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Qualifizierungsoffensive Chemie Future Skills Report Chemie: Diese Fähigkeiten braucht die Branche in Zukunft

Redakteur: Alexander Stark

Welche Kompetenzen werden in der chemisch-pharmazeutischen Industrie zunehmend wichtiger? Was sind die „Future Skills“, die unsere Branche in der Zukunft prägen? Um diese Fragen zu beantworten, haben die Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE gemeinsam mit Unternehmensexperten und Betriebsräten den Future Skills Report Chemie entwickelt.

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„Data Science & Analytics“ nimmt global gesehen einen großen Stellenwert unter den untersuchten Trends ein. Jede vierte Stellenanzeige erfordert Skills in diesem Bereich.
„Data Science & Analytics“ nimmt global gesehen einen großen Stellenwert unter den untersuchten Trends ein. Jede vierte Stellenanzeige erfordert Skills in diesem Bereich.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – „Future Skills“ sind insbesondere in der strategischen Personalplanung, aber auch zur Orientierung für Beschäftigte schon lange von besonderem Interesse. Viele Trends sind spürbar, andere sind noch nicht greifbar. Wohin sich die Kompetenzanforderungen entwickeln, ist für viele eher ein „Bauchgefühl“. Daher haben sich die Chemie-Sozialpartner im Rahmen der Qualifizierungsoffensive im Jahr 2020 aufgemacht, um Antworten auf die vielen Fragen rund um die Skills der Zukunft zu finden. Gemeinsam mit Unternehmensexperten und Betriebsräten, insbesondere aus dem HR-Bereich, wurde in aufeinander aufbauenden Workshops der Future Skills Report Chemie entwickelt.

Hierfür haben sich die Sozialpartner mit dem Dienstleister HR Forecast zusammengetan, dessen Methodik auf der Analyse großer Datenmengen (Big Data) basiert. Für die Auswertung der chemie-relevanten Future Skills wurden insgesamt über 200.000 Stellenanzeigen weltweit und weitere Datenquellen untersucht und dabei mehr als 5.800 Skills identifiziert. Um langfristige Aussagen zu ermöglichen und kurzfristige Schwankungen durch die Corona-Pandemie auszuschließen, wurden nur Daten aus den Jahren 2018 und 2019 ausgewertet.

Ausgewählte Trends in der Chemie-Branche

Im Rahmen der Analyse wurden 15 Trends herausgefiltert und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die unterschiedlichen Geschäftsbereiche genauer betrachtet. Die Ausprägung dieser Trends reicht von einem bereits großen Einfluss auf betriebliche Prozesse bis hin zur Entstehungsphase, in der der Einfluss noch recht gering ist, aber eine Steigerung erwartet wird.

„Data Science & Analytics“ nimmt global gesehen einen großen Stellenwert unter den untersuchten Trends ein. Jede vierte Stellenanzeige erfordert Skills in diesem Bereich, gefolgt von den Bereichen digitaler Vertrieb und maschinelles Lernen bzw. künstliche Intelligenz. Nimmt man den Chemie-Standort Deutschland in den Fokus, liegen diese Trends aber in den Anforderungsprofilen der Stellenanzeigen noch weit hinten. Dafür ist die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland im Vergleich zum Rest Europas, zu China und den USA führend bei fünf anderen Trends: „Materialwissenschaften“, „Automatisierung & Robotik“, „3D-Druck“, „Internet der Dinge & Konnektivität“ sowie „alternative Rohstoffe“. All dies sind Trends, die hierzulande bereits hohen Einfluss auf die Entwicklung bestehender und neuer Skills in unserer Branche haben.

In der chemisch-pharmazeutischen Industrie gibt es grundsätzlich mehr Berufe, die eine steigende Nachfrage erfahren, als Berufe mit sinkender Nachfrage am Arbeitsmarkt. Konkret heißt das: Insgesamt 32 % der Berufe werden um mehr als 40 % häufiger am Arbeitsmarkt nachgefragt, während nur 15 % der Berufe einen Nachfragerückgang um mehr als 40 % zwischen den Jahren 2018 und 2019 verzeichnen. Hiervon ist am Chemie-Standort Deutschland vor allem der Bereich Verwaltung betroffen.

...und veränderte Anforderungen

Im Vergleich zu China, den USA und der EU lag dieser Bereich auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau und sinkt jetzt deutlich stärker als anderswo. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Fachkräften im Bereich Forschung & Entwicklung in einem recht schnellen Tempo. Die Analyse zeigt auch, dass sich bestehende Berufe immer stärker verändern: In 59 % der Berufe haben sich zwischen 2018 und 2019 mehr als die Hälfte der Skill-Anforderungen verändert. Bei einem Zehntel der Berufe stieg der Anteil nachgefragter IT-Skills um mehr als 15 %.

Soft Skills gewinnen an Bedeutung

Der Future Skills Report betrachtet insgesamt 16 ausgewählte Berufsprofile genauer und analysiert diese nach Skill-Veränderungen im Bereich der Hard und Soft Skills. Unter dem Strich gewinnen Letztere zunehmend an Bedeutung: Zwischen 2018 und 2019 stieg die Nachfrage nach Soft Skills um 34,5 % an. Besonders im Geschäftsbereich IT sind diese veränderten Anforderungen zu erkennen, dicht gefolgt von den Bereichen Instandhaltung und Logistik. Zu den besonders nachgefragten Soft Skills gehören Kommunikation und Zusammenarbeit, innovatives Denken und Kreativität, analytisches Denken und Präzision, aber auch Führung, Networking und Kundenorientierung sowie Flexibilität.

Der Future Skills Report Chemie steht sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache zur Verfügung.

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