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Globale Emissionen während Corona-Krise Atempause für die Erde: CO2-Ersparnis im Lockdown

| Redakteur: Christian Lüttmann

Als das soziale Leben und die Wirtschaft im März und April nahezu stillstanden, hatte dies auch etwas Gutes: Durch den Corona-Lockdown in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt sind die CO2-Emissionen massiv gesunken – jedenfalls kurzfristig. Wie viel Treibhausgas tatsächlich eingespart wurde, hat nun ein internationales Forscherteam mithilfe von Echtzeit-Daten ausgewertet.

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Menschenleere Straße im Mai 2020 in Belfast, Nordirland
Menschenleere Straße im Mai 2020 in Belfast, Nordirland
(Bild: gemeinfrei, K. Mitch Hodge / Unsplash)

Potsdam – Es fällt sicher schwer, der Corona-Pandemie etwas Positives abzugewinnen. Doch tatsächlich hat die weltweite Krise auch vorteilhafte Folgen – zumindest kurzzeitig. So kam es in der ersten Jahreshälfte 2020 zu einem beispiellosen Rückgang der CO2-Emissionen – stärker als während der Finanzkrise von 2008, der Ölkrise von 1979 oder sogar während des Zweiten Weltkriegs.

Ein internationales Forscherteam hat die CO2-Ersparnis nun beziffert und kommt zu dem Ergebnis, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 8,8 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen wurden als im gleichen Zeitraum im Jahr 2019 – ein Rückgang von insgesamt 1551 Millionen Tonnen.

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Bis zu 17% weniger Emissionen

„Was unsere Studie einzigartig macht, sind die akribisch, nahezu in Echtzeit gemessenen Daten“, sagt Hauptautor Zhu Liu vom Department of Earth System Science an der Tsinghua-Universität in Peking. „Durch die Berücksichtigung täglicher Zahlen, die die Forschungsinitiative Carbon Monitor gesammelt hat, konnten wir uns einen viel schnelleren und präziseren Überblick verschaffen – einschließlich Zeitreihen, die zeigen, wie der Emissionsrückgang mit den Lockdowns in den einzelnen Ländern korrespondiert hat.“

Besonders eindrucksvoll war die Auswirkung im April, als die meisten Länder ihr öffentliches Leben auf dem Höhepunkt der ersten Welle von Corona-Infektionen erheblich zurückfuhren. In dieser Zeit gingen die Emissionen sogar um bis zu 16,9% zurück. „Insgesamt führten die verschiedenen Ausbrüche zu Emissionssenkungen, die wir normalerweise nur kurzfristig an Feiertagen wie Weihnachten oder dem chinesischen Frühlingsfest erleben“, erläutert Liu.

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Home Office als Klimafreund

Die aktuelle Studie zeigt auch, welche Teile der Weltwirtschaft am stärksten betroffen waren. „Die größte Emissionsreduktion fand im Bereich des Landverkehrs statt“, sagt Daniel Kammen, Professor und Vorsitzender der Energy and Resources Group sowie Professor an der Goldman School of Public Policy an der University of California.

Die Forscher sehen vor allem Home Office als einen wichtigen Grund dafür, dass die CO2-Emissionen im Verkehr weltweit um 40% zurückgingen. Für den Energie- und den Industriesektor ermittelten die Forscher lediglich einen Rückgang von 22 bzw. 17%. Und auch in der Luft- und Schifffahrt waren die CO2-Einsparungen nicht annähernd so hoch wie im Privatverkehr. „Überraschenderweise verzeichnete sogar der Wohnsektor einen kleinen Emissionsrückgang um 3%. Das lag daran, dass aufgrund eines ungewöhnlich warmen Winters auf der Nordhalbkugel der Heizverbrauch zurückging, obwohl die meisten Menschen während des Lockdowns viel mehr zu Hause waren“, erklärt Kammen.

Um dieses umfassende Bild zu zeichnen, stützten sich die Forscher bei ihren Schätzungen auf eine möglichst breite Palette von Daten: präzise, stündliche Datensätze der Stromerzeugung in 31 Ländern, täglicher Fahrzeugverkehr in mehr als 400 Städten weltweit, tägliche Passagierflüge, monatliche Produktionsdaten für die Industrie in 62 Ländern sowie Brennstoffverbrauchsdaten für Gebäudeemissionen in mehr als 200 Ländern.

Starke Rebound-Effekte

Was während des Lockdowns an CO2-Emissionen gespart wurde, war allerdings oft nur von kurzer Dauer. Mit Ausnahme eines anhaltenden Rückgangs der Emissionen aus dem Verkehrssektor erreichten die meisten Volkswirtschaften schon im Juli 2020 wieder ihr gewohntes CO2-Niveau, nachdem die Sperrmaßnahmen aufgehoben wurden. Doch selbst wenn sie auf ihrem historisch niedrigen Level verharrten, würde sich dies nur geringfügig auf die langfristige CO2-Konzentration in der Atmosphäre auswirken, so die Auffassung der Wissenschaftler.

Daher betonen die Autoren, dass die einzig effektive Strategie zur Stabilisierung des Klimas nur eine Transformation des Industrie- und Handelssektors sein kann. „Dieser CO2-Rückgang ist zwar beispiellos, doch ein Rückgang menschlicher Aktivitäten kann nicht die Antwort sein“, sagt Ko-Autor Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Stattdessen brauchen wir umfassende strukturelle Veränderungen in unseren Energieproduktions- und -verbrauchssystemen. Individuelles Verhalten ist sicherlich wichtig, aber worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Verringerung der CO2-Intensität unserer globalen Wirtschaft.“

Originalpublikation: Zhu Liu, Philippe Ciais, Zhu Deng, Ruixue Lei, Steven J. Davis, Sha Feng, Bo Zheng, Duo Cui, Xinyu Dou, Biqing Zhu, Rui Guo, Piyu Ke, Taochun Sun, Chenxi Lu, Pan He, Yuan Wang, Xu Yue, Yilong Wang, Yadong Lei, Hao Zhou, Zhaonan Cai, Yuhui Wu, Runtao Guo, Tingxuan Han, Jinjun Xue, Olivier Boucher, Eulalie Boucher, Frédéric Chevallier, Katsumasa Tanaka, Yimin Wei, Haiwang Zhong, Chongqing Kang, Ning Zhang, Bin Chen, Fengming Xi, Miaomiao Liu, François-Marie Bréon, Yonglong Lu, Qiang Zhang, Dabo Guan, Peng Gong, Daniel M. Kammen, Kebin He & Hans Joachim Schellnhuber: Near-real-time monitoring of global CO2 emissions reveals the effects of the COVID-19 pandemic, Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-020-18922-7

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