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Corona fordert strategische Neuorientierung Covid-19-Lockdowns bremsen M&A-Aktivität in Chemie und Life Sciences aus

Redakteur: Alexander Stark

Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat das Transaktionsvolumen von Fusionen und Übernahmen in den Branchen Chemie und Life Sciences drastisch abgenommen. Das Volumen der in den ersten sechs Monaten angekündigten Deals beträgt einer KPMG-Analyse zufolge nur 74,1 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (343,2 Milliarden Euro) ist dies ein Rückgang um 78 %.

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Der starke Rückgang von M&A-Aktivitäten ist auf Lockdowns in vielen Ländern durch die Covid-19 Pandemie zurückzuführen.
Der starke Rückgang von M&A-Aktivitäten ist auf Lockdowns in vielen Ländern durch die Covid-19 Pandemie zurückzuführen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – In vielen Ländern ist aufgrund des Lockdowns während der Covid-19-Pandemie die M&A-Aktivität stark zurückgegangen. Die stärksten M&A-Aktivitäten sind nach wie vor in den USA und in China zu verzeichnen. Das zeigt eine KPMG-Analyse, die auf Zahlen von Thomson Reuters beruht.

Wie Christian Klingbeil, Sector Head Deal Advisory Life Science bei KPMG in Deutschland erklärt, begründen die Covid-Auswirkungen im aktuellen Umfeld weiterhin hohe Unsicherheiten in den Markterwartungen, so dass Kaufpreiskalküle großen Risiken ausgesetzt sind und der Transaktionsmarkt weiterhin in einer abwartenden Haltung verharrt. Es habe sowohl in der Chemie- als auch in der Life Science-Branche im zweiten Quartal 2020 keine einzige Transaktion mit einem Volumen von mehr als 8,8 Milliarden Euro gegeben.

Digitales Netzwerk statt Präsenzveranstaltung

Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus werden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Digitalen Plattformen, die diese Entwicklung kompensieren können, kann die Zukunft gehören. „Industrial Generation Network“ ist so eine Lösung für Professionals in der Industrie. Die Plattform ermöglicht eine umfassende Vernetzung sowie Produktpräsentation und thematischer Austausch mithilfe von Tools wie Terminvereinbarung und Videokonferenzen. Damit ersetzt die Plattform die aktuell stark eingeschränkte Face-to-Face-Kommunikation vor allem auf Messen.

Wie kann die Plattform mir helfen?

Chemie: Von Rohöl zu chemischen Stoffen

Der Chemiesektor kommt im ersten Halbjahr 2019 auf 423 angekündigte Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 17,6 Milliarden Euro – was einen Rückgang von 82 % im Vergleich zum Vorjahr (97 Milliarden Euro) widerspiegelt.

Wie bereits im vergangenen Jahr ist auch in diesen unsicheren Zeiten die Portfoliooptimierung und Spezialisierung ein Treiber der M&A-Aktivitäten im Chemiesektor. Mit einem Volumen von 4,4 Milliarden Euro stellt dabei der Verkauf von BPs Petrochemiegeschäft an die Ineos Group Holdings die größte Transaktion in der Branche dar. BP hat das für ursprünglich Mitte 2021 angedachte Ziel von Devestitionen in Höhe von 13,2 Milliarden Euro bereits ein Jahr früher erreicht.

Im Juni gab Saudi Aramco den Abschluss des 70 %igen Erwerbs an Sabic bekannt. Durch diese Transaktion beabsichtigt Aramco, seine nachgelagerte Strategie durch den Ausbau seiner integrierten Raffinerie- und Petrochemie Kapazitäten zu beschleunigen, um von der erwarteten wachsenden Nachfrage nach petrochemischen Produkten zu profitieren. Christian Klingbeil: „Die Transaktion steht im Einklang mit dem Markttrend zur Umstellung auf die COTC-Technologie (Crude-Oil-to-Chemicals), die erstmals 2014 von Exxon Mobile in Singapur praktiziert wurde.“

Life Sciences: Covid-19 Impfstoff im Fokus

Das angekündigte Transaktionsvolumen der Life Sciences-Branche fiel im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 77 % auf rund 56 Milliarden Euro. Dabei lag die Zahl der angekündigten Deals mit 1274 leicht unter der des Vorjahres (1451 Deals).

Durch die Entwicklung eines potenziellen Impfstoffs kommt dem Life Sciences-Sektor eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Covid-19 zu. Getrieben durch die Unsicherheiten und Risiken des Marktes legen die M&A-Aktivitäten eine Auszeit ein.

Bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt sich die deutsche Bundesregierung mit 300 Millionen Euro an dem biopharmazeutischen Unternehmen Curevac, das auf mRNA-Technologie zur Behandlung von Krankheiten und zur Herstellung von Impfstoffen spezialisiert ist. Die Investition der Bundesregierung, welche durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umgesetzt wird, ist der erste Schritt des Corona-Konjunktur- und Zukunftspaketes der Bundesregierung vom 3. Juni 2020.

Corona-Krise aktuell Impfstoffentwicklung, Schnelltests und verschobene Fachmessen – hier finden Sie die neusten Meldungen zum Thema Coronavirus aus der LABORPRAXIS-Redaktion.

Nach Angaben des Verbands forschende Pharmaunternehmen gibt es derzeit mehr als 120 Impfstoffprojekte. Die Suche nach einem Impfstoff basiert dabei laut Klingbeil nicht nur auf einem verstärkten Innovationsstreben, sondern folge auch dem klaren Ziel, zukünftiges Wachstum sowohl bei Covid-relevanten Impfstoffen als auch bei Arzneimitteln zur Behandlung assoziierter Krankheitsbilder zu realisieren. Es sei somit davon auszugehen, dass forschende Pharmaunternehmen eine Aktualisierung ihrer Portfolioprioritäten anstreben werden, was auch ihre Bestrebungen bezüglich strategischer Allianzen und ihre Akquisitionsbereitschaft beeinflussen werde.

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