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Ohne Umwege zur Diagnose Laborautomation gegen resistente Krankenhauskeime

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Multiresistente Krankenhauskeime bedrohen das Leben vieler Patienten. Eine schnelle Diagnose erhöht den Handlungsspielraum. Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde eine vollautomatisierte Laborstraße für Patienten-Screening und mikrobiologische Diagnostik in Betrieb genommen, deren Vorteile Prof. Dr. Klaus Heeg im LP-Interview erläuterte. Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus

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Prof. Dr. Klaus Heeg
Prof. Dr. Klaus Heeg
(Bild: Universitätsklinikum Heidelberg)

LP: Keime stellen in Krankenhäusern eine extreme Bedrohung für die Patienten dar. Woher kommen sie und wie lässt sich ihre Verbreitung effizient verhindern?

Prof. Klaus Heeg: Zunächst bringt ein Patient Keime bereits selbst mit. Jeder Patient ist mit Keimen besiedelt. Bakterien im Allgemeinen stellen in Krankenhäusern eine große Gefahr dar, da aufgrund der Krankenhausbehandlung oft eine Immunsuppression vorliegt, die eine Infektion erleichtert. Einige der Keime bringt der Patient selbst mit, jedoch können Bakterien auch im Krankenhaus erworben werden. Besonders kritisch ist die Situation, wenn Keime bereits eine ausgiebige Resistenz gegenüber Antibiotika aufweisen. Diese Bakterien sind dann insoweit gefährlich, als dass Behandlungsoptionen eingeschränkt werden und oftmals ein falsches, nicht wirksames Antibiotikum bei Infektionen eingesetzt wird. Besonders wichtig sind die multiresistenten Keime, die heute bereits ein Teil der Patienten mit sich trägt. Besonders Patienten, die einen lang dauernden Krankenhausaufenthalt hinter sich haben, die lange Zeit mit Antibiotika behandelt wurden, die in bestimmten Pflegeheimen wohnen oder die aus dem Ausland kommen, sind sehr oft mit multiresistenten Keimen besiedelt. Auch Personen, die eine Reise ins Ausland gemacht haben (Asien, Arabien, Südeuropa), sind oft Träger multiresistenter Keime. Um die Verbreitung dieser Keime zu verhindern, ist es wichtig zu wissen, ob ein Patient damit besiedelt ist. Dann können Isolations- und Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden. Dabei spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle. Es ist daher wichtig, dass frühzeitig und schnell eine Diagnose gestellt wird.

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LP: Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde eine vollautomatisierte Laborstraße für Patienten-Screening und mikrobiologische Diagnostik in Betrieb genommen. Welche Untersuchungen können hier automatisiert vorgenommen werden? Wie schnell erhält man die gewünschten Ergebnisse?

Heeg: Mithilfe unserer vollautomatischen Laborstraße werden zurzeit alle unsere Suchuntersuchungen für resistente Keime (Screeninguntersuchung) sowie Urinuntersuchungen und einfache Wundabstriche analysiert. Die Vollautomatisierung führt dazu, dass wir quasi laufend die eingesandten Materialien verarbeiten und nach genau definierten Zeitpunkten dann das Keimwachstum analysieren. Insgesamt führt die Automation zu einer schnelleren und qualitativ besseren Diagnostik. Wir wissen nach 24 Stunden, ob jemand mit einem multiresistenten Keim besiedelt ist. Dann können sehr schnell die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden.

LP: Welche Vorteile bietet die Diagnostik direkt auf dem Medizin-Campus?

Heeg: Eine Diagnostik direkt am Campus bietet entscheidende Zeitvorteile. In Heidelberg ist am Campus Neuenheimer Feld eine Rohrpostanlage installiert, die die Materialien sehr schnell und laufend in das mikrobiologische Labor bringt. Damit ist im Bereich des Probentransportes ein Zeitverlust möglichst gering gehalten. Für die gesamte Analysendauer ist es natürlich wichtig, dass die Transport- und Reportzeiten außerhalb der eigentlichen bakteriologischen Diagnostik ebenfalls sehr kurz gehalten werden. Dies erreicht man durch EDV-gestützte Untersuchungsanforderungen (Order-Entry) und durch direkte Befundmitteilung in die Klinikinformationssysteme. Wir haben dies hier umgesetzt und können damit eine sehr schnelle Verarbeitung und Befundmitteilung gewährleisten.

LP: Welche weiteren Studien und Fragestellungen sollen mithilfe des neuen Systems durchgeführt werden?

Heeg: Wir werden mit der Anlage natürlich analysieren, inwieweit eine schnelle bakterielle Diagnostik die Weitergabe von Keimen und die Isolationsraten im Klinikum beeinflusst. Wir gehen davon aus, dass wir hiermit auch Infektionen und Falsch-Antibiotikatherapien besser verhindern können. Wir werden mit der neuen Anlage und der damit erstmals möglichen Bilddokumentation auch neue Informationen zur Quantifizierung der Besiedlung bei Patienten erhalten. Diese Daten werden sehr wichtig werden, um eine Korrelation zu späteren Infektionsrisiken aufzustellen. Damit werden wir unsere Präventionsmaßnahmen weiter optimieren.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Prof. Heeg.

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