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Interview: Konzeptionelles Labordesign Labore mit – und ohne Räder

| Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur  Marc Platthaus / Dr. Ilka Ottleben

Besondere Anforderungen und knapper werdende Ressourcen erfordern auch in der Laborplanung neue Konzepte. Was man dabei von der Planung mobiler Labore lernen kann, erläutert Fraunhofer-Experte Daniel Schmitt im LP-Interview.

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„Echte Optimierung bei der Laboreinrichtung ist – insbesondere bei mobilen Lösungen – nur in drei Dimensionen möglich.“ Daniel Schmitt, Gruppenleiter, Fraunhofer-Institut für Bio­medizinische Technik IBMT
„Echte Optimierung bei der Laboreinrichtung ist – insbesondere bei mobilen Lösungen – nur in drei Dimensionen möglich.“ Daniel Schmitt, Gruppenleiter, Fraunhofer-Institut für Bio­medizinische Technik IBMT
(Bild: Fraunhofer IBMT, Labor der Zukunft)

LABORPRAXIS: Herr Schmitt, was sind die Kernkompetenzen des Vereins „Labor der Zukunft“?

Daniel Schmitt: Der Verein „Labor der Zukunft“ ist aus einer Technologieinitiative im Saarland entstanden. Hier wurden unter Führung des Fraunhofer IBMT in
St. Ingbert und gefördert von der saarländischen Landesregierung zusammen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen im Laborbereich gesucht und gefunden. Wir haben hier sehr bewusst interdisziplinär und damit branchenübergreifend gedacht und gearbeitet. Automatisierung und Mobilität waren Bereiche, in denen wir hohes Innovationspotenzial gesehen haben, die man aber nur mittelbar mit der Laborbranche verbindet. Aber auch weiche Themen wie Zulassung und Zertifizierung sowie die sichere Verschickung von Proben haben sich als essenziell für die Weiterentwicklung der Branche herausgestellt. Daraus entwickelten sich dann die Kernkompetenzen des Vereins, die wir momentan in internen Arbeitskreisen vorantreiben: Zertifizierung, Probenlogistik, Automatisierung und Mobile Labore.

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LABORPRAXIS: Die Einrichtung von Laboren bedarf einer sinnvollen Planung, um eine optimale Raumnutzung zu gewährleisten. Wie gehen Sie hier am Beispiel von mobilen Laboren vor? Inwieweit lassen sich Ihre Untersuchungen auf stationäre Labore übertragen?

Schmitt: Unser Ansatz ist es, Labore von innen nach außen zu planen. Wir beginnen immer mit den Anforderungen des Kunden, analysieren seine Arbeitsabläufe und versuchen dann, diese möglichst optimal in eine Vorplanung umzusetzen. Wir haben dabei natürlich die Einschränkungen und Randbedingungen im Hinterkopf, die insbesondere bei mobilen Lösungen hinsichtlich Gewicht, Abmessungen und Energiebedarf sehr stark einengen aber auch die Kreativität fördern und manchmal Lösungen stimulieren, die sich sehr gut auch auf stationäre Labore übertragen lassen. Ressourcenoptimierte Konzepte sind in Zeiten der Energiewende immer willkommen und optimierte Arbeitsabläufe erhöhen bei den im Labor tätigen Mitarbeitern Sicherheit und Akzeptanz.

LABORPRAXIS: Was verstehen Sie im Kontext der Laborplanung unter „konzeptionellem Design“?

Schmitt: Mit unserem modularen Ansatz haben wir Konzepte gefunden, wie wir platzsparende Lösungen ohne Einschränkungen bei Ergonomie und Effizienz der Prozesse umsetzen können. Dies ermöglicht es uns, flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren und rasch Realisierungen vorzuschlagen. Wir können auf Basis dieser Vorarbeiten sehr schnell den Schritt von der Papierskizze in die 3D-Konstruktion machen. Und das ist auch notwendig, denn echte Optimierung bei der Laboreinrichtung ist – insbesondere bei mobilen Lösungen – nur in drei Dimensionen möglich.

LABORPRAXIS: Sie erarbeiten kundenspezifische Anwendungen, abgestimmt auf den jeweiligen Workflow. Bitte erläutern Sie Ihre Planung anhand von einigen Beispielen.

Schmitt: Unser erstes Fahrzeug, das wir dann gemeinsam mit unseren Partnern bei Bischoff+Scheck gebaut haben, war ein Sattelauflieger mit einem Labor für die Infektionsmedizin. Letztendlich wurde es für die Diagnostik von HIV und Tuberkulose in Südafrika eingesetzt. Entsprechend der Anforderungen für die biologische Sicherheit, haben wir damals das erste zivile Labor der Sicherheitsstufe 3 auf Rädern entwickelt. Das war möglich, weil der Innenraum konsequent und nahezu komplett als stabile und dichte Laborzelle aufgebaut werden konnte und nur ein kleiner Behandlungsraum notwendig war. Ganz anders sind die Anforderungen für unsere mobile epidemiologische Einheit, mit der das Fraunhofer IBMT seit 2013 für die Umweltprobenbank des Bundes unterwegs ist. Hier sind im Einsatz zwölf Mitarbeiter beschäftigt, die von der Anamnese über die Erfassung des Zahnstatus, die Blutentnahme und letztendlich die Voranalytik ein umfangreiches medizinisches und labortechnisches Programm absolvieren müssen. Da hat dann der Platz, den ein normaler Sattelauflieger mit seinen etwa 30 Quadratmetern Innenfläche bietet, nicht mehr ausgereicht. Über geschickt angebrachte Karosserieausschübe wurde ein Konzept entwickelt, die Grundfläche auf fast das Doppelte zu vergrößern. Aus dem Bereich von Promotionsfahrzeugen ist das bekannt, wir waren aber erneut die Ersten, die ein Labor für potenziell infektiöse Proben integrieren konnten und dafür auch eine Zulassung erhielten. Und gerade haben wir zusammen mit unserem Kunden auf der Achema in Frankfurt ein neues Fahrzeug für die mobile Diagnostik von Transformatorölen vorgestellt. Hier gelang uns der Spagat, auf der einen Seite ein Fahrzeug in der Klasse unter 7,49 Tonnen zu realisieren, auf der anderen Seite den kompletten Laboraufbau als separate, jederzeit vom Fahrzeug zu trennende Einheit aufzubauen.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Schmitt.

(ID:43532350)