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Tödliches Gas wirkt leistungssteigernd Sportliche Ausdauer: Kohlenmonoxid statt Höhentraining?

Autor / Redakteur: Christian Wißler* / Dr. Ilka Ottleben

Kohlenmonoxid ist lebensgefährlich. Immer wieder führt das Gas zu dramatischen tödlichen Unfällen. Doch offenbar hat die Verbindung auch eine andere Seite: In geringen Mengen scheint das Gas die sportliche Ausdauer zu steigern. Diese überraschende Erkenntnis über die leistungssteigernde Wirkung von Kohlenmonoxid haben Forscher der Universität Bayreuth in einer sportmedizinischen Studie gewonnen.

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Kohlenmonoxid ist ein lebensgefährliches Gas. In geringen Mengen kann es jedoch eine leistungssteigernde Wirkung haben. (Symbolbild)
Kohlenmonoxid ist ein lebensgefährliches Gas. In geringen Mengen kann es jedoch eine leistungssteigernde Wirkung haben. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Bayreuth – Zur Steigerung ihrer Ausdauer trainieren Leistungssportler oftmals unter Sauerstoffmangel. Dies geschieht traditionell in ausgewählten Gebirgsregionen – in Form von Höhentraining–, mittlerweile aber auch in Trainingslabors, in denen der Sauerstoffgehalt der Atemluft künstlich reduziert wird.

Die Bayreuther Sportmediziner um Prof. Dr. Walter Schmidt zeigen jetzt in ihrer Studie, dass es einen dritten Weg gibt, die Menge des im Blutkreislauf transportierten Sauerstoffs zu verringern: Eingeatmetes Kohlenmonoxid hindert Sauerstoff-Moleküle daran, sich mit Hämoglobin zu verbinden, das den Organismus normalerweise mit Sauerstoff versorgt. An den dadurch verursachten Sauerstoffmangel versucht sich der Organismus nun zu gewöhnen. Er reagiert mit ähnlichen Anpassungseffekten wie bei einem Höhentraining.

Inhalation von Kohlenmonoxid – eine Alternative zum Höhentraining?

Kontrollierte Inhalation von Kohlenmonoxid
Kontrollierte Inhalation von Kohlenmonoxid
(Bild: UBT)

„Eine gezielte Inhalation von Kohlenmonoxid in geringen Dosen könnte somit eine echte Alternative zu einem Höhentraining oder anderen Maßnahmen darstellen, die den Organismus einem kontrollierten Sauerstoffdefizit aussetzen. Bevor die Methode allerdings in die Praxis übernommen werden kann, müssen ethische Fragen geklärt und einige medizinische Aspekte noch genauer erforscht werden“; sagt Prof. Dr. Walter Schmidt, der an der Universität Bayreuth die Abteilung für Sportmedizin und Sportphysiologie leitet. Seiner Einschätzung nach hat Kohlenmonoxid sogar eine stärkere leistungssteigernde Wirkung als das Hormon EPO, welches von Leistungssportlern schon oft als illegales Doping-Mittel eingesetzt wurde.

Welt-Anti-Doping Agentur muss entscheiden

In sehr geringen Mengen wird Kohlenmonoxid allerdings auch vom Körper selbst hergestellt, und es wird – ganz unabhängig von einer Steigerung der sportlichen Ausdauer – in der klinischen Diagnostik und Therapie genutzt. „Letztendlich muss die Welt-Anti-Doping Agentur (WADA) entscheiden, ob es sich bei der Leistungssteigerung durch Kohlenmonoxid um eine legale Trainingsmethode oder um ein neues Dopingmittel handelt, das verboten werden muss“, erklärt Schmidt.

Sportmedizinische Messergebnisse

Im Rahmen der sportmedizinischen Studie haben elf Versuchspersonen fünfmal täglich für drei Wochen eine geringe Menge Kohlenmonoxid inhaliert. Dadurch verringerte sich der Sauerstofftransport in der Blutbahn um rund fünf Prozent, was einem Aufenthalt in einer Höhe von etwa 2.500 Metern entspricht. Nach drei Wochen hatte sich die gesamte Hämoglobinmenge um fünf Prozent erhöht. Dieser Anstieg ging mit einer messbaren Steigerung der Ausdauerleistung einher. Er entsprach den Wirkungen eines gleich langen Höhentrainingslagers.

Forschungskooperation

Das Team der Bayreuther Sportmediziner hat bei seiner Studie zu den Wirkungen von Kohlenmonoxid mit Wissenschaftlern an der TU Dresden sowie an der University of Colorado Boulder/USA zusammengearbeitet.

Originalpublikation:Walter F. J. Schmidt, Torben Hoffmeister, Sandra Haupt, Dirk Schwenke, Nadine B Wachsmuth, William C Byrnes: Chronic Exposure to Low Dose Carbon Monoxide Alters Hemoglobin Mass and VO2max. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2020. Online ahead of print: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32118696/

* C. Wißler: Universität Bayreuth, 95447 Bayreuth

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