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Aufschlussreich ist auch, welche Moleküle fehlen
„Cosac ist dafür gebaut, gasförmige Stoffe zu untersuchen“, gibt Goesmann zu bedenken. „Wir konnten somit nur solche Verbindungen registrieren, die bei Temperaturen von 12 bis 15 Grad Celsius, die zum Zeitpunkt der Messung im Innern von Cosac herrschten, aus den Staubteilchen verdampften.“ Die Konzentrationen der komplexeren Moleküle waren bei solch milden Temperaturen für einen Nachweis möglicherweise zu gering.
Mindestens ebenso aufschlussreich wie die entdeckten Moleküle sind solche, die fehlen – wie etwa Kohlendioxid und Ammoniak. Kohlendioxid gilt als einer der Hauptbestandteile von Kometeneis; Ammoniak müsste als Ausgangsstoff für die zahlreichen Stickstoffverbindungen einst vorgelegen haben. „Mit diesen beiden Molekülen hatten wir eigentlich fest gerechnet“, so Goesmann. „Ihr Fehlen deutet daraufhin, dass Philae in einer Region niedergegangen ist, aus der solch leicht flüchtigen Stoffe längst verdampft sind“, fügt der Forscher hinzu.
Die Cosac-Forscher hoffen nun, dass sich die Kommunikation zwischen Rosetta und der Mitte Juni wieder erwachten Landeeinheit stabilisiert und Cosac noch einmal aktiv werden kann. Philaes endgültige Landestelle befindet sich wahrscheinlich mehr als einen Kilometer entfernt vom Ort des ersten Aufsetzens. Zudem sind die Temperaturen mittlerweile deutlich gestiegen. „Es wäre also durchaus denkbar, dass eine weitere Messung bisher unentdeckte Moleküle zu Tage fördert“, so Goesmann.
Die Landung verrät viel über die Kometenoberfläche
Wie genau ist Philae auf der Oberfläche der ersten Landestelle Agilkia aufgesetzt? Wie ist das kleine Raumschiff abgeprallt und weitergeflogen? Und wie sah die endgültige Landung in der Region Abydos aus? Antworten auf diese Fragen liefern nicht nur die wissenschaftlichen Instrumente von Philae, die während der Landung bereits eingeschaltet waren, sondern auch interne Daten der Landeeinheit selbst. Aus all diesen Puzzleteilen hat ein Forscherteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Landung im Detail rekonstruiert.
„Dabei geht es uns nicht nur um eine Bewertung der Landung als solche“, erklärt Reinhard Roll, der am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung maßgeblich an der Analyse beteiligt war. „Der genaue Verlauf der Landung lehrt uns viel über die mechanischen Eigenschaften der Kometenoberfläche.“
Die erste Landestelle etwa hat den Aufprall von Philae stark gedämpft: Die Landeeinheit hüpfte nur mit einem Drittel ihrer ursprünglichen Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde weiter. „Nur ein Teil dieser Dämpfung ist dem internen Dämpfungssystem von Philae zuzuschreiben“, sagt Roll. „Auch der Kometenboden hat beigetragen.“ Zudem hinterließen die Füße von Philae deutliche Abdrücke im Staub.
Philae landet beim ersten Aufsetzer wie in Neuschnee
Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass die erste Landestelle Agilkia von einer etwa 20 Zentimeter dicken Staubschicht überzogen ist. Die Druckfestigkeit dieser Schicht dürfte vergleichbar sein mit der von Neuschnee oder der der Daunenfüllung eines Federkissens. Unterhalb könnte sich eine härtere Lage befinden.
Die endgültige Landestelle Abydos zeigt ein völlig anderes Bild. Weder die Füße noch die Eisschrauben von Philae sind dort nennenswert in den Boden eingedrungen; der Hammer des Mupus-Instrumentes konnte die Oberfläche nicht durchbrechen. Den aktuellen Rechnungen zur Folge dürfte die Festigkeit dieser Oberfläche die der ersten Landestelle um das Zweitausendfache übersteigen.
„Unsere Analysen decken sich mit Ergebnissen anderer Wissenschaftler“, so Roll. Auswertungen von Bildern des wissenschaftlichen Kamerasystems Osiris an Bord von Rosetta hatten ergeben, dass beide Landestellen sehr unterschiedlichen morphologischen Regionen zuzuordnen sind. „Offenbar ist der Rosetta-Komet ein ausgesprochen vielseitiger Ort.“
* Dr. B. Krummheuer, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, 37077 Göttingen
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