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Wie viel Zeit bleibt den Korallen im Flachwasser?

Klimawandel lässt Riffe erbleichen

| Autor / Redakteur: Catarina Pietschman* / Christian Lüttmann

Steigende Wassertemperaturen führen zum Bleaching von Flachwasser-Riffen. Kaum drei Monate liegen zwischen den beiden Aufnahmen.
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Steigende Wassertemperaturen führen zum Bleaching von Flachwasser-Riffen. Kaum drei Monate liegen zwischen den beiden Aufnahmen. (Bild: THE OCEAN AGENCY)

Sie sind weit mehr als Unterwasser-Postkartenmotive: Korallenriffe stecken voller Leben, bewahren Strände vor der Meeresströmung und bieten sogar potenzielle Arzneimittel. Doch Experten haben wenig Hoffnung für die bunten Paradiese. Der Klimawandel droht, sie nachhaltig zu zerstören. Ein Geobiologe der Freien Universität Berlin gibt einen Einblick in die Faszination der Flachwasser-Riffe – und ihren bevorstehenden Untergang.

Berlin – Für die tropischen Flachwasser-Riffe ist es schon fast fünf nach zwölf. Immer häufiger geraten diese faszinierenden Ökosysteme durch steigende Wassertemperaturen unter Stress und bleichen aus. Der Grund dafür sind ihre einzelligen Untermieter – die Algen, die sie mit Energie versorgen und ihnen auch die herrlich bunten Farben verleihen: Bei den höheren Temperaturen verhalten sie sich allerdings eher so, dass sie die Koralle schädigen – und deshalb von dieser „hinausgeworfen“ werden.

„Dauern solche Phasen zu lange an, verhungern die Korallen. Teilweise werden sie später zwar wiederbesiedelt, aber das Ausbleichen der Korallenriffe, das sogenannte Bleaching, nimmt global zu“, mahnt Prof. Reinhold Leinfelder, Geobiologe und Riffspezialist an der Freien Universität Berlin.

Im Kreuzfeuer von Klimawandel, Überfischung und Plastikmüll

Erstmals in großem Ausmaß wurde dieses Phänomen 1998 beobachtet, als eine Hitzewelle, vor allem ausgelöst durch die als El Niño bekannt gewordene Wassererwärmung im Pazifik, 16 Prozent aller Korallenriffe weltweit zerstörte. 2010 und 2014 bis 2017 wiederholte sich das Bleaching.

Doch neben dem Klimawandel setzen weitere Faktoren den Riffen zu. Überdüngung durch intensive Landwirtschaft, Überfischung, Massentourismus und Plastikmüll schädigen die sensiblen Ökosysteme gleich vielfach. Gründe genug für die Wissenschaft, das Jahr 2018 zum 3. Internationalen Jahr des Riffs zu erklären, nach 1997 und 2008.

Riffsterben – nicht nur schade für Tauchurlauber

Wenn die Riffe sterben, ist das nicht bloß ein Verlust für naturbegeisterte Taucher. Denn abgesehen vom Rifftourismus, von dem viele Länder leben, haben die bunten Paradiese vielfältige Funktionen. Weil sie durch ihre raue und zerklüftete Oberfläche bis zu 95 Prozent der Wellenenergie abfangen, dienen diese Barrieren Tausenden Inseln und diversen Festlandregionen als natürlicher Küstenschutz. Fehlten sie, würden Sandstrände einfach weggespült.

Riffe sind aber auch Kinderstuben und Fressgründe für viele Fischarten, ein Viertel des internationalen Fischfangs ginge verloren ohne sie. Die vielgestaltigen Unterwasserlandschaften sind zudem Hot Spots der Evolution und der Biodiversität. „Man schätzt, dass etwa zwei Millionen Arten von Organismen in den Riffen der Welt leben“, sagt Leinfelder. „Und die meisten davon kennen wir noch gar nicht.“

Das Riff im Griff

Studie zeigt Wirksamkeit von Schutzgebieten für Korallenriffe

Das Riff im Griff

20.06.18 - Mehr als bloß atemberaubende Postkartenmotive: Korallenriffe sind eigene Unterwasserwelten, die zahlreichen Arten einen Lebensraum bieten. Der Schutz dieser Ökosysteme ist daher enorm wichtig. Doch wie können Schutzmaßnahmen möglichst effektiv gestaltet werden? Dieser Frage widmete sich ein internationales Team von 37 Wissenschaftlern. lesen

Außerdem sind sie eine schier unerschöpfliche „blaue Apotheke“. Viele Substanzen ihrer Bewohner sind hochpotente Arzneistoffe, darunter raffinierte Antibiotika, Schmerz- oder Krebsmittel. Kein Wunder, denn am Riff leben so viele unterschiedliche Lebewesen zusammen, dass etliche im Laufe der Evolution ausgeklügelte Überlebensstrategien entwickelt haben. „Da muss mancher sich seinen Platz erobern und aufpassen, dass er von anderen nicht weggegiftet wird“, so Leinfelder.

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