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Corona-Krise Licht und Schatten: Ist die Chemieindustrie aus dem Gröbsten heraus?

Redakteur: Alexander Stark

Der Branchenverband VCI sieht die ostdeutsche pharmazeutisch-chemische Industrie auf einem guten Weg aus der Corona-Krise. Firmen wollen ihre Produktion ausbauen und erneuern. Sorgen gibt es trotzdem.

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Der Branchenverband VCI sieht die ostdeutsche pharmazeutisch-chemische Industrie auf einem guten Weg aus der Corona-Krise.
Der Branchenverband VCI sieht die ostdeutsche pharmazeutisch-chemische Industrie auf einem guten Weg aus der Corona-Krise.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Berlin/Leuna/Schwarzheide (dpa) – In der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie hat sich die Lage angesichts der Erholung der weltweiten Industrieproduktion merklich verbessert. „Die Unternehmen berichten nach einer coronabedingten Verschnaufpause, dass die Nachfrage, national wie international, spürbar zugenommen hat“, sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände (VCI Nordost/Berlin). Die Unternehmen seien gut ausgelastet. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzplus“, sagte sie. Das Umfeld sei aktuell positiv. 2020 betrug der Umsatz 27 Milliarden Euro, vor der Corona-Pandemie 27,2 Milliarden Euro (2019).

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben in Ostdeutschland mehr als 360 Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie mit rund 54.500 Beschäftigten. Nach bisherigen Angaben erwartet der VCI bundesweit für 2021 trotz angespannter Lieferketten und Engpässen bei Vorprodukten 211 Milliarden Euro. Bisheriger Bestwert sei das Jahr 2018 mit 203 Milliarden Euro gewesen, während im Corona-Jahr 2020 nur knapp 190 Milliarden Euro erlöst wurden.

Die Branche sei in Ostdeutschland sehr heterogen aufgestellt. Die Unternehmen würden durch stark gestiegene Rohstoff- und Energiepreise belastet, so Schmidt-Kesseler. Hinzu kämen ebenfalls Engpässe bei Vorprodukten und Logistikleistungen. Nach Verbandsangaben hat aber insbesondere die Pharmasparte mit der Produktion von Impfstoffen und Desinfektionsmitteln dazu beigetragen, dass die Chemie in Ostdeutschland bisher gut durch die Corona-Krise seit dem Frühjahr 2020 gekommen ist.

Dies zeige sich darin, dass Firmen der Branche nach einer Phase der Zurückhaltung wegen der weltweiten Unsicherheiten nun verstärkt investierten. „An vielen Stellen tut sich was, ob bei Neuinvestitionen, Modernisierungsvorhaben und beim Ausbau der Infrastruktur“, sagte Schmidt-Kesseler. Bei den Neuansiedlungen stechen große Investitionen im Bereich nachhaltige Chemie hervor. „Hier zeigt sich, dass die Ostchemie ein zentraler Motor der Transformation ist“, sagte sie.

Den Angaben zufolge soll in Schwarzheide (Brandenburg) bis 2022/2023 eine Produktion von Kathodenmaterialien für die Batteriezellfertigung und zugleich der Prototyp einer Recyclinganlage für Batterien gebaut werden. Am Chemiestandort Leuna (Sachsen-Anhalt) laufen Bauprojekte für rund 1,3 Milliarden Euro, wie Schmidt-Kesseler sagte. So errichte der finnische Konzern UPM für rund 550 Millionen Euro eine Bioraffinerie.

In der Anlage sollen künftig auf der Basis von Holz als nachwachsendem Rohstoff spezielle Chemikalien für die Kunststoffproduktion hergestellt werden. In der Pharmaindustrie investiere zum Beispiel die Firma IDT Biologika mehr als 100 Millionen Euro in die Produktion und Abfüllung von Impfstoffen.

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