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Komet Churyumov-Gerasimenko Organische Verbindungen auf Komet Chury nachgewiesen

| Autor / Redakteur: Birgit Krummheuer* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

16 organische Verbindungen konnte das Messgerät Cosac auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko messen. Neben Alkoholen und Aminen sind dies auch Verbindungen wie Methylisocyanat, Aceton oder Acetamid. Experten weisen darauf hin, dass aus diesen Substanzen viele biochemisch relevante Moleküle synthetisiert werden können.

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Die Aufnahme der Landestelle Agilkia entstand mithilfe der Rolis-Kamera aus einer Entfernung von neun Metern, kurz bevor Philae auf der Kometenoberfläche aufsetzte.
Die Aufnahme der Landestelle Agilkia entstand mithilfe der Rolis-Kamera aus einer Entfernung von neun Metern, kurz bevor Philae auf der Kometenoberfläche aufsetzte.
(Bild: ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR)

Göttingen – Am 12. November 2014 um 16.34 Uhr setzte Philae, die Landeeinheit der ESA-Raumsonde Rosetta, auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko in der Landeregion Agilkia auf, prallte ab und kam erst etwa zwei Stunden später nach insgesamt drei Hopsern an der Landestelle Abydos zum Stehen. Etwa 60 Stunden lang führte Philae auf der Kometenoberfläche wissenschaftliche Messungen durch, bevor der Landeeinheit die nötige Energie ausging. Bereits während der Hopser waren einige Messinstrumente aktiv, wie etwa das Instrument Cosac.

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Etwa 0,4 Kubikmeter Staub wirbelte Philae beim ersten Aufsetzen auf der Kometenoberfläche in der Landeregion Agilkia auf. Ein Glücksfall, denn der Staub konnte so in die Öffnung des Instrumentes Cosac an der Unterseite der Landeeinheit gelangen, das während der Landung eigentlich die Gase in der Nähe der Kometenoberfläche „erschnüffeln“ sollte. „Dieser aufgewirbelte Staub ist das ursprünglichste Kometenmaterial, das die Rosetta-Mission und alle vorherigen Kometenmissionen bisher zu fassen bekommen haben“, erklärt Fred Goesmann, Leiter des Cosac-Teams am Max-Planck-institut für Sonnensystemforschung. Zwar untersuchen zahlreiche Rosetta-Instrumente den Staub, der mittlerweile eine dichte Hülle um den Kometen bildet. Doch dieser könnte sich auf seinem Weg von der Oberfläche ins All verändern – besonders chemisch.

Ein Baukasten voll Biochemie

Insgesamt 16 organische Verbindungen konnten die Cosac-Forscher in dem Oberflächenmaterial nachweisen. Zu ihnen zählen Alkohole, Amine und Nitrile, die bereits – zum Teil durch erdgebundene Beobachtungen – in der Gashülle verschiedener Kometen entdeckt wurden, aber auch die „Neulinge“ Methylisocyanat, Aceton, Propanal und Acetamid. Ein Großteil der Moleküle enthält Stickstoff.

„Insgesamt handelt es sich um einen wahren Baukasten organischer Verbindungen, von denen viele als Ausgangspunkt für wichtige biochemische Reaktionen dienen können“, sagt Goesmann. So kämen etwa Schlüsselmoleküle für die Synthese von Zuckern, Aminosäuren, Peptiden und Nukleotiden vor. Viele Forscher glauben, dass solche komplexen Moleküle, die als Bausteine des Lebens gelten, einst durch Einschläge von Kometen zur Erde gelangten.

Ob sich auch diese Bausteine des Lebens selbst im Kometenmaterial finden, lässt sich den Messdaten nicht entnehmen. Wenn ja, waren die Konzentrationen solch schwerer Moleküle zu gering, um sie eindeutig zu identifizieren.

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