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Genom-Untersuchung australischer Ureinwohner Woher stammen die Aborigines?

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Genom-Analysen helfen Wissenschaftlern dabei, Abstammung und Herkunft einzelner Völker zu bestimmen. Schweizer Forscher haben nun in einem umfangreichen Projekt das Genom verschiedener Aborigines analysiert. Eine Erkenntnis: Aborigines zeichnen sich durch eine enorme genetische Vielfalt aus.

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Forscher haben die erste umfassende Genom-Untersuchung australischer Ureinwohner vorgenommen.
Forscher haben die erste umfassende Genom-Untersuchung australischer Ureinwohner vorgenommen.
(Bild: gemeinfrei)

Lausanne/Schweiz – Australien ist nach Afrika eine der am längsten dauerhaft von Menschen besiedelten Weltregionen. Aber wer genau waren die ersten Menschen, die sich dort niederließen? Diese Frage hat politische Implikationen und wird seit Jahren debattiert. Nun legt ein internationales Forscherteam unter Leitung des SIB Schweizerischen Instituts für Bioinformatik - mit Hauptautor Anna-Sapfo Malaspinas und Gruppenleiter Laurent Excoffier, beide von der Universität Bern - die erste umfassende Genom-Untersuchung von australischen Ureinwohnern vor. Sie zeigt, dass diese tatsächlich die direkten Nachkommen der ersten australischen Siedler sind. Das Paper, das heute im Journal „Nature“ publiziert wird, ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen internationalen Forschungsteams und Vertretern der Aborigines.

Die Besiedlung Australiens und die Geschichte der Menschen, die auf diesem Kontinent leben, wird in wissenschaftlichen Kreisen nach wie vor heiß diskutiert. Bisherige demografische Erkenntnisse zu Aborigines beruhten auf lediglich drei verschiedenen Aborigine-Genomen. Eines davon stammte vom Haarbüschel eines Verstorbenen. Die Herkunft der anderen beiden Zelllinien ist nicht vollständig geklärt. Unter Mithilfe von Koautoren australischer Aborigine-Herkunft hat nun ein internationales Forschungsteam 83 moderne Genome von Aborigines und 25 moderne Genome von Papua sequenziert. Die Forschenden kombinierten diese genetischen Daten mit linguistischen Daten, um die Besiedelung Australiens nachzuzeichnen. Die Studie zeigt unter anderem drei grundlegende historische Daten auf und enthält mehrere wichtige Befunde zu frühen menschlichen Populationen.

Vor 72.000 Jahren: Eine gemeinsame Wanderung „Out of Africa“

Bisherige Studien gingen davon aus, dass die Vorfahren moderner Papua und Australier viel früher aus Afrika hätten auswandern müssen als jede andere Population, um Neuguinea und Australien vor rund 47.000 Jahren erreichen zu können, wie Fossilfunde nahelegen. Die Forschenden um Anna-Sapfo Malaspinas schätzen jedoch aufgrund ihrer Erkenntnisse vielmehr, dass vor 72.000 Jahren eine Ur-Population den Afrikanischen Kontinent verließ, aus der später die Australischen Aborigines, die Europäer und die Ostasiaten hervorgingen. Laurent Excoffier von dem SIB Schweizerischen Institut für Bioinformatik und dem Institut für Ökologie und Evolution, Abteilung Populationsgenetik (Universität Bern) erklärt: „Es war umstritten, inwiefern die Australischen Aborigines eine eigene Out-of-Africa-Wanderung repräsentieren. Wir fanden heraus, dass ­– unter Berücksichtigung einer Vermischung mit archaischen Menschen – die Mehrheit der genetischen Zusammensetzung aus derselben Auswanderung aus Afrika stammt wie diejenige anderer Nicht-Afrikaner.“

Vor 37.000 Jahren: Australische Erstbesiedler und ihre Nachbarn entwickeln sich auseinander

Die Australischen Aborigines haben sich laut den Forschenden bereits vor 37.000 Jahren von ihren Nachbarn isoliert – lange bevor Neuguinea und Australien geografisch voneinander getrennt wurden (vor 10.000 Jahren). „Lange war unklar, wie Australische Aborigines nach Australien gelangten“, sagt Senior-Autor Eske Willerslev vom Centre for GeoGenetics in Kopenhagen. „Ebenso konnten weitere Fragen wie zu ihrer Beziehung zu anderen Gruppen bisher technologisch und auch politisch nicht geklärt werden.“

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