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Richtiges Pipettieren – Qualitätsmerkmal in den Life Sciences

| Autor/ Redakteur: Maria Zweig* / Dr. Ilka Ottleben

Kleine Fehler haben häufig eine große Wirkung – Pipettierfehler führen im Labor häufig dazu, dass Experimente nicht funktionieren oder nicht aussagekräftig sind. Lesen Sie, wie die GPP (Gute Pipettier-Praxis) dabei hilft, die Pipettiergenauigkeit und -wiederholbarkeit zu optimieren.

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Abb.1: Regelmäßige Pipettentests und fachkundige Wartung sind deshalb extrem wichtig, um sicherzustellen, dass Pipetten innerhalb der spezifizierten Toleranzen arbeiten.
Abb.1: Regelmäßige Pipettentests und fachkundige Wartung sind deshalb extrem wichtig, um sicherzustellen, dass Pipetten innerhalb der spezifizierten Toleranzen arbeiten.
(Bild: Mettler Toledo)

Unabhängig von der Sorgfalt der Durchführung liegt jeder Messung immer eine inhärente Fehlerwahrscheinlichkeit zugrunde. Niemand kann jemals exakt den wahren Wert einer Größe messen. Die Anzahl an Fehlern ist abhängig von der Präzision des Messgerätes, der richtigen Kalibrierung und der kompetenten Benutzung des Instrumentes. Das wichtigste Dosierinstrument in jedem Labor, welchem leider oft viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist die Pipette.

Werden Pipetten nicht fachgerecht bedient und gewartet, entstehen im Laufe der Zeit viele unvorhersehbare Kosten. Studien belegen, dass über 30 % aller im Einsatz befindlichen Pipetten nicht innerhalb der erwarteten Toleranzen arbeiten. Akzentuiert durch die Fehlerpropagation in mehrstufigen Messprotokollen entstehen enorme Abweichungen der Messdaten. Inkonsistentes oder gar fehlerhaftes Pipettieren ist nicht nur ein wesentlicher Risikofaktor, welcher zu inakkuraten Daten oder nicht reproduzierbaren Ergebnissen führen kann, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Funktionstests sind enorm wichtig

Ein einziger Elisa-Assay erfordert beispielsweise mehr als 1000 Pipettiervorgänge und jeder Mikroliter Reagenz kostet im Schnitt einen Dollar. Gibt nun die Pipette statt 1 μl fälschlicherweise 1,2 μl ab, kostet ein einfaches Experiment 20 % mehr als ursprünglich angenommen. Hinzu kommen Mehrkosten durch Überprüfung und Wiederholungen der Messungen.

Regelmäßige Pipettentests und fachkundige Wartung sind deshalb zwingend notwendig, um sicherzustellen, dass die Pipetten innerhalb der spezifizierten Toleranzen arbeiten.

Pipettieren als ganzheitlicher Prozess

Pipettieren ist viel mehr als das bloße Übertragen kleiner Flüssigkeitsmengen von A nach B, es ist ein ganzheitlicher Prozess, welcher allerdings nicht zu sehr simplifiziert werden darf. Im Idealfall umfasst das korrekte Pipettieren das gelungene Zusammenspiel von Instrument, korrekt gewähltem Zubehör und richtiger Technik.

Eine gründliche Evaluierung des Arbeitsablaufs und eine fundierte Auswahl von Liquid-Handling-Instrumenten sind dabei genauso wichtig wie die Kompetenz erfahrener und geschulter Anwender sowie die sorgfältige Pflege, die die Instrumente benötigen, um über Jahre hinweg zuverlässig zu arbeiten. Die Pipette ist zwar ein universelles Laborinstrument, aber jede Applikation und jede Probe erfordern mit ihren spezifischen Eigenschaften eine individuelle Berücksichtigung. Beispielsweise sollten bei molekulargenetischen Arbeiten nur auf absolute Reinheit geprüfte zertifizierte Spitzen verwendet werden. In einigen Labor-Verbrauchsmaterialien aus Polypropylen wurden nämlich Weichmacher nachgewiesen, die mit bestimmten Enzymreaktionen interferieren können und möglicherweise falsch-positive Spektrometerwerte bei 260/280 nm hervorrufen.

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