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LABORPRAXIS-Newsticker 2025

Archiv der Meldungen aus dem LP-Newsticker 2025

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30.7. – KI-Messstation überwacht Wasserqualität an Bächen in Jena

Jena (dpa/th) 13:39 Uhr – Künstliche Intelligenz (KI) soll bei der Überwachung der Wasserqualität kleinerer Flüsse und Bäche helfen. Dafür hat eine KI-Ideenwerkstatt des Bundesumweltministeriums den Prototyp einer Messstation entwickelt, die an drei Bächen in Jena erstmals zum Einsatz kommt: Sie ist an Bächen im Gembdental, Leutratal und Mühltal in Betrieb gegangen. Ein Sensor misst hier kontinuierlich Wasserdaten, wie Temperatur und Wasserstand, die mithilfe von KI ausgewertet und im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden sollen, wie die Berliner Zukunft-Umwelt-Gesellschaft mitteilte.

Universitäten und andere Forschungseinrichtungen könnten sich an den Daten ebenso bedienen wie Behörden und andere Interessierte, sagte Projektleiter Thorsten Kluß bei der Inbetriebnahme. Dies könne ihnen ermöglichen, Frühwarnsysteme für Umweltveränderungen in kleinen Gewässern zu entwickeln. Diese würden im Gegensatz zu größeren Flüssen bislang seltener überwacht. Gerade kleinere Gewässer reagierten aber zuerst auf Klimaveränderungen und seien von Extremwettereignissen betroffen, hieß es.

30.7. – BASF veröffentlicht Finanzbericht für das erste Halbjahr

Ludwigshafen (dpa/lrs) 3:31 Uhr – Der BASF-Konzern veröffentlicht am Mittwoch seinen Finanzbericht für das erste Halbjahr 2025. Eine schwache Konjunktur sowie hohe Energiepreise und Handelskonflikte belasten die Chemiebranche. Das hinterlässt auch Spuren beim Unternehmen mit Stammsitz in Ludwigshafen. Wegen der andauernden makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten hatte BASF vor Kurzem seine Prognose gekappt.

Für 2025 strebt der weltgrößte Chemiekonzern nun beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 7,3 Milliarden bis 7,7 Milliarden Euro an. Zuvor hatte das Dax-Unternehmen 8,0 bis 8,4 Milliarden Euro angepeilt – nach knapp 7,9 Milliarden im Vorjahr. Bei BASF laufen Sparprogramme – vor allem der Stammsitz soll wettbewerbsfähiger werden. Die Chemiebranche leidet schon länger unter einer Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen.

28.7. – VCI: UN-Abkommen gegen Plastikmüll braucht grünes Licht

Frankfurt a.M. (VCI) 13:58 Uhr – Vom 5. bis 14. August gehen die Verhandlungen für ein UN-Abkommen gegen die Plastikverschmutzung in Genf in die Verlängerung. Die Differenzen unter den verhandelnden Staaten sind immer noch groß. Der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) ruft dazu auf, sich beim Abkommen auf die Stärkung einer globalen Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu konzentrieren. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, sagt: „Wir müssen der Plastikverschmutzung ein Ende setzen und zugleich das enorme Potenzial von Kunststoffen nutzen. Sie sind ein Garant für Innovation und Wohlstand. Der Weg führt über langlebige Produkte, die wir am Ende recyceln. Das technologische Know-how dafür ist vorhanden – auch aus der Chemie“.

Diskussionen um Obergrenzen für die Plastikproduktion sieht der VCI genauso kritisch wie Forderungen zur Chemikalienregulierung im Abkommen, für die es bereits andere globale Instrumente gibt. „Die Verhandlungen bieten die einmalige Chance auf ein starkes, verbindliches Abkommen. Nur wenn möglichst viele Staaten mit großer Kunststoffindustrie mitziehen, können wir die Plastikflut wirksam eindämmen. Ein europäischer Alleingang bringt global betrachtet wenig. Deshalb dürfen wir das Abkommen nicht überfrachten und so ein Scheitern riskieren“, sagt Große Entrup. Der VCI spricht sich stattdessen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft für den Ausbau der globalen Abfallmanagementsysteme, die Stärkung des zirkulären Produktdesigns, Zielvorgaben für das Recycling und eine umfassende Herstellerverantwortung aus.

