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Antike Schrift restauriert Geheimnis des Basler Papyrus gelüftet

| Redakteur: Christian Lüttmann

Über 400 Jahre verbarg ein Schriftstück in der Basler Papyrussammlung seinen Inhalt hinter einem Mysterium. Was wie doppelseitig aufgebrachte Spiegelschrift schien, stellte sich erst dank moderner Analysemethoden als zusammengeklebte Schichten einzelner Schriftstücke heraus. Diese hat nun ein Restaurator erfolgreich voneinander getrennt und so erstmals die antiken Texte lesbar gemacht – darunter einer, der wahrscheinlich aus der Feder des berühmten römischen Arztes Galen stammt.

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Der Basler Papyrus mit einem Text, der wahrscheinlich vom römischen Arzt Galen stammt.
Der Basler Papyrus mit einem Text, der wahrscheinlich vom römischen Arzt Galen stammt.
(Bild: Universität Basel)

Basel/Schweiz – Seit dem 16. Jahrhundert befindet sich ein mysteriöser Papyrus in der Universitätsbibliothek Basel. Auf beiden Seiten in Spiegelschrift beschrieben, hat er Generationen von Forschern ein Rätsel aufgegeben. Erst durch die vom Basler Digital Humanities Lab angefertigten Ultraviolett- und Infrarot-Aufnahmen konnte jetzt festgestellt werden, dass es sich bei diesem 2000 Jahre alten Dokument gar nicht um einen einzigen Papyrus handelt, sondern um mehrere ineinander verklebte Papyrusschichten. Für die Trennung der Lagen wurde ein spezialisierter Papyrusrestaurator nach Basel geholt, der das geheimnisvolle Schriftstück restaurierte und endlich den Inhalt lesbar machte.

Niederschrift eines berühmten römischen Arztes?

„Das ist eine sensationelle Entdeckung“, sagt Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel. „Bei der Mehrheit aller Papyri handelt es sich um dokumentarische Schriftstücke, wie Briefe, Verträge und Quittungen. Hier handelt es sich allerdings um einen literarischen Text und die sind ungleich wertvoller“.

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Hinzu kommt, dass er auch einen bislang unbekannten Text der Antike überliefert. „Wir können jetzt sagen, dass es sich um eine medizinische Schrift aus der Spätantike handelt, die das Phänomen des ‚hysterischen Atemstillstands‘ beschreibt“, berichtet Huebner. „Und wir gehen davon aus, dass es sich entweder um einen Text des römischen Arztes Galen handelt oder aber um einen unbekannten Kommentar zu dessen Werk“. Galen gilt nach Hippokrates als der bedeutendste Arzt des Altertums.

Der entscheidende Hinweis für die Zuordnung des Textes kam aus Italien. Ein Experte sah Parallelen zu den berühmten „Ravenna Papyri“ aus der Kanzlei der Erzdiözese Ravenna. Unter diesen fanden sich viele antike Handschriften des Galen, die später wiederverwendet und überschrieben wurden. Ein ähnliches mittelalterliches Recycling könnte auch dem Basler Papyrus widerfahren sein, der aus mehreren zusammengeleimten Lagen bestand und vermutlich als Bucheinband genutzt wurde. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde dieser dann aus dem Archiv entwendet und von Kunstsammlern als „Kuriosität“ gehandelt.

Mosaiksteine zusammensetzen

Die Entdeckung ist Huebner im Zuge eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Editionsprojektes gelungen. Seit drei Jahren erforscht sie zusammen mit einem interdisziplinären Team und in Zusammenarbeit mit dem Digital Humanities Lab der Universität Basel die Papyrussammlung, die unterdessen digitalisiert, transkribiert, kommentiert und übersetzt wurde. In einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel hatte das Projektteam im vergangen Jahr bereits die Geschichte der Papyrussammlung vorgestellt. Die Veröffentlichung sämtlicher Ergebnisse ist für Anfang 2019 geplant.

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Die Basler Papyrussammlung

Im Jahr 1900 war die Universität Basel eine der ersten deutschsprachigen Universitäten und die erste der Deutschschweiz, die sich eine Papyrussammlung zulegte. Zu dieser Zeit boomte die Papyrologie gerade – man hoffte, mehr über die Entwicklung des frühen Christentums zu erfahren und verloren geglaubte Werke antiker Autoren wiederzuentdecken. Für den Ankauf der Papyri stellt der Freiwillige Museumsverein der Stadt Basel damals 500 Franken zu Verfügung, ein Betrag, der heute etwa 5000 Franken entspricht. Der Wert für eine solche Papyrussammlung liegt heute aber eher in den Hunderttausenden.

Die Basler Sammlung umfasst 65 Schriftstücke in fünf Sprachen aus ptolemäischer, römischer sowie spätantiker Zeit. Die meisten Schriftstücke in der Sammlung sind dokumentarische Papyri, die vor allem in sozial-, kultur- und religionsgeschichtlicher Hinsicht interessant sind, da sie den Alltag der „einfachen“ Leute vor 2000 Jahren dokumentieren. Der Großteil der Basler Papyri wurde noch nicht veröffentlicht und blieb von der Forschung bislang weitgehend unbeachtet.

Mit dem Abschluss des Editionsprojekts geht die Forschung zu den Basler Papyri in eine neue Runde. Insbesondere von der Bereitstellung der digitalisierten Sammlung auf internationalen Datenbanken erhofft sich Huebner einen weiteren Schub für die Papyrusforschung. Da Papyri vielfach nur in Bruchstücken oder Fragmenten überliefert sind, sei der Austausch mit anderen Papyrussammlungen zentral. „Die Papyri gehören alle zu einem größeren Kontext. Es ist in der Tat so, dass Personen, die in einem Basler Papyrustext erwähnt werden, nochmal in anderen Papyri auftauchen, die sich beispielsweise in Straßburg, London, Berlin und anderen Orten befinden. Es sind die digitalen Möglichkeiten, die uns erlauben, diese Mosaiksteine wieder zu einem Gesamtbild zusammenzufügen“.

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