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Neunter Deutscher Biotech-Report Biotechnologie-Unternehmen in Deutschland entwickeln sich stabil

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Umsätze von über einer Milliarde Euro, weiter steigende Beschäftigtenzahlen – die deutschen Biotech-Unternehmen entwickeln sich gut. Dies geht aus dem aktuellen Deutschen Biotechnologie-Report von Ernst & Young hervor. Doch nach wie vor besteht in einigen Bereichen noch Aufholbedarf.

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Siegfried Bialojan (links), Leiter des Industriesektors bei Ernst Young und Dr. Juli Schüler, (rechts) Industriespezialisten Biotechnologie bei Ernst & Young präsentieren den neunten Deutschen Biotech Report.
Siegfried Bialojan (links), Leiter des Industriesektors bei Ernst Young und Dr. Juli Schüler, (rechts) Industriespezialisten Biotechnologie bei Ernst & Young präsentieren den neunten Deutschen Biotech Report.
( Bild: LaborPraxis )

Frankfurt – Erstmals haben die deutschen Biotech-Unternehmen die Milliarden-Umsatz-Grenze durchbrochen. Im vergangenen Jahr konnten sie ihren Umsatz um sechs Prozent auf 1003 Millionen Euro steigern. Die privaten Unternehmen erhöhten ihren Umsatz sogar um 15 Prozent. Trotz eines leichten Rückgangs bei der Zahl der Unternehmen von 403 auf 395 beschäftigen die deutschen Biotech-Unternehmen wieder mehr Mitarbeiter: Die Zahl der Beschäftigten ist um vier Prozent von 9748 auf 10 162 gestiegen. Bezieht man auch deutsche Tochterfirmen ausländischer Biotech-Unternehmen mit in die Berechnung ein, sind in der deutschen Biotechnologie-Branche sogar mehr als 13 000 Mitarbeiter tätig. Zu diesen Ergebnissen kommt der neunte deutsche Biotechnologie-Report der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Anstieg bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung

Mit einem Anstieg um 16 Prozent auf 980 Millionen Euro wurde wieder stark in Forschung und Entwicklung investiert, der erste kräftige Zuwachs seit Jahren. Vor allem bei den Medikamenten-Entwicklern wurde vermehrt in kostenintensive klinische Studien investiert. Bedingt auch durch die erhöhten F&E-Ausgaben hat sich der Verlust der deutschen Biotech-Branche um sieben Prozent auf 665 Millionen Euro erhöht. Dennoch stieg die Zahl der profitabel arbeitenden Biotech-Unternehmen in den vergangenen Jahren kontinuierlich. 2004 machten 29 Prozent der Unternehmen Gewinne, aktuell liegt der Anteil bei 40 Prozent. Profitable Unternehmen sind meist in den Geschäftsfeldern der Technologieentwickler, der Diagnostik oder als Dienstleister zu finden.

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„Die deutsche Biotechnologie-Branche ist auf einem stabilen Wachstumskurs“, kommentiert Siegfried Bialojan, Leiter des Industriesektors Biotech bei Ernst & Young, die Ergebnisse. „Dieser basiert vor allem auf der fundierteren und reiferen Produktentwicklung und solideren Geschäftsmodellen, die sowohl Finanz- als auch strategische Investoren überzeugen”, so Bialojan.

Vermeintlich gegen den Branchentrend verlief die Entwicklung bei den 19 börsennotierten deutschen Biotech-Unternehmen. Der Umsatz fiel um 19 Prozent zurück, während die Zahl der Mitarbeiter um zwölf Prozent zurückging. Allerdings waren hier vor allem Einzelereignisse ausschlaggebend, die die grundsätzlich positive Entwicklung der börsennotierten Firmen verdecken.

Produktpipline entwickelt sich nach wie vor positiv

Insgesamt ist die Zahl der Wirkstoffe in der Medikamentenentwicklung bei den deutschen Biotech-Unternehmen von 322 auf 316 gesunken. In der klinischen Prüfung – also in den Phasen I bis III – befinden sich aber derzeit mit 129 Wirkstoffen mehr Projekte als im Vorjahr (124).

Mit zehn Neugründungen wurde 2007 die geringste Neugründungsrate in der Geschichte der deutschen Biotech-Industrie festgestellt nach 31 beziehungsweise 27 Neugründungen in den Jahren 2005 und 2006. Den zehn neu gegründeten Biotech-Unternehmen standen zwölf Unternehmen gegenüber, die in die Insolvenz gingen oder aufgelöst wurden. Weitere Abgänge resultieren aus Fusionen und Übernahmen.

Deutlich mehr Risikokapital für Biotech-Unternehmen

2007 hat sich die Eigenkapitalfinanzierung der deutschen Biotechnologie-Branche leicht verbessert. Insgesamt wurden 456 Millionen Euro an Eigenkapital aufgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum um fünf Prozent. Insbesondere im Bereich der Risikokapitalfinanzierung war ein deutliches Wachstum zu verzeichnen: um 50 Prozent von 213 auf 319 Millionen Euro. Anders stellte sich die Situation am Kapitalmarkt dar. Während es im Vorjahr vier Börsengänge von Biotech-Unternehmen und zwölf Sekundärfinanzierungen gab, wagte 2007 kein einziges Biotech-Unternehmen den Schritt aufs Parkett. Bei acht Sekundärfinanzierungen nahmen die börsennotierten Biotech-Unternehmen insgesamt 137 Millionen Euro auf.

Starker Fokus auf Roter Biotechnologie

Wie auch in der Vergangenheit beschäftigt sich ein Großteil der von Ernst & Young befragten Unternehmen mit der Medikamentenentwicklung und -produktion, der so genannten roten Biotechnologie. Doch auch die weiße und grüne Biotechnologie haben sich in den letzten Jahren zu ernstzunehmenden Industriesegmenten entwickelt. „Gerade bei der weißen Biotechnologie ist Deutschland aufgrund seiner langen Chemietradition führend,“ kommentiert Bialojan diesen noch jungen Zweig der Branche. Die weiße Biotechnologie finde aber vor allen Dingen in den großen Chemiekonzernen statt, daher habe sie noch keinen großen Einfluss auf die Studie, so Bialojan. Im Deutschen Biotech-Report werden nur Unternehmen befragt, die sich ausschließlich mit Biotechnologie beschäftigen. Für die grüne Biotechnologie sieht Bialojan in Deutschland noch ein Akzeptanzproblem und prognostiziert für die Zukunft ein eher moderates Entwicklungspotenzial.

Insgesamt sehen die Autoren der Studie die deutsche Biotechnologie, auch im Vergleich zu den europäischen Mitbewerbern, auf einem guten Weg. Gerade aber im Bereich der börsennotierten Unternehmen und deren Kapitaldecke haben Länder wie Großbritannien immer noch einen Vorsprung gegenüber Deutschland.

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