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UV-Filter können Wasserlebewesen schaden Hautschutz und Meeresgefahr – die Kehrseite von Sonnencreme

Quelle: dpa

Gegen Sonnenbrand und ein erhöhtes Hautkrebsrisiko ist Sonnencreme ein wichtiger Schutzfaktor. Doch die enthaltenen UV-Filter haben mitunter schädlichen Einfluss auf die Umwelt. So zeigen verschiedene Studien, dass Meeresbewohner wie Korallen negativ von den Inhaltsstoffen der Cremes betroffen sein können.

Sonnencreme-Reste im Wasser können mitunter schädlich auf Meeresorganismen wirken (Symbolbild)
Sonnencreme-Reste im Wasser können mitunter schädlich auf Meeresorganismen wirken (Symbolbild)
(Bild: freebird7977 - stock.adobe.com, Unsplash (Joshua Hoehne) – bearbeitet von VCG)

Stanford/USA (dpa) – Sommer, Sonne, Badezeit: Die wärmeren Temperaturen locken an die Strände und ins Wasser. Mit den Badegästen gelangen allerdings große Mengen Sonnenschutzmittel in Gewässer – und die UV-Filter und Nanopartikel aus Cremes, Lotionen und Sprays können Korallen und anderen Wasserbewohnern schaden. Immer mehr Studien zeigen solche Effekte. Ersatzlösungen sind in Arbeit – bis dahin aber ist der Nutzer selbst gefragt.

Das kann Sonnencreme im Meer anrichten

Jedes Jahr landen bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer, davon 4.000 bis 6.000 Tonnen an Korallenriffen, wie Forscher der US-Meeresbehörde NOAA berechneten. Wie sich das auf die maritime Umwelt auswirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Besonders die enthaltenen UV-Filter scheinen aber Anlass zu Sorge zu geben. So listet die NOAA auf, dass die Stoffe das Wachstum von Grünalgen beeinträchtigen, bei Muscheln zu Defekten der Jungtiere führen sowie das Immun- und Fortpflanzungssystem von Seeigeln schädigen könnten. Bei Delfinen könnten sich die Substanzen im Zellgewebe ansammeln und auf die Jungtiere übertragen werden, während bei Fischen die Fruchtbarkeit reduziert und Veränderungen im Erbgut ausgelöst werden könnten.

Vor allem aber stellen UV-Filter demnach – neben anderen Stressoren wie der steigenden Meerestemperatur – eine Gefahr für Korallen dar. Insbesondere der chemisch-organische Filter Oxybenzon könnte das Erbgut der empfindlichen Nesseltiere schädigen und dazu führen, dass sich deren Larven in ihrem Skelett einkapseln und sterben, wie eine US-Untersuchung 2016 nahelegt. Derartige Studienergebnisse veranlassten den US-Bundesstaat Hawaii, ein Gesetz zu beschließen, das den Verkauf von Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat seit 2021 verbietet. Ähnliche Regelungen gelten in Key West in Florida, auf den Jungferninseln, im Inselstaat Palau, in thailändischen marinen Nationalparks, auf der Karibikinsel Bonaire und in einigen Urlaubsgebieten Mexikos.

Sonnencreme und Licht schaden Korallen

Wie genau Korallen durch Oxybenzon geschädigt werden, hat nun eine neue US-Studie herausgearbeitet, über die im Fachblatt „Science“ berichtet wird. Wissenschaftler der Universität Stanford nutzten dafür eine Korallen- und eine Seeanemonen-Art, denen sie in Aquarien Oxybenzon in hoher Konzentration zuführten und sie dann unterschiedlichen Lichtbestrahlungen aussetzen. Der Effekt: Nur die Tiere, die mit dem simulierten Sonnenlicht bestrahlt wurden, starben. „Es war seltsam zu sehen, dass Oxybenzon das Sonnenlicht für Korallen giftig macht – das Gegenteil von dem, was es eigentlich bewirken soll“, sagte Hauptautor William Mitch.

