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Frage: Frau Klebel, woran arbeiten Sie zur Zeit?
Ruth Klebel: Ich arbeite im Moment an einem Werk des holländischen Malers Willem van Honthorst aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es zeigt das fast lebensgroße Porträt eines jungen Mannes mit Federhut. An diesem Gemälde muss der Bildträger saniert werden, da die Spannränder ausgerissen sind. Weiterhin werde ich die Oberfläche reinigen, den vergilbten Firnis mit Wattestäbchen und Lösungsmittel reduzieren, Übermalungen abnehmen und die Fehlstellen ergänzen. Das Portrait zeigt eine ungewöhnlich raue Oberfläche. Durch das Stereomikroskop betrachtet wird deutlich, dass die Rauigkeit durch Körnchen im Firnis hervorgerufen wird (Abb. 4). Dieser Überzug ist mit Sicherheit nicht original. Bei der Restaurierung von alten Gemälden geht es nicht nur darum, Schäden an der Originalsubstanz zu beheben. Die meisten Werke wurden bereits in der Vergangenheit in irgendeiner Weise bearbeitet bzw. restauriert, wobei nicht jeder Eingriff einen positiven Einfluss auf die originale Substanz mit sich gebracht hat. Die Restaurierung hat sich erst im 19. Jahrhundert langsam als eigenständiger Berufszweig etabliert. Zuvor haben häufig Maler das Restaurieren übernommen. Fehlstellen oder auch ganze Bildbereiche wurden oft großflächig übermalt. Soweit dies möglich und sinnvoll ist, werden spätere Zutaten entfernt, um der originalen Substanz zu ihrer Wirkung zu verhelfen.
Frage: Für welche Arbeitsschritte setzen Sie das Mikroskop ein?
Ruth Klebel: Das Mikroskop wird unter anderem zur Untersuchung von Kunstwerken eingesetzt. Ich betrachte Malschichten, Oberfläche und Bildträger sehr genau, um Schadensphänomene zu lokalisieren und zu identifizieren. Natürlich wird der Zustand auch fotografisch dokumentiert. Für die qualitätsvolle Ausführung vieler konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen – beispielsweise die Festigung von lockeren Malschichten oder die Abnahme von Übermalungen – ist das Mikroskop nahezu unentbehrlich. Ich setze ein Stereomikroskop mit Bodenstativ ein. Dessen Flexibilität und Reichweite ermöglichen das Arbeiten auch an großformatigen Objekten. Sowohl für die Arbeit am Objekt als auch für die fotografische Dokumentation ist es sehr wichtig, dass die Kombination aus Mikroskop und Stativ sehr stabil ist und Vibrationen möglichst vermeidet.
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