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Corona-Testung in Deutschland Corona-Tests: Produktion seit Februar um das 18-fache gesteigert

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Je mehr Tests, desto besser. Egal wie man zu den Maßnahmen der Corona-Pandemie steht, darauf kann sich die breite Mehrheit einigen. Wie Diagnostika-Unternehmen dies sicher gestellt haben und warum man mehr Unterstützung von der Politik fordert, hat der Verband der Diagnostica-Industrie in einer Presskonferenz am 12. Juni erläutert.

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„Deutschland wird von vielen als vorbildlich im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie angesehen – auch im internationalen Vergleich. Die Strategie eines frühen, umfangreichen und zielgerichteten Testens mittels Labordiagnostik ist ein tragender Pfeiler dieses Erfolges“, sagt Ulrich Schmid, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH), anlässlich einer Verbands-Pressekonferenz am 12. Juni.
„Deutschland wird von vielen als vorbildlich im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie angesehen – auch im internationalen Vergleich. Die Strategie eines frühen, umfangreichen und zielgerichteten Testens mittels Labordiagnostik ist ein tragender Pfeiler dieses Erfolges“, sagt Ulrich Schmid, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH), anlässlich einer Verbands-Pressekonferenz am 12. Juni.
(Bild: Vdgh/Henning Schacht)

Berlin – Deutschland gilt als Vorbild bei der Testung auf das Corona-Virus. Bereits wenige Wochen nach dem Ausbruch in China konnten Forscher das Genom des Coronavirus mit Technologien der Life-Science-Research-Industrie sequenzieren. Die ersten industriell gefertigten Tests auf das Coronavirus standen ab Mitte Februar 2020 in Deutschland zur Verfügung.

65 Verbandsunternehmen produzieren Corona-Tests

Vier wesentliche Erfolgsfaktoren begründen, warum Deutschland bei der Testung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 so gut aufgestellt ist. Diese hat der VDGH in einem aktuellen Papier veröffentlicht. „40.000 Beschäftigte der Life-Science-Research- und Diagnostika-Industrie in Deutschland stehen für Innovationskraft, Pioniergeist und Reaktionsschnelligkeit im Dienst der Gesundheitsversorgung“, sagt Ulrich Schmid, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH). Die Produktion für Deutschland wurde seit Februar um 1.800 Prozent hochgefahren. Von den mehr als 100 Mitgliedsunternehmen des VDGH stellen 65 Unternehmen Coronatests und die dazugehörenden Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung. Hierzu zählen multinationale Konzerne ebenso wie kleine und mittelständische Unternehmen. Unterschiedliche Testkategorien und vielfältige Technologieplattformen ermöglichen die Testung in dem jeweiligen medizinischen Setting.

Eine flächendeckende und hochwertige Versorgung durch die ärztlichen Labore, maßgeschneiderte Lösungen durch eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Laboren und Industrie sowie eine Politik, die ein frühes und gezieltes Testen zu ihrer Strategie gemacht hat, sind die weiteren wichtigen Erfolgsfaktoren. Mit der in dieser Woche beschlossenen Ausweitung des Testens auf bestimmte Personengruppen ohne Symptomatik wird das Testaufkommen weiter steigen. „Auch diese Herausforderung können Ärzte und Industrie gemeinsam stemmen“, sagt Schmid

Absenkung der ärztlichen Vergütung falsches Signal

Die erfolgreiche Teststrategie der Politik gerät jedoch in Gefahr. „Die Absenkung der ärztlichen Vergütung für das Testen um ein Drittel ist ein verheerendes Signal für die Bewältigung der Pandemie.“ Dies sagt der VDGH-Vorsitzende zu der Entscheidung des erweiterten Bewertungsausschusses vom vergangenen Mittwoch. Mit den Stimmen der Krankenkassen und des unparteiischen Vorsitzenden hatte der Bewertungsausschuss die erst vor vier Monaten gemeinsam beschlossene Vergütung für die Akutdiagnostik des Coronavirus zur Makulatur erklärt.

„Die drastische Senkung der EBM-Ziffer ist ein Schlag ins Gesicht der Laborärzte und der Diagnostikindustrie“, kritisiert Schmid. „Gemeinsam sind Labore und Industrie in Vorleistung getreten und sichern bei der Testung auf das Coronavirus ein Versorgungsniveau, das weltweit als vorbildlich gilt. Den ‚Dank‘ der Krankenkassen erhalten wir jetzt“, sagt der VDGH-Vorsitzende. Die Diagnostikindustrie hat mit großen finanziellen Investitionen qualitativ hochwertige Tests entwickelt und anwendungsreif gemacht. Produktionen wurden umgewidmet, um den weltweit explodierenden Bedarf zu decken. Die Bundesregierung drängte frühzeitig auf eine autarke Versorgung in Deutschland. Durch die erdrutschartige Vergütungssenkung drohen nun große Schwierigkeiten. Insbesondere den mittelständischen Testherstellern wird das Leben schwer gemacht.

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