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Fachbuch Spinner oder Wegweiser? - Außenseiter in der Wissenschaft

| Redakteur: Doris Popp

Grenzgänger, Querdenker, unerwünschte Reformer – wie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens treten auch in der Wissenschaft immer wieder Außenseiter in Erscheinung. Franz M. Wuketits, Autor des Titels Außenseiter in der Wissenschaft, porträtiert 35 Wissenschaftler aus mehreren Jahrhunderten, die als Außenseiter gewirkt, letztlich aber der Wissenschaft unverzichtbare Dienste erwiesen haben.

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Außenseiter in der Wissenschaft
Außenseiter in der Wissenschaft
(Bild: Springer Spektrum)

Heidelberg – Darunter befinden sich einige sehr bekannte, aber auch manche heute weitgehend in Vergessenheit geratene Forscher und Gelehrte. So treffen wir beispielsweise auf Johannes Kepler, Paracelsus, Charles Darwin, Alexander von Humboldt, Alfred Wegener, Barbara McClintock und Hoimar von Ditfurth und erfahren, welche wichtigen Impulse sie der Wissenschaft gegeben haben.

„Natürlich wurde bahnbrechende Forschungsarbeit nicht nur von Außenseitern geleistet, dennoch waren sie für den wissenschaftlichen Fortschritt vielfach unentbehrlich“, so Wuketits. Im Leben dieser Wissenschaftler, die sich nicht an Konventionen hielten, lassen sich Gemeinsamkeiten finden. Sie alle betraten entweder ‚Forschungs-Neuland‘ und vertraten Theorien, die ihren Kollegen suspekt waren, oder sie forschten in Disziplinen, in denen sie ursprünglich nicht ausgebildet worden waren. „Es ist bedauerlich, dass die Bedeutung ihrer Forschung häufig erst sehr viel später erkannt worden ist und viele erst nach ihrem Tod die ihnen gebührende Anerkennung gefunden haben“, sagt Wuketits.

Jedem der hier porträtierten Gelehrten wurde eine pointierte Kurzcharakteristik der Person und seines Werkes vorangestellt. Wuketits teilt sie in verschiedene Gruppen ein: So gibt es die Universalisten und Dilettanten, die Grenzgänger, die unerwünschten Reformer, Querdenker und Quereinsteiger sowie die ideologisch unbequemen Wissenschaftler, die für ihre Forschungsarbeiten sogar mit dem Leben bezahlten. „Alle jedoch vertraten ihre Ideen mit bewundernswerter Hartnäckigkeit und Leidenschaft, setzten sich über Konventionen hinweg und beugten sich keinem Anpassungsdruck“, so Wuketits.

Mit diesem gut lesbaren Buch liefert der Autor einen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte, gibt darüber hinaus aber auch Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb einst und jetzt und hilft, manche Vorurteile zu beseitigen, die sich nach wie vor um die Wissenschaft ranken. Das Buch ist daher keine bloße Sammlung interessanter Biographien, sondern auch ein bemerkenswert kritischer Beitrag zum Verständnis der Wissenschaft insgesamt, deren Entwicklung sich keineswegs geradlinig vollzieht und von höchst unterschiedlichen Temperamenten getragen wird.

Das Buch ist im Verlag Springer-Spektrum erschienen und kostet 14,99 Euro.

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