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Herpesviren als potenzielle Krankheitsauslöser

Re-aktivierte Herpesviren: Neue Methode könnte frühzeitig warnen

| Autor / Redakteur: Gunnar Bartsch* / Dr. Ilka Ottleben

95 bis 100 Prozent der gesunden Erwachsenen sind mit einer Variante des menschlichen Herpesvirus 6 (HHV-6) infiziert. Normalerweise inaktiv und harmlos können diese Herpesviren z.B. durch Gabe spezieller Medikamente rekativiert werden. Im Bild: Fluoreszenzaufnahme aus der Nierenbiopsie der DRESS-Patientin mit HHV-6-kodierter sncRNA-U14 (grün). Die DNA wurde blau gefärbt.
95 bis 100 Prozent der gesunden Erwachsenen sind mit einer Variante des menschlichen Herpesvirus 6 (HHV-6) infiziert. Normalerweise inaktiv und harmlos können diese Herpesviren z.B. durch Gabe spezieller Medikamente rekativiert werden. Im Bild: Fluoreszenzaufnahme aus der Nierenbiopsie der DRESS-Patientin mit HHV-6-kodierter sncRNA-U14 (grün). Die DNA wurde blau gefärbt. (Bild: AG Prusty)

95 bis 100 Prozent der gesunden Erwachsenen sind mit einer Variante des menschlichen Herpesvirus 6 (HHV-6) infiziert. Normalerweise inaktiv und harmlos können Herpesviren wie HHV-6 viele Jahre unbemerkt in menschlichen Zellen schlummern. Bestimmte Infektionen, ein geschwächtes Immunsystem aber auch verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente können die Viren jedoch wieder re-aktivieren und dann droht - mitunter akute und große - Gefahr. Würzburger Forscher haben nun eine Methode entdeckt, mit der sich die aktiven von inaktiven Herpesviren in einem frühen Stadium unterscheiden lassen. Dies könnte für klinische Interventionen hilfreich sein.

Würzburg – Fast jeder Mensch trägt es in sich, doch nur die wenigsten werden im Laufe ihres Lebens etwas davon spüren: Das menschliche Herpesvirus 6 (HHV-6) gehört zu den Viren, die in der Bevölkerung am häufigsten zu finden sind. Zwischen 95 und 100 Prozent der gesunden Erwachsenen tragen Antikörper gegen das Virus in ihrem Körper – haben also in der Vergangenheit eine Infektion durchgemacht.

Herpesviren verstecken sich im Erbgut

In zwei Varianten tritt das Virus auf: HHV-6A und HHV-6B. Während HHV-6B sich vor allem bei Kleinkindern bemerkbar macht, bei denen es das sogenannte Drei-Tage-Fieber auslöst, verläuft eine Infektion mit Viren vom Typ HHV-6A in der Regel unbemerkt. Und wer einmal infiziert wurde, bleibt es für den Rest seines Lebens: Das Virus besiedelt bestimmte Körperzellen und integriert sich dort in das Erbgut.

In der Regel ist diese Infektion harmlos. Unter bestimmten Umständen können die Viren allerdings wieder aktiv werden – beispielsweise nach einer zusätzlichen Infektion mit Chlamydien, nach einer Organtransplantation, wenn das Immunsystem geschwächt ist, oder nach der Gabe spezieller Medikamente.

Herpesviren als Auslöser zahlreicher Krankheiten?

Während lange Zeit die Meinung galt, dass humane Herpesviren in der Regel keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit ausüben, betrachten Wissenschaftler heute das Virus verstärkt als potenziellen Auslöser diverser Krankheiten, wie beispielsweise der Multiplen Sklerose oder dem Chronische Müdigkeitssyndrom. Jüngste Studien sprechen sogar dafür, dass HHV-6 an der Entstehung zahlreicher Krankheiten des Nervensystems wie etwa Schizophrenie, der Bipolaren Störung, Depressionen oder der Alzheimer-Krankheit beteiligt ist.

Überraschender Fund: Herpesviren als Auslöser psychischer Erkrankungen?

Schlummernde Viren als Krankheitsauslöser

Überraschender Fund: Herpesviren als Auslöser psychischer Erkrankungen?

06.08.18 - Herpesviren sind seit Millionen von Jahren ein ständiger Begleiter des Menschen. Einmal infiziert, verbleibt das Herpesvirus ein Leben lang im Körper. Mindestens eines der neun bekannten, auf den Mensch spezialisierten Herpesviren trägt jeder erwachsende Mensch heute in sich. Nun haben Forscher Viren als mögliche Auslöser von psychiatrischen Krankheiten unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass spezielle Erkrankungen wie bipolare und schwere depressive Störungen mit einer erhöhten Infektionsrate eines bestimmten Herpesvirus einher gehen. lesen

Verantwortlich für diese jüngsten Befunde ist Dr. Bhupesh Prusty. Der Wissenschaftler ist Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Jetzt hat Prusty eine Methode entdeckt, mit der es erstmals möglich ist, die Re-Aktivierung der humanen Herpesviren in einem frühen Stadium nachzuweisen.

Mikro-RNA-Moleküle als Herpesvirus-Marker

„Betaherpesviren wie das humane Herpesvirus 6A, 6B und 7 integrieren sich in die Enden menschlicher Chromosomen und verharren dort über viele Jahre. Dies macht es schwer, das Frühstadium der viralen Aktivierung, basierend auf einer Analyse des viralen Erbguts, zu erkennen“, schildert Prusty das Problem. Mit seinem Team hat der Virologe jetzt einen alternativen Ansatz entdeckt, der sich als geeigneter Kandidaten für die Verwendung als Biomarker für HHV-6-Studien anbietet.

„Wir haben mehrere virale Mikro-RNA-Moleküle identifiziert, die sowohl während einer aktiven Infektion als auch einer viralen Aktivierung gebildet werden“, sagt Prusty. Mikro-RNAs nehmen indirekt Einfluss auf die Stoffwechselvorgänge in Zellen. Während die RNA Informationen aus dem Erbgut vom Zellkern in die Zelle trägt, wo diese in Proteine „übersetzt“ werden, greifen Mikro-RNAs steuernd in diesen Prozess ein. Sie können an RNA-Moleküle andocken und damit deren Übersetzung in Proteine blockieren oder gleich den Abbau der RNA-Moleküle in die Wege leiten. „Der Nachweis dieser viralen Mikro-RNAs kann unter klinischen Bedingungen als idealer Biomarker dienen“, ist sich Prusty sicher.

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