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Vor den Leachables kommen die Extractables
Blick auf die Details: Extractables-Analysen werden also durchgeführt, um ein Höchstmaß potenziell verdächtiger Verbindungen aus der Arzneimittelverpackung freizusetzen. Gefüllt sind die Verpackungen in der Regel dabei nicht mit der Arznei selbst, sondern einer Simulanzsubstanz oder -lösung. Bei Blutbeuteln werden üblicherweise wässrige Lösungen verwendet. Hoffmann et al. jedoch entnahmen für ihre TD-Extractables-Analyse den Einzelbestandteilen des Blutbeutel-Systems Materialproben, überführten sie in jeweils leere, vorkonditionierte TD-Röhrchen und extrahierten sie in einer Thermal Desorption Unit (Gerstel-TDU). Die thermisch freigesetzten Analyten wurden im Kaltaufgabesystem (Gerstel-KAS) des GC (Agilent Technologies) cryofokussiert, temperaturprogrammiert auf die Trennsäule überführt und mittels Massenspektrometer (Agilent Technologies) detektiert.
Hoffmann et al. bestimmten hierbei u.a. Cyclohexanon, ein häufig in der Produktion von Polyvinylchlorid (PVC) eingesetztes Lösemittel und konnten das Fundstück den PVC-Schläuchen des IV-Blutbeutel-Systems zuordnen. Die Applikationsexperten wiesen ferner 2-Ethylhexanol nach, Ausgangsstoff zur Herstellung des Weichmachers Diethylhexylphthalat (DEHP). „Keine andere Verbindung als das 2-Ethylhexanol hängt typischerweise mit der Produktion von Polypropylen zusammen, dem Material also, das für die Herstellung des IV-Beutels verwendet wird“, schreiben Hoffmann et al. Des Weiteren detektierten sie Methyl-Methacrylat, ein wichtiger Bestandteil von Farben und Lacken und jener Tinten, mit denen der IV-Blutbeutel bedruckt ist, sowie zahlreiche andere Komponeten.
Welche der identifizierten Extractables aber besitzen das Potenzial, eine Blutprobe unter Alltagsbedingungen zu kontaminieren? Diese Frage suchten Hoffmann und seine Kollegen im Rahmen einer simulierten Leachables-Studie zu beantworten. Dazu füllten die Applikationsexperten entionisiertes Wasser (250 mL) in einen leeren IV-Blutbeutel und lagerten ihn 48 Stunden bei 40 °C. Anschließend wurden 10 mL der Lösung entnommen und eine Stunde lang mit dem Gerstel-Twister in einem geschlossenen Vial unter Rühren extrahiert. Der Twister wurde entnommen, mit klarem Wasser gespült, trocken getupft und zur Analyse in ein konditioniertes TDU-Röhrchen gegeben. Die Thermodesorption-GC/MS-Analyse schloss sich unmittelbar an.
Die Applikationsexperten wiesen bei der simulierten Leachables-Studie zahlreiche Verbindungen nach, die schon im Rahmen ihrer Extractables-Studie identifiziert worden waren, u.a. Clyclohexanon, 2-Ethylhexanol und DEHP. Zudem stießen sie auf Verbindungen, die nicht als Extractables detektiert worden waren, möglicherweise, weil sie nur in geringen Konzentrationen vorlagen, schreiben Hoffmann et al. Um ihre Methodik abzusichern, wurden einige Messergebnisse unter Einsatz einer hochauflösenden GC-Time-of-Flight-Massenspektrometrie verifiziert und bestätigt.
Was am Ende zu sagen bleibt: einfach und effizient
Laut Hoffmann und Kollegen habe sich die Thermodesorptions-GC/MS-Analyse von Verpackungskomponenten unter Anwendung der SBSE mit dem Gerstel-Twister als einfaches und effizientes Mittel zum Erstellen einer umfassenden Zielliste für zukünftige Leachables-Versuche erwiesen. Überzeugend seien zudem die praktischen Aspekte gewesen, wie die Applikationsexperten schreiben. Die TD-Methodik biete demnach dem Anwender einige Mehrwerte: Das üblicherweise arbeits- und zeitintensive Einengen der Extrakte der Simulanzlösung erübrige sich, und die dem Twister zugrundeliegende große Sorptionsphase biete einen hohen Anreicherungsfaktor vor allem für Spurenkomponenten sowie eine nachfolgend lösemittelfreie empfindliche GC/MS-Analyse, da die Analyten vollständig auf die Trennsäule überführt und nicht aliquotiert werden, wie es bei konventionellen E&L-Prozeduren üblich ist. Das TD-Screening mache daher eine größere Bandbreite an Leachables offenkundig und erreiche signifikant niedrigere Bestimmungsgrenzen, schreiben Hoffmann et al.
Literatur:
[1] www.laborpraxis.vogel.de/extractables-und-leachables-pharmaverpackungen-richtig-analysieren-a-141277/
[2] Elizabeth Almasi, Andreas Hoffmann, Thomas Albinus, Kurt Thaxton, Extractable and Leachable Analysis of IV Bag Systems using Direct Thermal Extraction of Materials and Stir Bar Sorptive Extraction of Aqueous Solutions coupled with Thermal Desorption Gas-Chromatography with Unit Mass and High Resolution Mass Spectrometric Detection, GERSTEL-AppNote 02/2015, www.gerstel.de/pdf/p-gc-an-2015-02.pdf
[3] www.laborpraxis.vogel.de/rueckstaende-von-pbdes-in-serum-sensitiv-nachweisen-a-363861/
* G. Deußing: Redaktionsbüro Guido Deußing, 41464 Neuss
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