Analytik von Trinkwasser ist ein wichtiges Feld im Labor und über die Jahrzehnte immer genauer geworden (Symbolbild).
Die Analytik von Trinkwasser ist ein wichtiges Feld im Labor und über die Jahrzehnte immer genauer geworden (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Imani / Unsplash)

München, Berlin – Die moderne Analytik ist quasi der Weiße Hai der Labortechnik: So wie das Raubtier Blut selbst in extremer Verdünnung im Wasser wahrnimmt, so können analytische Methoden heute selbst kleinste Spuren von Stoffen nachweisen – etwa, wenn man nur einen Zuckerwürfel im Bodensee auflösen würde. „Dieses Beispiel zeigt, wie effizient und empfindlich die deutsche Analysen- und Labortechnik geworden ist. Die hohe Versorgungssicherheit und herausragende Trinkwasserqualität werden in Deutschland erst durch sie möglich“, sagt Jörg Mayer, Geschäftsführer des Industrieverbandes Spectaris anlässlich einer neuen Trinkwasser-Publikation, die der Verband zusammen mit der Messe München zur Analytica Virtual erstellt hat.

Wie viel Trinkwasser wird tatsächlich getrunken?

Die Untersuchung, die in Kooperation mit dem Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wasser (IWW) entstand, belegt dabei die Bedeutung der Analytik für die heutige Versorgung mit Trinkwasser. Sie gibt einen Überblick zur Geschichte der Trinkwasseranalytik in Deutschland und liefert zahlreiche Fakten: 553 Laboratorien überwachen in Deutschland die Qualität des Trinkwassers. Das bedeutet, dass sie Stichproben von den etwa 5,2 Milliarden Kubikmeter Wasser untersuchen müssen, die pro Jahr gewonnen werden. Denn von diesem Wasser gehen knapp 3,7 Milliarden Kubikmeter an Haushalte und Kleingewerbe – wo hohe Qualitätsstandards gelten. Schließlich nutzen viele Menschen das Leitungswasser zum Kochen und Trinken. Von dem Pro-Kopf-Verbrauch von 121 Litern pro Tag fallen jedoch nur rund fünf Liter tatsächlich für Essen und Trinken an. Der Rest geht vor allem im Badezimmer über Dusche/Wanne und Toilette wieder ins Abwasser zurück.

Strengere Grenzwerte und empfindlichere Analytik

In ihrem Bericht machen die Autoren deutlich, dass die Anforderungen an die Trinkwasser- und Lebensmittelanalytik in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind – und dass Forscher, Entwickler und Hersteller dafür dank Hightechlösungen immer genauere Messmethoden zur Verfügung stellen können. Die Innovation betreffe im Wesentlichen die organische Spurenanalytik. Dort seien die Bestimmungsgrenzen in den vergangenen 30 Jahren um etwa den Faktor 1000 besser geworden. „Die erste Trinkwasserversordnung von 1975 enthielt nur zwölf Grenzwerte für chemische Stoffe wie Quecksilber und Nitrat. Heute liegt die Zahl chemischer, mikrobiologischer und anderer Parameter bei 108 und ist somit neun Mal so groß“, verdeutlicht Dr. Ulrich Borchers, Prokurist und Bereichsleiter Wasserqualität des IWW.

Die analytische Bandbreite an umweltrelevanten Stoffen wird dabei zwangsläufig immer größer. „Heute gibt es Analyseverfahren, die mit einer Untersuchung 150 Stoffe bestimmen können. Wenn sich nun die Geräte und Analyseverfahren digital vernetzen, wird das generierte Wissen noch schneller verfügbar. Für unseren Verband und auf der Messe Analytica ist das einer der wichtigsten Branchentrends“, sagt Spectaris-Geschäftsführer Mayer.

Die Wasseranalytik ist auch ein wichtiger Themenschwerpunkt auf der Analytica Virtual, die bis zum 23. Oktober 2020 stattfindet. „Die Analytica zeigt alle zwei Jahre die wichtigsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Trinkwasseranalytik. Auch in der rein virtuellen Variante in diesem Jahr bildet die Weltleitmesse den Stand der Technik ab und bietet die Möglichkeit, mit Top-Experten aus der Praxis in Kontakt zu treten“, sagt Dr. Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München.

Originalpublikation: Herausgeber: Spectaris – Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik e.V. und Messe München GmbH, Analysen- und Labortechnikschlüssel zur Sicherheit von Trinkwasser und anderen Lebensmitteln, 1. Auflage, Berlin/München, Oktober 2020

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