27.7. – Großforschungszentrum startet erste Projekte

Merseburg/Delitzsch (dpa) 4:32 Uhr – Das länderübergreifende Chemie-Forschungszentrum CTC wächst weiter. In diesem Jahr seien die ersten Forschungsprojekte gestartet worden, sagte eine Sprecherin des Center for the Transformation of Chemistry. Das CTC wird im Rahmen des Kohleausstiegs vom Bund mit bis zu 1,1 Milliarden Euro gefördert. Bis 2038 sollen bis zu 1.000 Angestellte dort forschen.

Derzeit seien an den beiden Standorten in Merseburg (Sachsen-Anhalt) und Delitzsch (Sachsen) 61 Mitarbeiter aus zwölf verschiedenen Nationen beschäftigt. Die bisherigen Forschungsprojekte lägen im Bereich Recycling oder datengetriebener Chemie. Das Zentrum solle die Transformation der Chemieindustrie hin zur Kreislaufwirtschaft beschleunigen und dabei auch hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPC) bezeichnet das CTC als einen „Leuchtturm für Spitzenforschung und Technologietransfer in Mitteldeutschland“.

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24.7. – Verwaltungsamt prüft Unternehmen nach Arsendiebstahl

Osterwieck (dpa) 15:29 Uhr – Nach dem Diebstahl von hochgiftigem Arsen aus einer Spezialfirma in Osterwieck (Sachsen-Anhalt) bereitet das Landesverwaltungsamt derzeit eine Vor-Ort-Kontrolle im Unternehmen vor. Letztmals sei im November die Einhaltung entsprechender Richtlinien zur Lagerung von Arsen bestätigt worden, teilte eine Sprecherin des Verwaltungsamtes mit. Der Zugang sei ausschließlich fachkundigem Personal gestattet und erfolge gesichert über Transpondersysteme, Zutrittskontrollen und Umzäunung.

Am Dienstag hatte der Landkreis Harz eine Großschadenslage gemeldet, nachdem Behälter mit Arsenpulver und -granulat in der Umgebung der Firma gefunden worden waren. Mehrere Behältnisse mit hochgiftigem Arsentrichlorid fehlen noch. Die Polizei ermittelt wegen eines Einbruchdiebstahls. Genaue Details zu möglichen Tatverdächtigen konnte die Polizei noch nicht mitteilen.

Die Spezialfirma im Harz stellt nach eigenen Angaben hochreines Arsen her, das unter anderem in der Halbleiterindustrie verwendet wird.

23.7. – VAA: Stimmung in Chemie und Pharma leicht verbessert

Köln (ots) 15:40 Uhr – Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Stimmung der Fach- und Führungskräfte in der deutschen Chemie- und Pharmabranche etwas aufgehellt. Das zeigt die diesjährige Befindlichkeitsumfrage des VAA unter den außertariflichen und leitenden Angestellten von Deutschlands drittgrößtem Industriezweig.

Die Durchschnittsnote für die Personalpolitik der Unternehmen fällt mit 3,0 etwas besser aus als im Vorjahr (3,2). Vor allem die strategische Ausrichtung ihrer Arbeitgeber wurde von den Fach- und Führungskräften in vielen Unternehmen besser bewertet als 2024.

