30.9. – Niedrigwasser erhöht Schadstoffkonzentration in Gewässern
Wiesbaden (dpa) 4:01 Uhr – Extreme Trockenheit hat vielerorts zu Niedrigwasser geführt. Für Gewässer kann das auch mit Blick auf Schadstoffe zum Problem werden. „Stoffeinträge, die bei höherer Wasserführung stärker verdünnt werden, können bei geringer Wasserführung zu höheren Konzentrationen führen“, erklärte Holger Martin vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden. Besonders relevant seien kontinuierliche Einträge aus kommunalen und industriellen Kläranlagen, weil bei Niedrigwasser der Abwasseranteil im Fluss höher sei.
Kläranlagen entfernten zwar die meisten Abwasserinhaltsstoffe. Schwer abbaubare oder persistente Stoffe wie Arzneimittelrückstände, Industriechemikalien und Süßstoffe gelangten dennoch in die Gewässer, hieß es in einer Mitteilung des HLNUG.
Nicht nur einzelne Stoffe können demnach Wasserorganismen beeinflussen. Auch Stoffgemische könnten „Summenwirkungen“ auslösen. Die Bewertung sei komplex. „Auch wenn einzelne Stoffe jeweils unterhalb einer akut wirksamen Konzentration liegen, kann eine längerfristige Belastung durch mehrere Substanzen für Wasserorganismen relevant sein“, ergänzte die Behörde. Folgen könnten Veränderungen körperlicher Abläufe und des Verhaltens sowie Beeinträchtigungen des Immunsystems sein.
Der Mitteilung des HLNUG zufolge sind Gewässergüte-Messstationen eine wichtige Grundlage, um die Wasserqualität zu bewerten. Sie messen kontinuierlich pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur. So ließen sich Veränderungen über Stunden, Tage und Wochen verfolgen. Regelmäßige Laboranalysen von Wasserproben ergänzten die Messungen.
Laut Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, müssten Wasserressourcen stärker vor Schadstoffeinträgen geschützt und an trockenere Sommer angepasst werden. Problematisch seien unter anderem Nitrat und per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). Bestimmte Wasserressourcen könnten Exner zufolge dadurch schwerer oder gar nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt werden.
25.9. – BASF sondiert mögliche Übernahme von Evonik
Ludwigshafen (BASF) 17:25 Uhr – BASF bestätigt Sondierungen mit der RAG-Stiftung und Evonik Industries AG (Evonik) zu einer möglichen Übernahme von Evonik. Fortgang und Ausgang der Sondierungen sind gegenwärtig offen. Im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie prüft die BASF fortlaufend die strategische Option von Akquisitionen, die ihre Kerngeschäfte stärken, einen hohen strategischen Fit aufweisen, profitables Wachstum und Wertsteigerung fördern. Das Unternehmen wird den Markt in Übereinstimmung mit den regulatorischen Vorgaben unverzüglich informieren, wenn und soweit dies erforderlich ist.
22.9. – Chemiekonzern Ineos lässt Produktion in drei Werken ruhen
London (dpa) 14:55 Uhr – Der britische Chemiekonzern Ineos setzt die Produktion in seinen drei Werken im englischen Hull vorübergehend aus. Eigentümer Jim Ratcliffe machte dafür in einer Mitteilung die seiner Aussage nach höheren Gaspreise im Vereinigten Königreich verantwortlich. Bei „Gaspreisen, die mittlerweile zwölfmal so hoch sind wie in den USA und achtmal so hoch wie in China, können wir einfach nicht konkurrieren“, sagte er.
Die Chemiewerke stellen der Nachrichtenagentur PA zufolge Stoffe her, die unter anderem für Arzneimittel, Kleidung und Kosmetik sowie für Bau- und militärische Sprengstoffe verwendet werden. Betroffen sind übereinstimmenden Medienberichten zufolge etwa 1.000 Beschäftigte,
245 davon arbeiten demnach an den betroffenen Standorten.
Die Chemiewerke nutzen Gas zur Energieversorgung und für den Produktionsprozess. Zwei Werke haben die Produktion laut Ineos bereits eingestellt. Der Betrieb im dritten Werk solle in den kommenden Tagen folgen. Die britischen Erdgaspreise waren zuletzt deutlich gestiegen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
18.9. – Körber-Preis an finnische Zellbiologin Wickström verliehen
Hamburg/Münster/Helsinki (dpa) 13:52 Uhr – Sie forschte zur Rolle mechanischer Kräfte bei der Entwicklung von Zellen: Für ihre Entdeckungen ist der in Münster und Helsinki tätigen Medizinerin Sara Wickström der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2026 verliehen worden. Die 50-Jährige fand heraus, dass Zellen auf mechanischen Druck oder Zug reagieren und bestimmte Gene an- oder abschalten, wie die Körber-Stiftung mitteilte. „Daraus ergeben sich neue Ansätze für die Erkennung und Behandlung von Erkrankungen“, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Der Forschungspreis, der im Rathaus der Hansestadt übergeben wurde, ist mit einer Million Euro dotiert.
