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Akademiker – was tun? Jobsuche als Wissenschaftler – jede Menge Illusionen

Autor / Redakteur: Christian Scherling* / Dr. Ilka Ottleben

Seit 15 bis 20 Jahren boomt die Naturwissenschaft in den Fachbereichen der Life Science in Deutschland. Entsprechend hoch ist die Anzahl der Studierenden entsprechender Studienfächer. Doch wie geht es für die Naturwissenschaftler weiter, wenn das Studium beendet ist und die Jobsuche ansteht?

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Abb. 1: Karrieren mir Frustpotenzial – Naturwissenschaftliches Studium, Doktorarbeit und dann?
Abb. 1: Karrieren mir Frustpotenzial – Naturwissenschaftliches Studium, Doktorarbeit und dann?
(Bild: www.komafoto.de)

Forschungsförderung an den Universitäten und Instituten haben zu erstaunlichen Wissenschaftsclustern in jeder deutschen Großstadt geführt. Dementsprechend sind Fächer wie Biologie, Biotechnologie, Biomedizin, Biochemie, Molekularbiologie, Biophysik, Bioinformatik, Humanbiologie, Geoökologie, Ernährungswissenschaften, etc. stark von den Studierenden frequentiert. Was diese Fachwahl aber für die eigene Karriere der angehenden Akademiker bedeutet, das ist leider den wenigsten bewusst. Zudem erfolgt an keiner Stelle im System eine adäquate Aufklärung über Möglichkeiten und Perspektiven als Absolvent.

Gängige Praxis ist es, die jungen Leute mittels einer Doktorandenstelle weitere Jahre an eine Forschungseinrichtung zu binden. Dass das daraus resultierende intensive Abhängigkeitsverhältnis nur zu Niedriglohnbedingungen existieren kann, muss an dieser Stelle eigentlich nicht einmal mehr erwähnt werden. Doch damit nicht genug: Hier herrscht dann der ambitionierte Gruppenleiter – wahlweise auch die Gruppenleiterin – ohne jegliche Managementkenntnisse oftmals despotisch über sein Team und versucht, seine Primärziele zu verwirklichen. Muss er auch, denn er steht unter enormen Erfolgsdruck, will er längerfristig als Wissenschaftler in Anstellung bleiben oder eine Professur ergattern. Nur dies ermöglicht ihm nämlich eine Entfristung seines Arbeitsverhältnisses. Hieran lässt sich schon erkennen, welch aussichtslose Perspektive sich jungen Doktoranden in der deutschen Forschungslandschaft bietet: nur die der Entfristung als Akademiker, was i.d.R. allerdings ausnahmslos Professoren vorbehalten bleibt.

Naturwissenschaftliches Studium, Doktorarbeit, Postdoc ... und dann?

Ich schildere hier eine Situation, wie ich Sie mehrfach selbst erlebt und von vielen Kollegen geschildert bekommen habe. Auch ich entstamme diesem System – war ich doch einst jung, hoch motiviert und voller Ideale. Spätestens nach einem Jahr Doktorarbeit verpuffen jedoch jegliche Illusionen und am Ende ist man froh, überhaupt abschließen zu können. Oftmals zwingt einen die Leitung sogar in die Arbeitslosigkeit, um das „Projekt“ kostenlos verlängern zu können. Und dann? Wenn man halbwegs erfolgreich mit Entscheidungsträgern zu Tisch gesessen und diesen ausdauernd geschmeichelt hat, erlangt man eventuell eine heißbegehrte Postdoc-Stelle, die natürlich zeitlich befristet ist.

Meine Arbeitszeitverträge an öffentlichen Einrichtungen begrenzten sich immer auf maximal Einjahresverträge. Ich hatte Glück, konnte mir aufgrund meiner sehr gefragten Methodiken zweimal eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Uni ergattern. Dennoch taten sich auch jetzt nicht die erhofften beruflichen Perspektiven auf. In München, von der festen Hausstelle kollegial weg gemobbt, offenbarte sich mir das System mit Mitte 30. Zurück blieb ich – desillusioniert und ohne Antworten für meinen beruflichen Lebensweg. Gleichzeitig erkannte ich jedoch, dass es so nicht weitergehen kann! Ich ließ meinen Vertrag auslaufen und verabschiedete mich auf dem Weg in die freie Wirtschaft – in der Hoffnung, anhand meiner persönlichen Qualifikationen hier nun bessere Chancen zu haben.

Ihre individuellen Perspektiven können Sie im nächsten Teil dieser Reihe zum Berufseinstieg selbst einschätzen. Er erscheint in der LABORPRAXIS 4/2016.

* Dr. C. Scherling: Christian Scherling Laborberatung, 14197 Berlin, christian.scherling@googlemail.com

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