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Mögliche neue Adipositas-Therapien

Energiefresser braunes Körperfett: Wir besitzen mehr als angenommen

| Autor/ Redakteur: Sabine Letz* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Braunes Fettgewebe ist für die Wärmeentwicklung im Körper verantwortlich und verbraucht dazu große Mengen an Energie. Dieser hohe Energieumsatz kann auch zur Gewichtsreduzierung eingesetzt werden. Gute Nachricht für Übergewichtige: Laut einer Studie von Wissenschaftler der Technischen Universität München besitzen wir mehr braunes Körperfett als angenommen.

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Im Steuerungsraum des MRT der Nuklearmedizinischen Abteilung des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universitaet Muenchen (TUM); im Bild v.l.: Dr. Carlos Gerngross, Facharzt fuer Nuklearmedizin, Assistenzarzt an der Radiologie, Klinikum Rechts der Isar, Technische Universitaet Muenchen (TUM); Dr. Tobias Fromme, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl fuer Molekulare Ernaehrungsmedizin (Prof. Klingenspor), Technische Universitaet Muenchen.
Im Steuerungsraum des MRT der Nuklearmedizinischen Abteilung des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universitaet Muenchen (TUM); im Bild v.l.: Dr. Carlos Gerngross, Facharzt fuer Nuklearmedizin, Assistenzarzt an der Radiologie, Klinikum Rechts der Isar, Technische Universitaet Muenchen (TUM); Dr. Tobias Fromme, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl fuer Molekulare Ernaehrungsmedizin (Prof. Klingenspor), Technische Universitaet Muenchen.
(Bild: Astrid Eckert / TU Muenchen)

München – Braunes Körperfett ist im Vergleich mit weißem Fett ein Energiefresser. Nur schien der braune Fettanteil im Menschen bislang zu geringfügig zu sein. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) belegt nun mit einer Studie: Die Masse braunen Fettes im Menschen ist dreimal grösser als bisher bekannt war. Von neuen Adipositas- und Diabetes-Medikamenten, die das braune Fettgewebe aktivieren, ist deshalb eine stärkere Wirkung zu erwarten.

PET-Scans machen Stoffwechselprozesse sichtbar

Für die Studie sind knapp 3000 PET-Scans von 1644 Patienten ausgewertet worden. PET steht als Abkürzung für eine Positronen-Emissions-Tomographie, welche in der Krebsmedizin eingesetzt wird. Mit ihrer Hilfe werden Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar. Da ein Tumor häufig einen anderen Energiestoffwechsel als gesundes Gewebe aufweist, können über solche PET-Scans Metastasen festgestellt werden.

„Als Nebenprodukt dieser PET-Scans wird für uns aktives braunes Fettgewebe sichtbar“, erklärt Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München – „das braune Fettgewebe nimmt viel Zucker auf und diese Aktivität können wir über die Scans nachvollziehen.“ Es wäre beispielsweise vorstellbar, dass bei Diabetikern mithilfe der hohen Aktivität des braunen Fettes über ein Medikament der überschüssige Zuckeranteil im Blut reduziert wird.

Ebenso wäre denkbar bei Patienten mit Adipositas die hohe Energieverbrennung durch das braune Fett zu nutzen, um überschüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen – zumindest teilweise. „Jedenfalls ist die Prognose für die Wirkung von Medikamenten im braunen Fettgewebe nach oben korrigierbar“, sagt der Wissenschaftler.

Manche aktivieren braunes Körperfett stärker als andere

Dass manche Personengruppen es stärker als andere vermögen, ihr braunes Fett zu aktivieren oder gar insgesamt mehr davon besitzen, dies kam durch die Analyse der PET-Scans ebenfalls zutage. Frauen haben häufiger aktiveres braunes Fett als Männer, war zudem das Ergebnis verschiedener Vorläuferstudien. Ebenso haben schlanke und jüngere Menschen mehr Anteile von braunem Fett. Bei Beleibteren wiederum reagiert das braune Fett nicht so aktiv und bei älteren Personen auch nicht. „Jedoch bei etwa fünf Prozent der Patientinnen und Patienten kommt aktives braunes Fett weitaus häufiger vor als bei der allgemeinen Bevölkerung“, sagt Fromme – „bei ihnen zeigten 50 Prozent der Scans diese aktiven Fettgewebeanteile.“

Dossier Übergewicht & Ernährung In unserem Dossier „Übergewicht & Ernährung“ haben wir für Sie weitere Forschungsvorhaben und -erkenntnisse zum Thema Übergewicht zusammengefasst u.a., warum Diabetes und Übergewicht scheinbar erblich sein können.

Für den Wissenschaftler steckt darin eine mögliche Erklärung für das Phänomen, warum die Einen bei einem zusätzlichen Stück Torte schon zunehmen, während anderen die süße Schlemmerei nichts anhaben kann: Unterschiedliche Körpergewichte bei gleicher Ernährung. „Schlussendlich muss bei Medikamenten, die das aktive braune Fettgewebe nutzen, darauf geachtet werden, dass manche Personengruppen von einer zusätzlichen Aktivierung des braunen Fetts stärker profitieren werden als andere“, erklärt der Studienautor. „Welche Ursache einen Menschen dazu bringt, besonders aktives braunes Fett zu besitzen, wissen wir noch nicht.“

These: Signalstoffe wirken auf braunes Fett und Nierenfunktionen

Ein neu entdeckter Faktor könnte sich als Schlüssel zu diesem Rätsel erweisen: Wie die Wissenschaftler erstmals zeigen konnten, wird die Braunfett-Aktivität durch eine Größe namens Kreatinin-Clearance beeinflusst, die mit der Nierenfunktion in Zusammenhang steht. „Es sind weitere Grundlagenstudien notwendig“, sagt Fromme – „aber eine These ist, dass es Signalstoffe geben könnte, die sowohl auf das braune Fett als auch die Nieren wirken.“

Originalpublikation: Carlos Gerngroß, Johanna Schretter, Martin Klingenspor, Markus Schwaiger and Tobias Fromme: Active brown fat during 18FDG-PET/CT imaging defines a patient group with characteristic traits and an increased probability of brown fat redirection, Journal of Nuclear Medicine 01/2017: DOI: 10.2967/jnumed.116.183988

* S. Letz, Technische Universität München, 85354 Freising

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