„Die Stimmung in der deutschen Chemie- und Pharmabranche ist nach wie vor von Hemmnissen und Unsicherheitsfaktoren wie hohen Energiepreisen, Bürokratie und Zollstreitigkeiten geprägt“, sagt VAA-Hauptgeschäftsführer Stephan Gilow. „Dennoch scheinen sich die Geschäftserwartungen vieler Unternehmen langsam zu stabilisieren - und das spüren auch die Mitarbeitenden.“ Die Unternehmen seien nun gefordert, ihre personalpolitischen Hausaufgaben zu machen und ihre Fach- und Führungskräfte auf der weiteren Reise durch die Transformation der Chemiebranche mitzunehmen.

An der Spitze des Umfragerankings steht erneut der deutsche Zweig des niederländischen Chemieriesen Lyondellbasell, gefolgt vom Mainzer Glaskonzern Schott. Auf den Plätzen drei und vier folgen - ebenfalls wie im Vorjahr - das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und der bayerische Chemiekonzern Wacker.

Die jährliche VAA-Befindlichkeitsumfrage wurde 2025 zum 24. Mal durchgeführt. Sie ist ein anerkanntes und unabhängiges Barometer für die Stimmung der außertariflichen und leitenden Angestellten in der Branche. An der Befindlichkeitsumfrage von Mitte April bis Mitte Mai beteiligten sich rund 2.000 Personen.

19.7. – Das Geschlecht des Nachwuchses ist kein reiner Zufall

Boston (dpa) 5:01 Uhr – Wird es erneut ein Junge oder dieses Mal doch ein Mädchen? Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass das Alter von Müttern die Geschlechtsverteilung beim Nachwuchs beeinflusst. Demnach haben Eltern mit bislang ausschließlich weiblichen oder männlichen Nachkommen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, ein weiteres Kind dieses Geschlechts zu zeugen.

Dies widerlege die Annahme, dass die Chance für ein männliches oder weibliches Kind vom Zufall abhänge und so wenig vorhersehbar sei wie ein Münzwurf, schreibt das Team der Harvard T. H. Chan School of Public Health im Fachjournal „Science Advances“.

Bisher wurde vermutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Jungen oder aber ein Mädchen bei etwa 50:50 liege, da im männlichen Körper Spermien mit X- oder aber Y-Chromosom in gleicher Anzahl produziert werden. Aber die Forscher aus Harvard gaben sich mit dieser Annahme nicht zufrieden. Sie werteten Aufzeichnungen und genomweite Assoziationsdaten von etwa 58.000 Frauen mit zwei oder mehr Lebendgeburten im Zeitraum 1956 bis 2015 aus. Insgesamt flossen Informationen zu rund 146.000 Schwangerschaften in die Analyse ein. Die Daten stammen zu 95 Prozent von weißen Frauen, allesamt Krankenschwestern aus den USA.

Das Ergebnis der Auswertung: Das Alter, aber auch die Genetik der Mütter beeinflussen die Wahrscheinlichkeit gleichgeschlechtlicher Nachkommen. Je älter die Mutter bei der ersten Geburt ist, desto größer seien die Chancen, nur Jungen oder aber nur Mädchen zur Welt zu bringen.

So lag die Wahrscheinlichkeit, nach drei Jungen noch einen vierten Jungen zu bekommen, bei 61 Prozent. In Familien mit drei Mädchen bestand laut den Berechnungen zu 58 Prozent die Chance, ein weiteres Mädchen zu bekommen, wie die Autoren schreiben.

Originalpublikation: Siwen Wang et al.: Is sex at birth a biological coin toss? Insights from a longitudinal and GWAS analysis, Sci. Adv.11, (2025); DOI:10.1126/sciadv.adu7402

17.7. – Deutsche Chemiebranche erwartet auch 2025 keine Trendwende

Frankfurt/Main (dpa) 10:31 Uhr – Die deutsche Chemie- und Pharmabranche stabilisiert sich, findet aber noch keine kraftvolle Erholung von ihrer Krise. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz gemessen am Vorjahreszeitraum minimal um 0,5 Prozent auf 107 Milliarden Euro, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt mitteilte. Die Produktion fiel bei stagnierenden Preisen um ein Prozent.