Die ziehende oder drückende Belastung werde von den Zellen bis in ihr Erbgut hinein verarbeitet und habe damit einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sich eine Zelle entwickle oder wie Gewebe nach Verletzungen heile, teilte die Stiftung weiter mit. Diesen bis dahin unbekannten Mechanismus entdeckte Wickström bereits 2016. Bis dahin war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Zellen vor allem durch ihr genetisches Programm und chemische Botenstoffe gesteuert werden.
Damit gilt Wickström als eine der Begründerinnen der Zellkern-Mechanobiologie, die den Einfluss physischer Kräfte auf Zellen untersucht. Langfristig kann ihre Forschung zur Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs, Organvernarbungen und andere, häufig altersbedingte Erkrankungen beitragen. Wickström ist Direktorin am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und Forschungsdirektorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Helsinki.
16.9. – Zukunftspreis-Finale: Energiespeicher, Chip und Intensiv-Therapie
München (dpa) 13:30 Uhr – Ein intelligenter Energiespeicher, Technik für hocheffiziente Mikrochips und neue Behandlungschancen für Intensivpatienten: Diese Innovationen sind für den Deutschen Zukunftspreis 2026 nominiert. Die drei Projekte betreffen damit wichtige Zukunftsthemen und sind bereits marktreif. Am Mittwoch wurden sie im Deutschen Museum in München vorgestellt. Wer den mit 250.000 Euro dotierten Preis erhält, entscheidet eine Jury am 18. November. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird ihn dann in Berlin überreichen. Bereits die Nominierung für den renommierten Wissenschaftspreis gilt als Auszeichnung.
Die nominierten Projekte:
Dunkelflaute und Hellbrise. Das reversible Kraftwerk schließt die letzten Lücken der Energiewende – Dr. Stephan Herrmann, Felix Fischer und Prof. Dr. Hartmut Spliethoff (TU München): ein neuentwickeltes reversibles Brennstoffzellenkraftwerk kann bei Bedarf Strom aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff erzeugen und bei einem Überangebot an Wind- und Solarstrom umgekehrt Wasserstoff oder synthetisches Methan herstellen.
Wenn jede Stunde zählt. Der neue Therapieansatz bei Multiorganversagen auf der Intensivstation – Dr. Claus Jessen, Dr. Tobias Bingold und Christoph Hüßtege (Münchner Advitos-Gesellschaft): ein neues System, das bei Multiorganversagen gleichzeitig mehrere lebenswichtige Funktionen unterstützt: wasserlösliche und proteingebundene Giftstoffe aus dem Blut entfernen, bei der Elimination von Kohlendioxid helfen und den Säure-Basen-Haushalt stabilisieren
3D-Druck auf der Nanoskala. Photonische Mikrochips und Lichtbrücken für die digitale Zukunft – Prof. Dr. Christian Koos, Dr. Philipp Dietrich und Dr. Matthias Lauermann (Karlsruher Institut für Technologie): eine effiziente Fertigungstechnologie für photonische Mikrochips, die wirtschaftliche Fertigung photonischer Systeme für Rechenzentren und Anwendungen in der Künstlichen Intelligenz in großen Stückzahlen ermöglicht
14.9. – Cheplapharm aus Greifswald und Sanofi vor Milliarden-Deal
Greifswald/Paris (dpa) 16:32 Uhr – Die Greifswalder Pharmafirma Cheplapharm will mit einem Deal mit dem französischen Arzneimittel-Riesen Sanofi seinen Jahresumsatz um rund eine Milliarde Euro erhöhen und drei Produktionsstandorte im Ausland übernehmen. Cheplapharm soll demnach 20 Medikamente von Sanofi übernehmen und vermarkten. Im Gegenzug erhielten die Franzosen eine Beteiligung von 26,4 Prozent an Cheplapharm. Damit werde eine bereits bestehende Kooperation ausgebaut.
Cheplapharm würde durch den Deal, der noch unter Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Arbeitnehmervertretungen und Regulierungs- und Kartellbehörden stehe, nach eigenen Angaben zum fünftgrößten Pharmaunternehmen Deutschlands aufsteigen. Der Jahresumsatz würde demnach von zuletzt mehr als 1,6 Milliarden auf mehr als 2,6 Milliarden Euro steigen. Durch die Übernahme dreier Produktionsstätten in Ungarn, Singapur und Frankreich würde zu den bislang rund 800 Cheplapharm-Mitarbeitern nochmals mehr als 550 dazukommen.
