Seit den 1990er Jahren breitet sich die Grünalge Caulerpa cylindracea als invasive Spezies im Mittelmeer aus. Nun ist sie ins Visier von Forschern geraten – und zwar als Essen. Die Wissenschaftler haben das Ernährungspotenzial von fünf Algenarten untersucht und deren Nährwerte miteinander verglichen. Es ist angerichtet.
Hungrig? Wie wäre es mit einder der fünf untersuchten Arten an Makroalgen? Botryocladia pseudodichotoma (A), Caulerpa cylindracea (B), Caulerpa lentillifera (C), Caulerpa racemosa (D), and Codium taylorii (E). Scale bar = 1 cm
(Bild: Brix da Costa, B., Kunzmann, A. & Springer, K.; https://doi.org/10.1007/s44187-025-00603-3)
Forschende des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und der Universität Bremen haben den Nährstoffgehalt von fünf essbaren, teils wenig bekannten Meeresalgen analysiert und ihr Potenzial für eine nachhaltige Ernährung untersucht. Ihre Studie im Fachmagazin Discover Food zeigt, dass die untersuchten Arten reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind und starke antioxidative Eigenschaften sowie hohe Protein- und Mineralstoffgehalte besitzen.
Das Team um Beatrice Brix da Costa, Doktorandin an der Universität Bremen und am ZMT, wählte die folgenden Makroalgenarten für die Untersuchung aus:
die Grünalgen Caulerpa cylindracea, Caulerpa racemosa, Caulerpa lentillifera, Codium taylorii
sowie die Rotalge Botryocladia pseudodichotoma.
Die Forschenden nutzten verschiedene Verfahren, um die Zusammensetzung der Meeresalgen und ihren Gehalt an Feuchtigkeit, Kohlenhydraten, Proteinen, Fettsäuren, Pigmenten zu analysieren sowie Mineralstoffe und antioxidative Eigenschaften zu bestimmen.
Alle untersuchten Arten enthielten hohe Mengen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere die Omega-3-Fettsäuren Alpha-Linolensäure (ALA) in den Grünalgen und Eicosapentaensäure (EPA) in der Rotalge. Die Mineralstoffanalyse ergab, dass Natrium, Kalzium, Magnesium und Kalium die häufigsten Makronährstoffe in allen fünf untersuchten Algenspezies sind – Nährstoffe, die für Knochen, Muskeln und den allgemeinen Stoffwechsel des Menschen wichtig sind. Besonders die vier untersuchten Grünalgen wiesen stark antioxidative Eigenschaften auf. Codium taylorii war zusätzlich reich an Proteinen. Die Rotalge hatte einen hohen Gehalt an Magnesium und Kalium.
„Dank ihrer biochemischen Zusammensetzung eignen sich die untersuchten Makroalgen ideal als nachhaltige, nährstoffreiche Lebensmittel, natürliche Quelle für Antioxidantien oder als Basis für Nahrungsergänzungsmittel“, berichtet Beatrice Brix da Costa, Erstautorin der Studie. „In Südost-Asien und Fidschi sind die Meerestrauben Caulerpa lentillifera und Caulerpa racemosa bereits als Lebensmittel und Delikatessen etabliert.“
Dennoch könne keine einzelne Art alle wichtigen Nährstoffe abdecken, die Ernährungsvielfalt bleibe entscheidend, betont die Forscherin.
Algen als Ergänzung des Speiseplans?
Da in der Studie der Nährstoffgehalt mehrerer zum Teil bisher wenig genutzter Algenarten analysiert wurde, eröffnen die Ergebnisse auch neue Optionen für die Ernährungssicherheit.
„Die Weltbevölkerung wird laut UN-Angaben bis 2030 auf mehr als 8,5 Milliarden Menschen anwachsen, während die Landwirtschaft zugleich durch Landverlust und Klimawandel unter Druck gerät“, sagt Andreas Kunzmann, Leiter der Arbeitsgruppe Experimentelle Aquakultur am ZMT. „Hier kann die nachhaltige Aquakultur mariner Algen oder die Nutzung invasiver Arten eine zusätzliche ressourcenschonende Lebensmittelquelle bieten und Abhängigkeiten von konventioneller Landwirtschaft reduzieren. Diese Thematik untersuchen wir zusammen mit anderen Leibniz-Instituten im Projekt Food 4 Future. So haben wir beispielsweise herausgefunden, wie man den Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen, u.a. Antioxidantien, in Caulerpa lentillifera steigern kann.“
„Die Ergebnisse unserer jetzigen Studie sind eine Momentaufnahme“, betont Karin Springer aus der Arbeitsgruppe Meeresbotanik der Universität Bremen. Die biochemische Zusammensetzung von Algen variiere stark – auch zwischen und innerhalb der Arten – und hänge von unterschiedlichen Faktoren wie Licht, Temperatur oder der Verfügbarkeit von Nährstoffen im Wasser ab. Dies müsse der Forscherin zufolge bei der Aquakultur von Algen berücksichtigt werden.
„Wir haben gezeigt, dass wenig genutzte Algenarten nicht nur ökologisch wertvoll sind, sondern auch mit ihrem Nährwertprofil überzeugen“, fasst Teamleiterin da Costa zusammen. „Mit gezieltem Algenanbau und geeigneten Nutzungskonzepten können neue Wege für nachhaltige Ernährung eröffnet werden – auch bei uns in Europa.“
Über das Projekt Food 4 Future
Vor dem Hintergrund einer steigenden Weltbevölkerung und der Verknappung von Schlüsselressourcen wie fruchtbarem Land, Wasser oder Mineraldünger steht die globale Nahrungssicherung vor großen Herausforderungen. Inwieweit kann die Bewirtschaftung der Meere zur Lösung dieser Probleme beitragen? Im Verbundprojekt Food 4 Future (f4f) arbeitet die ZMT-Arbeitsgruppe Experimentelle Aquakultur an dieser Frage und erforscht die Chancen einer nachhaltigen Aquakultur und die Möglichkeiten, ungewohnte, aber nährstoffreiche Nahrung aus dem Meer zu nutzen – etwa Quallen, Seegurken oder Makroalgen.
In dem Projekt kooperieren mehr als neun Partnerinstitutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert und vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) koordiniert. Das ZMT verantwortet ein Teilprojekt in diesem Konsortium. Mehr Infos: www.food4future.de
Stand: 08.12.2025
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