Damit habe die Branche die rasante Talfahrt der vergangenen Jahre gestoppt, so der VCI. Die Unternehmen rechneten aber erst im kommenden Jahr mit einem Aufschwung. „Für 2025 zeichnet sich für unsere Branche keine Trendwende ab“, sagte Präsident Markus Steilemann.

Steilemann spürt aber Rückenwind von der Politik. In Berlin und Brüssel gebe es ein Umdenken. „Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Bürokratieabbau stehen wieder oben auf der politischen Agenda.“ Die neue Bundesregierung habe erste wichtige Schritte ergriffen.

Im ersten Halbjahr profitierte die drittgrößte deutsche Industriebranche nach dem Auto- und Maschinenbau abermals von guten Pharma-Geschäften. Dort legte die Produktion um zwei Prozent zu, während die Herstellung in der Chemie um drei Prozent sank. Die Zahl der Beschäftigten blieb insgesamt mit rund 480.000 hierzulande stabil - obwohl Konzerne wie BASF Anlagen stilllegen.

Noch im ersten Quartal hatte die Chemie- und Pharmabranche deutliche Zuwächse bei Umsatz und Produktion verzeichnet, auch, weil Kunden aus Sorge vor US-Zöllen auf Medikamente Bestellungen vorzogen.

Für das laufende Jahr bestätigte der VCI seine Prognose. Demnach soll die Produktion stagnieren und der Umsatz leicht um ein Prozent sinken. Die energieintensive Chemie leidet schon länger unter gestiegenen Energiepreisen und der Konjunkturflaute. Hinzu kommt der Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump. Chemiekonzerne wie BASF und Evonik haben bereits große Sparprogramme samt Stellenabbau verkündet. Erst zuletzt senkten BASF und der Kunststoffkonzern Covestro die Prognosen für ihre Geschäftsziele.

11.7. – Chemiekonzern BASF senkt Gewinnprognose

Ludwigshafen (dpa) 18:22 Uhr – Der weltgrößte Chemiekonzern BASF kappt wegen anhaltenden makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten seine Prognose. Für 2025 strebt BASF nun beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 7,3 Milliarden bis 7,7 Milliarden Euro an, wie das Dax-Unternehmen mitteilte. Zuvor hatte BASF 8,0 bis 8,4 Milliarden Euro angepeilt - nach knapp 7,9 Milliarden im Vorjahr.

Im zweiten Quartal betrug das operative Ergebnis nach vorläufigen Berechnungen 1,77 Milliarden Euro und traf damit die Erwartungen der Analysten. Im Vorjahreszeitraum hatte BASF hier 1,96 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Umsatz ging im Quartal wegen niedrigerer Preise vor allem bei Basischemikalien um 2,1 Prozent auf 15,77 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieb ein auf die Aktionäre anfallender Gewinn von 80 Millionen Euro hängen, nach 430 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten einen viel höheren Überschuss erwartet.

Die Chemiebranche leidet schon länger unter einer Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen. Hinzu kommen die anhaltenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Beim Chemieriesen laufen Sparprogramme - vor allem der Stammsitz in Ludwigshafen soll wettbewerbsfähiger werden. BASF will am 30. Juli seine vollständigen Zahlen und Details für das zweite Jahresviertel vorlegen.

8.7. – EU-Kommission will Chemieindustrie entlasten

Brüssel (dpa) 19:12 Uhr – Die EU-Kommission will mehrere Vorgaben für die europäische Chemieindustrie vereinfachen. Ziel ist es, den Verwaltungsaufwand und Kosten für die Industrie zu verringern, teilte die Behörde mit. Als Beispiele nannte sie simplere Kennzeichnungsvorschriften für gefährliche Chemikalien, eine Änderung der EU-Kosmetikvorschriften und leichtere Registrierung von Düngemitteln.

