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Die Daten vereinfachen das Hochrechnen der Werte für die kommenden Jahre, können es jedoch nicht ersetzen. Dass Schätzungen und nicht Punktwerte erbeten werden, ist der Zukunft geschuldet. Die Bewertung von LIMS-Projekten umfasst einen Zeitraum von mindestens drei Jahren, sodass die Daten für diese drei Jahre im voraus lediglich Prognosen sein können. Diese vermeintliche Schwäche kann jedoch statistisch aufgewogen werden. Während Punktschätzungen fast unweigerlich falsch sind, sind Intervallabschätzungen immer ungefähr richtig. Deswegen werden die Daten im Finanzmodell in einen minimalen, einen wahrscheinlichsten und einen maximalen Wert aufgesplittet. Das Ergebnis des Finanzmodells ist der Profit des Projekts über drei Jahre, dessen wahrscheinlichstes Ergebnis zur Grundlage für die Berechnung der wichtigsten Finanzkennzahlen genutzt wird. Der wahrscheinlichste Wert des Profits liegt im vorliegenden Beispiel bei 14 377 890 Euro. Die Amortisationsdauer ist 1,05 Jahre und der Net Present Value (NPV) liegt bei einer Diskontierungsrate von 14 Prozent bei 10 400 373 Euro.
Die Risiko- und Sensitivitätsanalyse sichert die Ergebnisse ab
Aufgrund der Dreigliederung der Werte, stellt sich ganz automatisch die Frage, wie wahrscheinlich der errechnete wahrscheinlichste Wert ist. Diese Frage wird mithilfe von Simulationssoftware beantwortet. Eine Monte-Carlo-Simulation wählt in 100 000 Versuchen je einen der diversen Werte aus, wodurch das Endergebnis statistisch valide ist. Es kann nun gezeigt werden, dass die Profitsteigerung mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 13 158 075 Euro und 15 556 516 Euro liegen wird (s. Abb. 2).
Nun fehlt noch die Identifizierung der wichtigsten Risikofaktoren. Die Simulationssoftware lässt dazu die definierten Annahmen nicht mehr interagieren, sondern berechnet den Einfluss, den jeder Faktor für sich genommen haben kann. Dadurch werden die Risikofaktoren nach ihrem finanziellen Einfluss auf das Endergebnis priorisiert. Das Tornadodiagramm zeigt, dass die Anzahl der Releases pro Jahr bei der LIMS-Einführung der entscheidendste Faktor für das Endergebnis ist (s. Abb. 3). Die Mittelachse des Tornadodiagramms zeigt den wahrscheinlichsten Wert von 14 377 890 Euro an, die Balken die positiven und negativen Abweichungen von diesem Wert. Die Anzahl der Releases pro Jahr lässt das Ergebnis zwischen 13 449 845 und 15 395 945 Euro schwanken. Der Dokumentationsaufwand, beschrieben in prozentualen Vollzeiteinheiten, ist der zweitgrößte Risikofaktor. Mit einer Reduktion des Dokumentationsaufwandes durch die LIMS-Einführung auf 14 Prozent würde sich der Profit um 766 377 Euro auf 15 143 767 Euro erhöhen. Würde jedoch lediglich eine Reduktion von 22 Prozent erreicht, würde sich der Profit um 282 173 Euro auf 14 095 217 Euro verringern.
Die vier weiteren wichtigsten Risikofaktoren des Projekts sind der Anteil analytischer Arbeit nach der LIMS-Einführung, der Dokumentationsaufwand beim Altsystem, die Kosten pro Vollzeiteinheit bei der LIMS-Einführung und der Kontrollaufwand beim Altsystem. Nach dieser Risiko- und Sensitivitätsanalyse liegen den Entscheidern statistisch valide Aussagen zu den für sie wichtigsten Entscheidungskriterien vor.
Indem die Business-Case-Analyse in enger Verbindung mit Mitarbeitern des Unternehmens und mit spezifischem Bezug auf die laborinternen Prozesse erstellt wurde, hat sie nicht nur rein betriebswirtschaftlichen Wert. Es liegen dem Unternehmen damit weitere laborspezifische und steuerungsrelevante Daten vor.
*J. Ritter, Solution Matrix, 60316 Frankfurt a.M.
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