Cheplapharm vermarktet bereits etablierte spezialisierte Arzneien, nachdem sie aus dem Patentschutz herausgefallen sind, und beauftragt externe Unternehmen mit der Fertigung. Nach dem Sanofi-Deal würde Cheplapharm den Blutverdünner Lovenox selbst herstellen. Das Medikament kommt beispielsweise in Thrombosespritzen zum Einsatz.
13.9. – Chemiekonzern Evonik schließt Standort in Bitterfeld
Essen/Bitterfeld (dpa/sa) 10:03 Uhr – Der Chemiekonzern Evonik schließt im kommenden Frühjahr seinen Standort in Bitterfeld. Hintergrund seien die anhaltend herausfordernden Marktbedingungen, teilte das Unternehmen mit. Die Auslastung der Anlagen sei seit längerem nicht ausreichend, um einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Verschiedene Optionen wie etwa eine Reduzierung der Kapazitäten hätte allesamt keine langfristig tragfähige Perspektive gezeigt.
Am Standort in Bitterfeld sind laut Unternehmen 40 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk soll Ende April 2027 schließen. In Bitterfeld produziert das Unternehmen Chlorsilane, die als Rohstoff für Mikrochips und Glasfaserkabel genutzt werden. Neben dem Standort Bitterfeld will Evonik auch ein weiteres kleineres Werk in Hamburg schließen, in dem 50 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die an den Standorten betriebenen Geschäfte würden aber weitergeführt und im Wesentlichen an größeren Standorten in Deutschland konzentriert.
Die Schließung des Evonik-Standorts in Bitterfeld reiht sich in eine Serie von Rückschlägen für die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt ein. Ende 2025 meldeten drei deutsche Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals Insolvenz an. Auch der US-Konzern Dow hatte im Juli 2025 angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen bis Ende 2027 zu schließen. Branchenverbände warnen seither vor einem Dominoeffekt im Mitteldeutschen Chemiedreieck, in dem nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit insgesamt rund 100 Firmen mit etwa 10.000 Beschäftigten ansässig sind.
7.9. – Balzanpreise 2026, u.a. für bioabbaubare Polymere
Hamburg (Public Relations für Forschung & Bildung GmbH) 18:24 Uhr – Heute wurden die Preisträger der diesjährigen Balzanpreise für Wissenschaft und Kultur bekannt gegeben: zwei in den Naturwissenschaften und zwei in den Geisteswissenschaften.
Rasmus Nielsen (University of California Berkeley) und Ziheng Yang (University College London) erhielten den Preis für Molekulare Evolution: Entschlüsselung von Mustern genomischer Veränderungen. Die Auszeichnung würdigt ihre bahnbrechenden und sich ergänzenden Beiträge zur molekularen Evolution, bei denen sie statistische Theorie, computergestützte Methoden und Genomanalysen kombinierten, um aufzudecken, wie natürliche Selektion Gene und Populationen prägt, sowie für die Entwicklung weit verbreiteter Werkzeuge, die die Erforschung evolutionärer Anpassung revolutioniert haben.
An Geoffrey W. Coates (Cornell University) und Marc A. Hillmyer (University of Minnesota) geht der Preis für biologisch abbaubare Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie überzeugten die Jury mit ihrer wegweisenden und kollaborativen Entwicklung nachhaltiger Polymere. Die Neuerungen kombinieren Moleküldesign und Katalyse, um nachwachsende Rohstoffe und zurückgewonnenes Kohlendioxid in hochleistungsfähige, abbaubare und wiederverwendbare Materialien umzuwandeln. Zudem entwickelten die Forscher dieser Entdeckungen von der Grundlagenforschung bis hin zu industriellen Technologien und Materialien weiter.
Die Gewinner der anderen zwei Preise in diesem Jahr:
Elena Esposito (Italien), Università di Bologna, für die Sozialwissenschaft der digitalen Technologie
David Nirenberg (USA), Institute for Advanced Study Princeton, für Jüdische Studien
Der Preis ist mit je 750.000 Schweizer Franken (800.000 Euro) dotiert, die Hälfte des Betrags muss von den Preisträgern zur Finanzierung von Forschungsprojekten junger Wissenschaftler und Forscher verwendet werden.