„Diese Maßnahmen werden der Industrie voraussichtlich mindestens 363 Millionen Euro jährlich einsparen“, so die Kommission. Während Wirtschaftsverbände die Ankündigung positiv aufnahmen, gibt es Kritik aus Reihen der Grünen und von Umweltorganisationen. Besonders besorgniserregend sei der geplante Rückschritt bei Kosmetika, so die Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus. „Krebserregende oder fortpflanzungsschädigende Stoffe sollen künftig erlaubt sein, solange sie nur beim Verschlucken gefährlich sind“, kritisiert sie. Ähnliche Bedenken äußerte auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Die EU-Kommission verspricht hingegen, einen hohen Schutz der Gesundheit und der Umwelt zu gewährleisten. Aus der Industrie kommt Lob für das Vorhaben: „Jahrelang wurden dem Sektor regulatorische Knüppel zwischen die Beine geworfen“, kritisiert Markus Steileman, Präsident des Verbands der chemischen Industrie (VCI).

Die Vorschläge der Kommission räumten nun erste Probleme aus dem Weg. „Der Anfang ist gemacht“, sagt Steileman. Aus den Reihen der Union kommt ebenfalls Lob für das Vorhaben. Es muss nun mit den EU-Staaten und dem Europaparlament final ausgehandelt werden.

3.7. – Seltene Erden: Industrie warnt vor Abhängigkeit von China

Berlin/Peking (dpa) 10:10 Uhr – Inmitten der weltweiten Handelskonflikte warnt die deutsche Industrie vor einer wachsenden Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen wie seltenen Erden. „Chinas Regierung hat erkannt, dass sie die Abhängigkeit Europas von seltenen Erden nutzen kann, um Zugeständnisse auf anderen Feldern zu erzwingen“, sagte Stefan Steinicke, Rohstoffexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

China verknappe die Ausfuhr seltener Erden so weit, dass es anderen Ländern schwerfalle, strategische Reserven aufzubauen. Zugleich sei Peking jedoch jederzeit in der Lage, die Weltmärkte wieder mit Rohstoffen zu fluten, um die Preise auf Talfahrt zu schicken.

Investitionen in den Ausbau der Förderung und Verarbeitung seien daher für westliche Unternehmen ein hohes Risiko. Der Aufbau der Kapazitäten, so der BDI-Vertreter, werde nicht ohne staatliche Hilfen möglich sein. Trotz bereits bestehender Förderung mache Deutschland bisher jedoch kaum Fortschritte.

Wegen Chinas Exportbeschränkungen auf seltene Erden geriet zuletzt die Industrie außerhalb der Volksrepublik deutlich unter Druck. Auch in Deutschland sorgen sich Unternehmen etwa in der Automobilbranche oder im Maschinenbau um den Nachschub der wichtigen Metalle, die etwa in Sensoren oder Elektromotoren verbaut werden.

China rechtfertigte die Kontrollen damit, dass es sich bei den Rohstoffen um Güter für zivile, aber auch militärische Nutzung handle. Zwar waren die Maßnahmen vordergründig eine Reaktion auf den Handelsstreit mit den USA – sie gelten jedoch für alle Länder und treffen damit auch europäische Firmen. Von Unternehmen war zu hören, dass das chinesische Handelsministerium lange brauche, um die Anträge zu bearbeiten – ohne Gewissheit auf eine Genehmigung. Sorgen vor möglichen Stillständen in den Fertigungen machten sich breit. Mehrfach betonte das Handelsministerium, dass es bereits Anträge etwa für Firmen in der EU genehmigt habe und den Prozess beschleunigen wolle.

1.7. – Merck schließt größten Pharma-Deal seit Jahrzehnten ab

Darmstadt (dpa) 14:31 Uhr – Der Darmstädter Merck-Konzern hat die größte Übernahme im Pharma-Geschäft seit fast 20 Jahren abgeschlossen. Der Kauf des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics für rund drei Milliarden Euro ist in trockenen Tüchern, wie das Dax-Unternehmen mitteilt. Mit der Übernahme will Merck ein Geschäft rund um die Behandlungen von seltenen Tumoren aufbauen, wo der Konzern eine Therapielücke sieht.

