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Kunstrestaurierung

Mit Wattestäbchen und Mikroskop zurück zu altem Glanz

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Frage: Wie wichtig ist das Mikroskop für die Sanierung des Bildträgers?

Ruth Klebel: Auch für die Verklebung von Rissen und Löchern in der Leinwand ist die Verwendung des Mikroskops unerlässlich. Die gerissenen Fadenenden werden mit einem einzigen Klebepunkt wieder zusammengefügt. Dabei wird das Webmuster imitiert und darauf geachtet, dass die Spannung der verklebten Fäden denen des unversehrten Gewebes entspricht, da sonst im verklebten Bereich Beulen oder Einzüge entstehen. Diese Arbeit kann durchaus viele Stunden dauern. Ein Beispiel für eine Leinwandergänzung ist ein Blumenstilleben der holländischen Malerin Rachel Ruysch um 1700, auch hier kam das Mikroskop vielfältig zum Einsatz (Abb. 6). Das Bild war doubliert, das heißt, eine zweite Leinwand war bereits früher von hinten aufgeklebt worden, um das Bild zu stabilisieren. Diese zweite Leinwand habe ich abgenommen. Dabei blieb ein Großteil des Klebstoffes auf der Rückseite der Originalleinwand haften. Diese Rückstände wurden mit einem Sandstrahlgerät unter dem Stereomikroskop entfernt. Auch die originale Leinwand hatte zahlreiche bis auf die Malschicht reichende Fraßlöcher. Im Bereich dieser Beschädigungen wurden die fehlenden Fäden durch neue ergänzt und mit den alten Fadenenden verklebt.

Frage: Welche Rolle spielen Beleuchtung und Ergonomie?

Ruth Klebel: Die Beleuchtung spielt eine ganz wesentliche Rolle. Sie muss variabel und präzise einstellbar sein und darf beim Arbeiten nicht behindern. Oft müssen wir mit dem Licht bis ganz knapp an die Oberfläche des Bildes herangehen. Um feinste Oberflächenveränderungen und erhabene Strukturen sichtbar zu machen, benötigen wir Streiflicht – das Objekt wird dabei extrem von der Seite angestrahlt. Auch zum Fotografieren ist eine flexible Beleuchtung nötig. Ich arbeite viel am Mikroskop, an manchen Tagen fünf bis sechs Stunden am Stück. Die Arbeit erfordert höchste Konzentration, deshalb ist Ergonomie für mich sehr wichtig. Ich achte darauf, dass ich eine angenehme Sitzposition habe. Dabei hilft mir beispielsweise ein Tubus mit variablem Einblickwinkel von 0-180°, der das stundenlange Mikroskopieren sehr erleichtert.

* Anja Schué, Leica Microsystems

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