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Wie roch es in der Antike?

Spurenanalyse rekonstruiert tausende Jahre alte Gerüche

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Räuchergefäß aus öffentlicher Anlage der Frühen Eisenzeit, Oase von Tayma, Saudi-Arabien.
Räuchergefäß aus öffentlicher Anlage der Frühen Eisenzeit, Oase von Tayma, Saudi-Arabien. (Bild: © DAI Orient Department/Kramer)

Pistazien in Tempeln, zuhause Weihrauch, Myrrhe in Grabstellen – anhand organischer Rückstände an antiken Scherben ist es einem interdisziplinären Forscherteam nun erstmals gelungen, in die Geruchswelt der Antike einzutauchen.

Berlin – Wissenschaftlern des Instituts für Ökologie an der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt der TU Berlin ist es im Rahmen eines interdisziplinären Projektes mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) erstmals gelungen, antike Gerüche zu rekonstruieren. T. Lam Huong Pham, Ina Säumel und Jan Christopher vom Institut für Ökologie konnten anhand von Brandspuren an Scherben antiker Weihrauchbrenner aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. exakt bestimmen, welche unterschiedlichen Harze verwendet wurden.

„Das Projekt kam zustande, als uns Barbara Huber, Dr. Arnulf Hausleiter und Michelle Dinies vom DAI über das Ausgrabungsprojekt der Oase Tayma im Nordwesten Saudi-Arabiens erzählten. Dort wird in einer langfristigen Kooperation zwischen der ‚Saudi Commission for Tourism and Antiquities‘ und der Orient-Abteilung des DAI, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die antiken Teile der Oasen-Stadt Tayma ausgegraben“, erzählt Dr. Ina Säumel, Leiterin der Nachwuchsgruppe „Multifunktionelle Landschaften“ am Institut für Ökologie.

Mittels Spurenanalyse antiken Gerüchen auf der Spur

Dabei wurden unter anderem zahlreiche Scherben von Weihrauchbrennern mit Brandspuren gefunden. Weihrauchbrenner wurden damals nicht nur in Tempelanlagen genutzt, sondern auch im häuslichen Umfeld und in Grabstellen, zum Teil aus religiösen aber auch aus pharmakologischen Gründen. Die Archäologen interessierten sich dafür nachzuweisen, in welchen funktionellen Gebäuden Harze verbrannt wurden.

„Hier kamen wir mit unserer Expertise der Spurenanalyse ins Spiel“, so Ina Säumel. „Wir haben Scherben oder kleine Proben der Weihrauchbrenner-Scherben bekommen und davon mit Hilfe spezieller Lösungsmittel die Brandspuren gelöst. Diese Proben enthalten Rückstände der verbrannten Substanzen, die man mit Hilfe einer speziellen Chromatographie und Massenspektronomie identifizieren kann“, so die Wissenschaftlerin.

Bei diesen Methoden werden Substanzen aus einem Gemisch anhand ihrer unterschiedlichen Eigenschaften und Massen getrennt. Zunächst wurde am Institut für Ökologie eine Methode zum ‚Profiling’ von sogenannten Sekundärmetaboliten – Stoffe, die beim Verbrennen entstehen – entwickelt, die es ermöglicht, das Ausgangspflanzenmaterial zu identifizieren. Die Rückstände aus mehr als 60 Weihrauchbrennern und über zweihundert verschiedenen Referenzmaterialien aus botanischen Sammlungen wurden untersucht.

Harze von Pistazien-, Weihrauch- und Myrrhe-Bäumen

„Wir konnten eindeutig nachweisen, dass in Tayma Harze von Pistazien-, Weihrauch- und Myrrhe-Bäumen verbrannt wurden“, so Dr. Ina Säumel. Besonders interessant dabei: Die verschiedenen Aromata wurden offenbar im Rahmen eines funktionellen Kontextes eingesetzt. So wurde in Tempeln hauptsächlich Pistazienharze verbrannt, während im häuslichen Umfeld eher Weihrauchharze und in Grabstellen eher Myrrheharze genutzt wurden. „Uns Ökologen interessiert, welche Harze von lokalen Nutzhölzern verwendet wurden und welche erst über Handelsnetzwerke in die Region kamen. Dafür ist auch der Vergleich mit paläobotanischen Untersuchungen in der Region entscheidend, um historische Landschaften und ihre Multifunktionalität zu rekonstruieren“, so die Nachwuchsgruppenleiterin.

Dr. Thi Lam Huong Pham, Leiterin des Labors für Organische Spurenanalytik und Naturstoffe am Institut für Ökologie, ergänzt: „Wir sind mitten in den Analysen und haben einige Hinweise auf noch nicht identifizierte Substanzen. Erstmals vergleichen wir jetzt durch Ausgrabungen gefundenes Probenmaterial mit regionalem Referenzmaterial.“ Dabei befindet sich die verwendete Methodik noch in der Entwicklungsphase und wird aktuell in einem Studienprojekt an der TU Berlin weiterentwickelt. „Wir wollen unsere Analyse noch deutlich erweitern, um zum Beispiel Aussagen darüber treffen zu können, ob die verwendeten Harze beispielweise aus Indien oder dem Tschad stammen“, skizziert Ina Säumel ein neues, interdisziplinäres Projekt mit den Archäologen.

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