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Blaufärbung magischer Pilze Warum Magic Mushrooms ihr Halluzinogen produzieren

| Autor / Redakteur: Monika Kirsch, Dr. Michael Ramm* / Christian Lüttmann

Magic Mushrooms üben eine ganz besondere Wirkung auf den Menschen aus. Der bewusstseinserweiternde Effekt ist aber nur das Nebenprodukt eines Selbstverteidigungsmechanismus, wie Jenaer Forscher nun gezeigt haben. Sie untersuchten, was der Pilz tatsächlich von der Bildung seines Halluzinogens hat, und warum er bei Verletzung blau wird.

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Der bläuende Kahlkopf, Psilocybe cyanescens, reagiert bei Verwundung mit einer blauen Verfärbung. Er trägt die Farbe bereits im Namen.
Der bläuende Kahlkopf, Psilocybe cyanescens, reagiert bei Verwundung mit einer blauen Verfärbung. Er trägt die Farbe bereits im Namen.
(Bild: Dirk Hoffmeister )

Jena – Manche Pilze produzieren bewusstseinserweiternde Stoffe. Dass die so genannten Magic Mushrooms diese Substanzen nur bilden, um Rauschzustände auszulösen, ist aus Sicht der Evolution aber sehr unwahrscheinlich. Schließlich sind Vorgänge in der Natur immer sehr ökonomisch. So bilden auch Pilze ausschließlich Stoffe, die ihnen selbst Vorteile verschaffen.

Magic Mushrooms profitieren aber nicht vom geänderten Bewusstseinszustand des Menschen und existieren darüber hinaus schon viel länger auf der Erde als die Menschheit. Was aber bringt ihnen die Produktion eines Halluzinogens? Dieser Frage sind Forscher um Prof. Dirk Hoffmeister vom Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena nachgegangen. Sie fanden Hinweise darauf, dass der halluzinogene Stoff – Psilocybin genannt – eine wichtige Verteidigungsfunktion für die Pilze hat.

Pilze machen blau

Verletzt man Pilze der Gattung Psilocybe, zu denen die Magic Mushrooms gehören, so färben sich ihre Fruchtkörper an den verwundeten Stellen innerhalb kurzer Zeit tief blau. Wie die Forscher herausfanden, ist die Blaufärbung das Ergebnis einer chemischen Kettenreaktion. Dabei bildet der Pilz aus den halluzinogenen Psilocybin-Molekülen blitzschnell das hochreaktive Psilocin. Dieses verknüpft und vernetzt sich dann mit vielen weiteren Psilocin-Molekülen zu Polymeren, welche intensiv blau gefärbt sind.

„Das passiert genau in dem Moment der Verwundung außergewöhnlich schnell und auch nur an dieser Stelle“, sagt Hoffmeister. Weil das Psilocybin durch Abspalten einer Phosphatgruppe sozusagen auf Knopfdruck in Psilocin umgewandelt werden kann, stehen die Pilze ständig in Alarmbereitschaft, ergänzt der Jenaer Forscher.

Schutz vor Fressfeinden

Was aber bringt nun die Blaufärbung durch die Psilocin-Polymere dem Pilz? Der blaue Farbstoff scheint zur Abwehr von Fressfeinden zu dienen. Im Verdauungstrakt von Insekten könnte er reaktive Sauerstoffverbindungen erzeugen, die Darmverletzungen verursachen, vermuten die Wissenschaftler. Hoffmann und sein Team glauben daher, dass das halluzinogene Psilocybin in erster Linie eine Zutat für das blaue Verteidigungs-Polymer ist – und die „magische“ Wirkung auf den Menschen nur ein zufälliger Nebeneffekt.

Originalpublikation: Lenz C, Wick J, Braga D, Garcia-Altares M, Lackner G, Hertweck C, Gressler M, Hoffmeister D : Injury-triggered blueing reactions of Psilocybe "magic" mushrooms, Angew Chem Int Ed, Volume 59, Issue 4, Pages 1450-1454, January 20, 2020; DOI: 10.1002/anie.201910175

* M. Kirsch, Dr. M. Ramm, Leibniz-Inst. f. Naturstoff- Forschung u. Infektionsbiol. Hans Knöll-Institut (HKI), 07745 Jena

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