Neben Oxybenzon steht mit Octocrylen ein weiterer chemisch-organischer Filter in der Diskussion. Er soll Studien zufolge Wasserflöhen, Wimperntierchen und Zebrafischen zusetzen, indem er sich u. a. auf deren Hormonhaushalt auswirkt. Zudem wird der wasserunlösliche Stoff nur schwer abgebaut und könnte sich deshalb in Organismen anreichern.

Belastung der Ostsee untersucht

Verschiedenen Untersuchungen zufolge finden sich UV-Filter mittlerweile sowohl in tropischen Korallenriffen wie auch im Arktischen Ozean und auch in der Ostsee: Kathrin Fisch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde führte 2016 Messungen an der deutschen Ostseeküste durch und wies hier 30 Nanogramm UV-Filter pro Liter Ostseewasser nach; in den Flüssen, die in die Ostsee münden, waren es z. T. bis zu 836 Nanogramm pro Liter. Das seien zwar geringe Mengen, die sich langfristig aber auf Meeresorganismen auswirken könnten. Ein flächendeckendes Monitoring zur Belastung von Gewässern durch UV-Filter gibt es in Deutschland nicht, ebenso wenig existieren definierte Obergrenzen für deren Mengen.

Umweltfreundliche Sonnenschutz-Alternativen

Als Reaktion auf die möglichen Umweltrisiken chemischer UV-Filter bieten immer mehr Hersteller „korallensichere“ oder „rifffreundliche“ mineralische Sonnenschutzmittel an. Diese enthalten Zink- oder Titandioxid – auf der Haut wirken die Partikel wie kleine Spiegel, die das UV-Licht reflektieren. Um das störende „Weißeln“ vieler dieser Produkte zu minimieren, versuchen einige Hersteller, die mineralischen Pigmente zu verkleinern und setzen auf Partikel in Nanogröße. Wie spanische Forscher aber 2014 zeigten, führen diese Nanopartikel als Katalysatoren dazu, dass Sonnenlicht aus Wasser das hochreaktive Wasserstoffperoxid erzeugt. Dieses könne Kleinstlebewesen schädigen.

Mittlerweile wird an Alternativen geforscht, bei denen Verbindungen aus Algen, Seetang und anderen Meerestieren als UV-Filter fungieren. Bis diese marktreif sind, ist der ökologisch beste Schutz vor der Sonne wohl einer, der auf weniger Eincremen setzt, ohne – mit Blick auf das Hautkrebsrisiko – ganz darauf zu verzichten. So empfiehlt das Verbrauchermagazin „UMID“ des Umweltbundesamts mineralische Filter in Nicht-Nano-Form und rät, sich lieber am Nachmittag oder frühen Abend in die Sonne zu legen, sich im Schatten aufzuhalten und durch entsprechende Kleidung zu schützen.

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Originalpublikation: Vuckovic D, Tinoco AI, Ling L, Renicke C, Pringle JR, Mitch WA:Conversion of oxybenzone sunscreen to phototoxic glucoside conjugates by sea anemones and corals, Science, 5 May 2022, Vol 376, Issue 6593, pp. 644-648: DOI 10.1126/science.abn260

Weitere Literatur: Downs CA, Kramarsky-Winter E, Segal R, et al.:Toxicopathological Effects of the Sunscreen UV Filter, Oxybenzone (Benzophenone-3), on Coral Planulae and Cultured Primary Cells and Its Environmental Contamination in Hawaii and the U.S. Virgin Islands, Arch Environ Contam Toxicol. 2016;70(2):265-288; DOI: 10.1007/s00244-015-0227-7

Fisch K, Waniek JJ, Schulz-Bull DE: Occurrence of pharmaceuticals and UV-filters in riverine run-offs and waters of the German Baltic Sea, Mar Pollut Bull. 2017;124(1):388-399; DOI: 10.1016/j.marpolbul.2017.07.057

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