Düfte spielen im Tierreich eine besondere Rolle. Was genau männliche Prachtbienen allerdings mit ihrem „Parfüm“ bezwecken, war lange unklar. Sexuallockstoff, Hochzeitsgeschenk, oder Warnung an die Konkurrenz? Nun haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum in einem besonderen Balz-Experiment die Antwort aufgedeckt.
Männchen der Prachtbiene Euglossa dilemma beim typischen Schauverhalten an einer Sitzwarte im Flugkäfig in Florida. In den verdickten Hinterbeinen befindet sich der Duftsammelbehälter.
(Bild: Thomas Eltz)
Männliche Prachtbienen haben eine besondere Sammelleidenschaft: In speziellen Taschen an ihren Hinterbeinen deponieren sie Duftstoffe aus verschiedenen Quellen und stellen sich so ihr eigenes Parfüm zusammen. Dass sie das tun, ist seit den 1960er-Jahren bekannt. Warum sie es tun, war seither Gegenstand vieler Spekulationen. Das Geheimnis haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) nun gemeinsam mit Kollegen der amerikanischen University of California und der University of Florida gelüftet: Das Bienenparfüm dient als Sexuallockstoff und erhöht den Reproduktionserfolg der Männchen, wie das Team nach dreijährigen Versuchen in Flugkäfigen herausfand.
Paarungsversuche im Flugkäfig
Es gab viele Theorien zum Zweck des Prachtbienenparfüms: Unter anderem hieß es, dass es sich um einen Lockstoff oder ein Hochzeitsgeschenk für die Weibchen handeln könne oder dass der Duft der Kommunikation mit Konkurrenten diene. In einer vorherigen Arbeit hatte die Gruppe um Dr. Thomas Eltz vom Bochumer Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere bereits gezeigt, dass die Bienenmännchen das Parfüm beim Balzritual aus den Taschen an ihren Hinterbeinen herausbefördern. „Unklar war aber, wer der Empfänger dieses Signals ist“, sagt Eltz. „Die Weibchen? Oder konkurrierende Männchen?“
Dieser Frage gingen die Wissenschaftler in der aktuellen Arbeit nach. Drei Jahre lang untersuchten sie Prachtbienen in einem Experiment in Florida. In einem 15 mal 15 mal 4 Meter großen Käfig ließen sie jeweils zwei Bienenmännchen um ein Weibchen konkurrieren – eines mit und eines ohne Parfüm. Dann verfolgten sie, ob sich das Weibchen paarte und, falls ja, mit welchem Männchen.
Die Versuche der Forscher erforderten einiges an Vorbereitungen. „Prachtbienen werden in der freien Natur nur sehr selten bei der Paarung beobachtet, und auch in Experimenten ist es bislang kaum gelungen, sie zur Paarung zu bewegen“, beschreibt Eltz die Herausforderung. Die Bochumer Forscher und ihre US-Kollegen versuchten daher, den Bienen optimale Bedingungen zu bieten; sie nutzten beispielsweise einen besonders großen Käfig und versorgten die Tiere mit den richtigen Pollenpflanzen.
Für das Experiment lockten die Forscher zunächst Bienenmännchen zu künstlichen Duftquellen, aus denen diese sich ein Parfüm zusammenstellten. Dieses Parfüm sogen die Wissenschaftler mit einer Mikrokapillare aus den Taschen an den Hinterbeinen heraus, um es später einer der Bienen mitzugeben, die sie im Experiment antreten ließen. Hier konkurrierten jeweils zwei Männchen, die unter identischen Bedingungen gehalten worden waren, um die Gunst eines Weibchens. Bei einem der beiden Männchen deponierten die Forscher das vorproduzierte Bienenparfüm in der Beintasche, bevor sie es in den Käfig entließen. Das andere Männchen ging jeweils ohne Parfüm ins Rennen.
Die Männchen – ob mit oder ohne Parfüm – legten ein normales Balzverhalten an den Tag. In 27 Fällen kam es zu einer Paarung. Daran waren in 26 Fällen Bienenmännchen beteiligt, die mit Parfüm ausgestattet worden waren. In einem Fall pflanzte sich ein Männchen aus der Kontrollgruppe fort, das eigentlich hätte parfümlos sein sollen; allerdings fanden die Forscher Anzeichen dafür, dass auch dieses Tier in den Besitz einer Duftmischung gekommen war – gelegentlich kommt es zu Parfümdiebstahl.
Um zweifelsfrei nachweisen zu können, welche Männchen sich gepaart hatten, führte Doktorand Jonas Henske Vaterschaftsanalysen durch. Er verglich die genetische Ausstattung der Brut mit der der Bienenmännchen. „Es zeigt sich eindeutig, dass das Parfüm ein Lockstoff für Weibchen ist und bei diesen das Paarungsverhalten auslöst“, resümiert Eltz. „Unsere Ergebnisse belegen auch, dass das Parfüm wohl nicht als Statussignal unter Männchen genutzt wird. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Männchen seinen Balzplatz verteidigte, wurde durch den Besitz von Parfüm nicht erhöht.“
Stand: 08.12.2025
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