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Gehirne von Menschen mit hohem Allgemeinwissen strukturell analysiert

So sieht Allgemeinwissen aus

| Autor/ Redakteur: Dr. Julia Weiler* / Dr. Ilka Ottleben

Ob im Bewerbungsgespräch oder beim ersten Treffen der Schwiegereltern in spe – ein solides Allgemeinwissen kann hilfreich sein. Dass man Menschen mit hohem Allgemeinwissen bzw. ihren Gehirnen eine solche Bildung sogar ansieht, haben Bochumer Forscher nun gezeigt. Die Besonderheit in diesen Gehirnen liegt demnach in der Effizienz ihrer strukturellen Vernetzung.

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Mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung können die ForscherInnen die Nervenfasern im Gehirn sichtbar machen. (Ausschnitt)
Mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung können die ForscherInnen die Nervenfasern im Gehirn sichtbar machen. (Ausschnitt)
(Bild: © RUB, Erhan Genç)

Bochum – Wofür steht die Abkürzung GbR? Welches ist der flächenmäßig größte Staat der EU? Wann wurde Bayern ein Königreich? Wo wurde John F. Kennedy ermordet? Oder wo liegt der Nullpunkt auf der Kelvinskala? Verfügt man über ein umfangreiches Allgemeinwissen kann man häufig punkten – ob im Job oder privat.

Dass man den Gehirnen von Menschen mit hohem Allgemeinwissen dieses gewissermaßen „ansieht“, konnten nun NeurowissenschaftlerInnen der Ruhr-Universität Bochum und der Humboldt-Universität zu Berlin mittels Magnetresonanztomografie zeigen. Demnach sind die Gehirne von Menschen mit hohem Allgemeinwissen besonders effizient vernetzt.

„Obwohl wir das Allgemeinwissen von Menschen präzise messen können und dieser Wissensschatz sehr bedeutend für die individuellen Lebenswege ist, wissen wir bislang wenig über die Zusammenhänge zwischen Allgemeinwissen und der Beschaffenheit des Gehirns“, sagt Dr. Erhan Genç aus der Bochumer Arbeitseinheit für Biopsychologie.

Analyse der strukturellen Vernetzung des Gehirns

Die ForscherInnen untersuchten die Gehirne von 324 Männern und Frauen mit einer besonderen Form der Magnetresonanztomografie, der sogenannten Diffusions-Tensor-Bildgebung. Sie ermöglicht es, die Verläufe von Nervenfasern zu rekonstruieren und so einen Einblick in die strukturelle Vernetzung des Gehirns zu erhalten. Mithilfe von mathematischen Berechnungen wiesen die Forschenden dem Gehirn jedes Teilnehmers einen individuellen Wert zu, welcher die Effizienz eben dieser strukturellen Vernetzung widerspiegelte.

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Messbares Allgemeinwissen

Außerdem absolvierten die ProbandInnen einen in Bochum von Dr. Rüdiger Hossiep entwickelten Allgemeinwissenstest, Bochumer Wissenstest genannt. Er umfasst mehr als 300 Fragen aus unterschiedlichen Wissensgebieten wie Kunst und Architektur oder Biologie und Chemie. Zuletzt untersuchte das Team um Erhan Genç, ob die Effizienz der strukturellen Vernetzung mit der Menge an gespeichertem Allgemeinwissen assoziiert ist.

Das Ergebnis: Menschen mit einem sehr effizienten Fasernetzwerk verfügten über mehr Allgemeinwissen als jene mit einer weniger effizienten strukturellen Vernetzung.

Verstreute Teilinformationen verbinden

„Wir nehmen an, dass einzelne Wissensinhalte in Form von Teilinformationen über das gesamte Gehirn verstreut sind“, erklärt Erhan Genç. „Um die Informationen, die in unterschiedlichen Gehirnarealen abgelegt sind, zusammenzufügen und einen Wissensinhalt erfolgreich abzurufen, ist eine effiziente Vernetzung des Gehirns unabdingbar.“

Ein Beispiel: Um die Frage zu beantworten, welche Konstante in Einsteins Relativitätstheorie vorkommt, muss man die Bedeutung des Begriffs „Konstante“ mit dem Wissen über die Relativitätstheorie verbinden. „Wir vermuten, dass eine effizientere strukturelle Vernetzung des Gehirns zu einer besseren Integration der Teilinformationen beiträgt und somit zu besseren Ergebnissen in einem Allgemeinwissenstest führt“, so der Bochumer Forscher.

Originalpublikation: Erhan Genç, Christoph Fraenz, Caroline Schlüter, Patrick Friedrich, Manuel C. Voelkle, Rüdiger Hossiep, Onur Güntürkün: The Neural Architecture of General Knowledge, in: European Journal of Personality, 2019, DOI: 10.1002/per.2217

* Dr. J. Weiler: Ruhr-Universität Bochum, 44801 Bochum

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