3.9. – Kommunalabwasserrichtlinie: einseitige Herstellerfinanzierung in Kritik
Berlin (ots) 10:47 Uhr – Pharma Deutschland fordert Aussetzen der Erweiterten Herstellerverantwortung
Pharma Deutschland begrüßt die Schlussanträge von Generalanwältin Juliane Kokott im Klageverfahren Polens gegen die Kommunalabwasserrichtlinie. Mit ihrem Votum stellt Kokott die rechtliche Grundlage für die einseitige Finanzierungspflicht von Herstellern bestimmter Produktgruppen infrage.
Die angegriffenen Regelungen verpflichten Hersteller von Humanarzneimitteln und kosmetischen Mitteln dazu, einen maßgeblichen Anteil der Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen in kommunalen Abwasseranlagen zu tragen. Aus Sicht von Pharma Deutschland bestehen erhebliche Zweifel daran, dass diese pauschale Belastung mit den unionsrechtlichen Anforderungen vereinbar ist.
„Die Schlussanträge sind ein wichtiges Signal für Rechtsstaatlichkeit und eine ausgewogene Lastenverteilung. Kosten für den Ausbau der Abwasserbehandlung dürfen nicht pauschal einzelnen Branchen zugewiesen werden, wenn die Auswahl und Ausgestaltung der Finanzierungspflicht unionsrechtlichen Maßstäben nicht standhalten“, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin Pharma Deutschland. Die Schlussanträge der Generalanwältin sind für den EuGH nicht bindend. Sie geben dem Gerichtshof jedoch eine wichtige rechtliche Orientierung für seine Entscheidung.
Hintergrund: Mit Artikel 9 der Kommunalabwasserrichtlinie wird eine erweiterte Herstellerverantwortung für bestimmte Produktgruppen eingeführt. Anhang III erfasst insbesondere Humanarzneimittel und kosmetische Mittel. Die Hersteller sollen sich an den Kosten für weitergehende Reinigungsmaßnahmen in kommunalen Abwasseranlagen beteiligen.
Polen hat gegen die entsprechenden Regelungen Klage vor dem EuGH erhoben und unter anderem geltend gemacht, dass die Finanzierungspflicht gegen das Verursacherprinzip und den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoße. Kritisiert wird insbesondere, dass die Kostenlast allein Herstellern von Humanarzneimitteln und kosmetischen Mitteln auferlegt wird.
3.9. – Deutscher Umweltpreis für Membranforscher und Klimajuristin
Osnabrück (dpa) 7:15 Uhr – Mit dem Deutschen Umweltpreis werden in diesem Jahr eine neue Membranfilter-Technologie zur Wasserreinigung in Kläranlagen ausgezeichnet sowie das Engagement für klare rechtliche Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt den Preis an die Hamburger Umweltjuristin Roda Verheyen (54) sowie den Membranfilter-Ingenieur Klaus Vossenkaul (61), Gründer und Geschäftsführer der Membion GmbH in Roetgen bei Aachen, wie die Stiftung in Osnabrück bekannt gab.
Vossenkaul erhält den Preis für neue Entwicklungen in der Abwasserreinigung in Kläranlagen. Die von ihm entwickelten Hohlfasermembranfilter sind dünne Röhrchen, die aus Klärschlamm klares Wasser filtrieren. Die Membranen bestehen aus vier Kunststoffen und haben so feine Poren, dass sie problematische Stoffe wie Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime sowie mittels Aktivkohle auch Arznei- und Kosmetikrückstände aus dem Abwasser herausfiltern.
Die Membranen sehen aus wie Spaghetti, sind hohl und etwa 1,60 Meter lang. „Mit Beharrlichkeit und Erfindergeist ist Vossenkaul Wegbereiter einer Technologie, die bereits heute die Standards von morgen erfüllt – für eine neue Ära der Abwasserreinigung in Kläranlagen“, betonte Bonde. Der DBU-Generalsekretär spricht von neuen Maßstäben für die Abwasserreinigung: beste Wasserqualität, minimaler Energiebedarf und maximale Platzersparnis. Das mache Kläranlagen zukunftsfest.
Verheyen verschafft Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen sind. Die Rechtsanwältin ist Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts und setzt sich entschlossen und konsequent dafür ein, klare rechtliche Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt zu schaffen. „Roda Verheyen wendet abstrakte Vorgaben aus dem nationalen und internationalen Recht auf konkrete Fälle an und macht sie so wirksam“, lobte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.
Verheyen und Vossenkaul teilen sich den mit insgesamt 500.000 Euro dotierten Preis, der am 25. Oktober in Aachen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht werden soll. Der Deutsche Umweltpreis wird jährlich von der DBU für entscheidende und vorbildliche Leistungen zum Schutz und Erhalt der Umwelt vergeben.