„Viele der Betroffenen sind noch jung und haben einen langwierigen Behandlungsweg mit ungewissem Ausgang und nur begrenzten Therapiemöglichkeiten vor sich“, sagte Danny Bar-Zohar, Chef der Pharmasparte von Merck.

Springworks hat bereits ein in den USA zugelassenes Medikament zur Behandlung von fortschreitenden Weichteiltumoren sowie gegen eine Erkrankung mit gutartigen Tumoren auf der Haut oder an den Nerven. Beide Mittel könnten bald auch in der EU grünes Licht bekommen. Merck-Chefin Belén Garijo bezeichnete den Springworks-Kauf als richtungsweisend - und schließt zugleich weitere Übernahmen, allen voran im Geschäft mit Laborausrüstung, nicht aus.

Mercks Pharmasparte unter anderem mit Medikamenten gegen Krebs, Unfruchtbarkeit und Multiple Sklerose wuchs zuletzt zwar solide. Der Konzern steht aber unter Druck, neue Mittel auf den Markt zu bringen. Mehrere Hoffnungsträger, die Merck Milliarden in die Kassen spülen sollten, sind in klinischen Studien gescheitert.

Die Übernahme von Springworks, die größte in der Pharmasparte seit dem Kauf des Schweizer Konzerns Serono 2007 für 10,3 Milliarden Euro, soll den Umsatz von Merck unmittelbar steigern. Die letzte große Übernahme hatte Merck 2019 mit dem US-Halbleiterzulieferer Versum Materials im Wert von rund 5,8 Milliarden Euro gestemmt.

1.7 – Stimmung in der Chemie zieht kräftig an

München (dpa) 8:54 Uhr – Hoffnung auf niedrigere Energiepreise und Auswirkungen der staatlichen Investitionspakete haben die Stimmung in der chemischen Industrie kräftig steigen lassen. Der entsprechende Index des Münchner Ifo-Instituts stieg im Juni von minus 16,2 auf minus 8,9 Punkte. Vor allem die Erwartungen verbesserten sich massiv:

Hatten sie vor einem Monat noch bei minus 5,4 Punkten gelegen, sprangen sie nun in den positiven Bereich auf 9,5 Punkte. Das sei der beste Wert seit dreieinhalb Jahren, heißt es vom Ifo. Die aktuelle Geschäftslage wird mit minus 25,7 Punkten dagegen weiter sehr negativ bewertet.

„Besonders die geplante Senkung der Stromsteuer für die Industrie verschafft der Chemiebranche bereits spürbaren Aufwind“, sagt Branchenexpertin Anna Wolf. Die deutliche Verbesserung sei bemerkenswert. Neben der Stromsteuer könne hier auch das geplante Investitionspaket eine Rolle spielen. Auch hier würden chemische Produkte gebraucht.

Der Anstieg bei den Erwartungen ist auch ein gutes Zeichen für andere Wirtschaftsbereiche. Die Chemie sei eine Vorlaufbranche, sagt Wolf. In der aktuellen Geschäftslage sieht es allerdings noch düster aus. Der Auftragsbestand wird weiterhin als äußerst niedrig eingeschätzt. Zwar stabilisiere sich die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen, dennoch planten zahlreiche Unternehmen mit einem Rückgang der Produktion und wollten Personal abbauen.

Zwar profitierten einige Betriebe von gesunkenen Rohstoffkosten und ersten Anzeichen einer Nachfragebelebung auf internationalen Märkten. Allerdings belasteten die protektionistische US-Zollpolitik, nach wie vor hohe Standortkosten und geopolitische Unsicherheiten die wirtschaftliche Erholung der Branche. „In dieser Situation setzen die von der Bundesregierung beschlossenen staatlichen Investitionen dringend benötigte Impulse“, sagt Wolf.

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