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Multi-resistente Keime Antibiotika-Alternative hilft beim Kampf gegen multi-resistente Keime

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Mit einer neuen Technologie-Plattform hat das Regensburger Unternehmen Lysando eine Alternative zu Antibiotika vorgestellt. Die gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam entwickelten Substanzen sollen beim Kampf gegen multi-resistente Keime helfen. Die so genannten Artilysine sind Proteine, die spezifisch an Bakterien andocken und diese zum Platzen bringen.

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Markus Matuschka von Greiffenclau, Mitgründer und Geschäftsführer von Lysando.
Markus Matuschka von Greiffenclau, Mitgründer und Geschäftsführer von Lysando.
(Bild: Lysando)

Regensburg – Artilysine sind künstlich hergestellte und spezifisch designte Proteine, die auf natürlichen Grundsubstanzen und -strukturen basieren. Sie sind in der Lage, die Zellwand von Bakterien zu durchdringen und zu öffnen. Diese Herausforderung bewältigen Artilysine im Gegensatz zu anderen Ansätzen erstmals bei jeder Form von Bakterien. Sie wirken dabei über spezielle Proteine, Enzyme mit lytischer Aktivität, die die Fähigkeiten besitzen, ihre Zielbakterien spezifisch zu erkennen und das Grundgerüst ihrer Zellwand zerstören zu können. Artilysine sind in der Lage, gezielt pathogene Gram-negative wie auch Gram-positive, einschließlich Antibiotika-resistenter Bakterien und sogar persistierende Erreger wirksam zu bekämpfen“, so Markus Matuschka von Greiffenclau, Geschäftsführer und Mitbegründer von Lysando.

Physikalische Wirkung der Proteine

Der Ansatz des Wirkmechanismus von Artilysinen ist ein rein physikalischer. „Artilysine nutzen einen spezifischen Andock-Mechanismus und greifen danach die Zellwand an. Der hohe Zellinnendruck führt dazu, dass das Bakterium regelrecht aufplatzt“, führt Dr. Kristin Hasselt, stellvertretende Forschungsleiterin bei Lysando, aus. Diese Funktionsweise hat den Vorteil, dass nicht in den Metabolismus der Keime, welcher eine größere Angriffsfläche für die Entwicklung von Resistenzen bietet, eingegriffen wird.

In den vergangenen fünf Jahren hat Lysando gemeinsam mit internationalen Experten- und Wissenschaftsteams in intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit an der Marktreife von Artilysinen gearbeitet. Die Arbeit an Artilysinen gegen Pseudomonas, Campylobacter und Acinetobacter wurde bereits erfolgreich abgeschlossen. Aktuell forscht Lysando an Lösungsansätzen gegen Gonorrhoe und Mukoviszidose. „Die Wirksamkeit von Artilysinen wurde in unterschiedlichen Testreihen geprüft und nachgewiesen. So wurde beispielsweise mit Artilysin-175, designt zur Bekämpfung von Pseudomonas aeruginosa, bereits innerhalb weniger Minuten eine 99,9-prozentige Eliminierung der Bakterien erreicht“, erklärt Kristin Hasselt.

Keine Resistenzbildung festgestellt

„Artilysine bekämpfen ausschließlich die pathogenen Zielbakterien. Durch ihre Wirksamkeit gegen persistierende Bakterien können sie auch bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Für Artilysine eröffnet sich eine Vielzahl von Einsatzgebieten, z.B. in der Human- und Tiermedizin, der Nahrungsmittelindustrie sowie im Hygiene-Bereich“, bestätigt Prof. Rob Lavigne von der Katholieke Universiteit Leuven, Mitautor des Beitrags und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Lysando, die Wirksamkeit von Artilysinen. Darüber hinaus betont er: „Artilysine besitzen nicht nur eine sehr hohe Effizienz, wir haben bisher auch keinerlei Resistenzbildungen feststellen können.“

Lysando adressiert mit Artilysinen entscheidende Probleme und Herausforderungen in einer Vielzahl unterschiedlichster Bereiche und Branchen. Aufgrund des Plattform-Charakters der Technologie ist das Anwendungsgebiet von Artilysinen dabei kaum limitiert: es reicht von der Medizintechnik und Krankenhaushygiene über die Human- und Veterinärmedizin bis hin zur Landwirtschaft bzw. Mast.

„Die bisherigen Ergebnisse und Studien unterstützen unsere Zuversicht, dass wir der Menschheit mit Artilysinen – in der Post-Antibiotika-Ära – für die nächsten Jahrzehnte ein wirksames Mittel gegen bakterielle Infektionen zur Verfügung stellen können. Wir sind davon überzeugt, dass Artilysine dort, wo Antibiotika aufgrund ihres inflationären Einsatzes und damit einhergehender Resistenzbildung zunehmend wirkungsärmer werden, deren Aufgabe übernehmen und zukünftig ebenso das Leben von Menschen und Tieren retten können“, betont Markus Matuschka von Greiffenclau.

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