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Übung am Forschungszentrum Jülich Überwachungsverfahren: Atomwaffen vollständig zerstört?

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Expertenkommissionen überwachen die Einhaltung nuklearer Abrüstungsgespräche. Am Forschungszentrum Jülich läuft im September eine Übung zur technischen Überprüfung von Atomwaffenzerstörungen – inklusive eines simulierten Nuklearsprengkopfes.

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Übung zur kontrollierten Abrüstung von Atomwaffen
Übung zur kontrollierten Abrüstung von Atomwaffen
(Bild: Forschungszentrum Jülich / Tobias Schlößer)

Jülich – Ein entscheidender Punkt bei der nuklearen Abrüstung ist die Verifikation, also der Nachweis, dass ein vermuteter oder behaupteter Sachverhalt wahr ist. Der Erfolg hängt mit davon ab, dass sich überprüfen lässt, ob vereinbarte Verpflichtung tatsächlich eingehalten werden. Bis jetzt war dies nur eingeschränkt möglich. Im Rahmen bisheriger Abkommen wurde beispielsweise nur die Demontage von Trägersystemen für Nuklearwaffen überprüft. Die Zerstörung eines nuklearen Sprengkopfes wurde in der Historie der nuklearen Abrüstung dagegen bisher noch nicht zweifelsfrei von unabhängiger Seite bestätigt.

Konzepte und Verfahren für Abrüstungsverifikation

Die technischen Hürden für eine solche Verifikation sind hoch: Die überwachende Seite muss sichergehen, dass ein nuklearer Sprengkopf tatsächlich zerstört oder unbrauchbar gemacht wurde. Gleichzeitig möchte der abrüstende Staat keine militärisch-sensiblen Informationen preisgeben. Sofern Nicht-Kernwaffenstaaten beteiligt sind, könnte die Weitergabe von Informationen über den Aufbau eines nuklearen Sprengkopfes zudem gegen den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen verstoßen.

Auf der Suche nach einer Lösung hat das US-Außenministerium Ende 2014 die „International Partnership for Nuclear Disarmament Verification“ (IPNDV) ins Leben gerufen. Experten aus über 25 Staaten erarbeiteten in der ersten Phase des Projekts Konzepte und Verfahren für die Abrüstungsverifikation. Diese sollen es auch Nicht-Kernwaffenstaaten ermöglichen, die nukleare Abrüstung zu überprüfen, ohne dass es zur Verbreitung so genannter proliferationssensibler Informationen – Informationen zur Weitergabe von Atomwaffen oder Mitteln zu deren Herstellung – kommt.

Übung am FZ Jülich vom 23. bis 27. September 2019

In der zweiten Phase des Projekts, die 2018 begann, geht es nun unter anderem darum, die theoretisch entwickelten Konzepte und Verfahren praktisch zu erproben. Deutschland und Frankreich übernehmen hier gemeinsam Verantwortung. So hat ein deutsch-französisches Team des Forschungszentrums Jülich, der Universität Hamburg, des Auswärtigen Amtes, des französischen Außenministeriums und des französischen Verteidigungsministeriums die Abrüstungsverifikationsübung „NuDiVe“ (Nuclear Disarmament Verification) konzipiert und vorbereitet, die vom 23. bis zum 27. September 2019 am Forschungszentrum Jülich stattfindet.

Rund 30 Experten aus den USA, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschland und neun weiteren Nicht-Kernwaffenstaaten nehmen während der Übungen die Rollen des Inspektionsteams, der Abgeordneten des inspizierten Kernwaffenstaats sowie eines unabhängigen Evaluationsteams ein. Unter möglichst realistischen Bedingungen sollen sie prüfen, ob die bisher erdachten Verfahren und Technologien in der Praxis funktionieren. Anschließend wird gemeinsam ausgewertet: Lässt die Verifikation den eindeutigen Schluss zu, dass der Sprengkopf demontiert wurde? Wurde gleichzeitig sichergestellt, dass kein proliferationssensibles Wissen oder militärische Geheimnisse weitergegeben wurden? Wo müssen Verfahren angepasst werden?

Simulation eines Atomsprengkopfes

„Die Übung soll insbesondere auch die Wirksamkeit der Inspektionskonzepte und -verfahren prüfen, die gewährleisten sollen, dass kein spaltbares Material für den Bau künftiger Kernwaffen unentdeckt entfernt wird. Dafür wird ein Nuklearsprengkopf simuliert, der statt Plutonium weniger schädliches radioaktives Barium und Californium enthält“, erklärt die Jülicher Projektleiterin Dr. Irmgard Niemeyer vom Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-6).

Projektleiterin Dr. Irmgard Niemeyer vom Institut für Energie- und Klimaforschung
Projektleiterin Dr. Irmgard Niemeyer vom Institut für Energie- und Klimaforschung
(Bild: Forschungszentrum Jülich / Tobias Schlößer)

Die Leiterin der Jülicher Arbeitsgruppe "Kernmaterialüberwachung und nukleare Sicherung" ist seit 2015 eine von drei deutschen Expertinnen und Experten, die das Auswärtige Amt für die IPDNV benannt hat. Forschungsarbeiten zur nuklearen Verifikation, vor allem im Rahmen der internationalen Kernmaterialüberwachung (Safeguards), haben am Forschungszentrum Jülich eine lange Tradition. Der Einsatz von Strahlungsquellen während der Abrüstungsübung erfordert entsprechende atom- und strahlenschutzrechtliche Umgangsgenehmigungen, die in den radiochemischen Laboren des IEK-6 gegeben sind.

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