English China
Suchen

Begehrte Managanknollen Bergbau unter dem Meeresspiegel

Autor / Redakteur: Jan Steffen* / Christian Lüttmann

Auf dem Grund des Pazifiks wartet ein Schatz: Manganknollen. Um das Tiefsee-Erz möglichst umweltschonend zu bergen, laufen Untersuchungen zu Risiken und ökologischen Folgen des Abbaus. Im September startete dazu die zweite Phase des internationalen Projekts „Mining Impact“, an der insgesamt 32 Einrichtungen aus 10 Ländern beteiligt sind.

Firmen zum Thema

Um sie geht es: Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone in mehr als 4000 Metern Wassertiefe. In wenigen Jahren könnten die ersten Staaten Abbaulizenzen für Manganknollen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA beantragen.
Um sie geht es: Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone in mehr als 4000 Metern Wassertiefe. In wenigen Jahren könnten die ersten Staaten Abbaulizenzen für Manganknollen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA beantragen.
(Bild: Manganknollen / Manganknollen / ROV-Team/GEOMAR / CC BY 4.0 / BY 4.0)

Kiel – An Land regelt das Bergrecht den Abbau von Rohstoffen. Doch weit draußen im Ozean, außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (200-Seemeilen-Zonen) einzelner Staaten, gelten andere Gesetze. So werden die Bodenschätze in der Tiefsee von der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) verwaltet. Diese Ressourcen gehören auf Grundlage des internationalen Seerechts-Übereinkommens UNCLOS zum „Erbe der Menschheit“. Bis heute haben 20 Staaten, darunter auch mehrere Europäische Länder, nämlich Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und Russland, Lizenzen zur Erkundung von Erzvorkommen im Meeresboden erworben.

Der Abbau kann bald beginnen

Die größte der Lagerstätten mit Manganknollen liegt in der Clarion-Clipperton-Zone im Nord-Ost-Pazifik zwischen Mexiko und Hawaii. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts laufen einige der Erkundungsverträge für dieses Gebiet ab. Dann könnte der Abbau dieser Erzvorkommen beginnen.

Als Vorbereitung auf den bald möglichen Abbau der Manganknollen untersuchen Wissenschaftler aus ganz Europa bereits seit Ende 2014 im Projekt „Mining Impact“ die ökologischen Folgen eines zukünftigen Tiefseebergbaus. Die Ergebnisse fließen in die Verhandlungen für den „Mining Code“ der ISA ein, der das internationale Regelwerk für die Gewinnung mineralischer Rohstoffe am Meeresboden sein wird.

Untersuchung ökologischer Folgen

In dieser Woche startet die zweite Phase des Projekts Mining Impact mit einem Treffen der 32 Projektpartner aus 10 Ländern in Brüssel. In einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung wurde das Projekt den internationalen Umweltverbänden und Vertretern von Tiefseebergbaufirmen sowie Ministerien und des Europäischen Parlaments vorgestellt. Die beteiligten Länder fördern die neue Phase mit insgesamt 11 Millionen Euro, davon stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung 8,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die beteiligten Forschungseinrichtungen bringen weitere 6 Millionen Euro in das Projekt ein.

„In der ersten Phase haben wir viele grundlegende Erkenntnisse zu den zu erwartenden, längerfristigen Auswirkungen von Tiefseebergbau gewonnen. Diese wollen wir jetzt konkretisieren, indem wir z.B. geeignete Indikatororganismen für einen gesunden Zustand des Tiefseeökosystems identifizieren und Grenzwerte für Schädigungen durch Tiefseebergbau definieren, die das Ökosystem noch verkraften kann. Denn die ISA muss beim Erstellen des ‚Mining Codes‘ von der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft unterstützt werden, damit sie die bestmöglichen Umweltstandards festlegt“, sagt der Projektkoordinator Dr. Matthias Haeckel vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Pilotprojekt zur Manganknollenernte

Bereits für das Frühjahr 2019 plant das Unternehmen DEME-GSR einen Kollektor-Prototypen am Meeresboden der Clarion-Clipperton-Zone einzusetzen, um auf einer 0,1 Quadratkilometer großen Fläche Manganknollen zu ernten. Zentraler Bestandteil der zweiten Phase des Projekts Mining Impact wird es sein, diesen Technologie-Test des belgischen Vertragspartners durch eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung zu begutachten. „Wir werden zur gleichen Zeit mit dem deutschen Forschungsschiff ‚Sonne‘ vor Ort sein, um unabhängige wissenschaftliche Daten über die Umweltauswirkungen dieses ersten industriellen Tests eines Knollenkollektors zu sammeln. Zum Beispiel interessiert uns, wie weit das dabei aufgewirbelte Sediment verdriftet wird und wie lange es in der Wassersäule bleibt, bis es sich wieder absetzt“, führt Haeckel aus. Dabei kommen modernste Tiefseetechnologien wie der Tauchroboter Kiel 6000, das autonome Unterwasserfahrzeug Abyss und das Tiefseeobservatorium Molab des Geomar zum Einsatz.

Rahmenbedingungen für kontrollierten Abbau schaffen

Die Forscher testen gleichzeitig, wie die Einhaltung des zukünftigen Mining Codes in der Tiefsee überwacht werden kann. Außerdem gewinnen sie weitere Erkenntnisse, wie Schutzzonen in der Tiefsee gestaltet sein müssen, um die negativen Folgen industrieller Aktivitäten am Meeresboden zu begrenzen. „Das internationale Seerecht gibt Staaten die Möglichkeit, mineralische Rohstoffe aus der Tiefsee zu gewinnen. Das steht außer Frage. Doch jetzt haben wir noch die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen mitzugestalten, sodass es eben keinen unkontrollierten Raubbau im größten Lebensraum der Erde gibt. Diese Möglichkeit wollen wir nutzen“, betont Haeckel.

* J. Steffen, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, 24148 Kiel

(ID:45510175)