Erbkrankheiten Mit Viren gegen Erbkrankheiten ankämpfen
Prof. Dr. Anja Ehrhardt ist als Professorin für Virologie an der Universität Witten/Herdecke berufen worden. Ihr Forschungsgebiet sind Viren, die gegen Krebs und die Bluterkrankheit eingesetzt werden können.
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Witten/Herdecke – Viren machen eigentlich krank, sie rufen Infektionen hervor, indem sie in Wirtszellen eindringen und dort in den Stoffwechsel eingreifen. „Aber sie sind für uns Forscher auch ideale Vehikel, um in Zellen ganz bestimmte Reaktionen auszulösen. Ohne sie würden wir da nicht reinkommen“, erklärt Prof. Dr. Anja Ehrhardt ihre Forschungsarbeit.
Eines ihrer Forschungsgebiete ist die Bluterkrankheit. „Dieser seltene Gendefekt wird in der Leber verursacht. In meiner Forschung geht es darum, Viren in Leberzellen einzuschleusen. Dort sollen sie im Idealfall den Defekt beheben. Aber schon der Weg in die Leber ist ein Problem: Wie sollen die Viren wissen, wo sie hin sollen? Wir arbeiten daran, dass die Viren den direkten Weg finden.“ In der Leberzelle angekommen, soll die Erbinformation des Virus mit der Leberzelle fusionieren. Auch da gibt es noch viele Fehlerquellen: „Wo das Virus an die Chromosomen, die Träger der Erbinformation, andockt, ist noch sehr vom Zufall abhängig. Wir schießen da quasi mit der Schrotflinte in den Wald. Meine Forschung wäre – um im Bild zu bleiben – der Bau eines Zielfernrohres. Wir versuchen zu verstehen, wie wir diese Ankopplung besser steuern können.“ Und dann wäre da noch die Virenhülle: Sie ermöglicht dem Virus überhaupt erst, in die Zelle einzudringen. Diese Hülle kann auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen, die es zu vermeiden gilt.
Adenoviren können Krebszellen töten
Ein anderes Spezialgebiet von Anja Ehrhardt ist die Biologie von einer ganz bestimmten Gruppe von Viren, den Adenoviren. Im Menschen können diese Viren zum Beispiel Infektionen des Respirationstraktes oder Durchfallerkrankungen hervorrufen. Seit längerem bekannt ist, dass diese Viren auch in der Lage sind, Krebszellen zu töten. „Das Dumme ist nur, dass sich die Viren nicht schnell genug im Tumor ausbreiten und die Viren zunächst also keine Chance haben. Uns ist es nun gelungen, die Vermehrung der Adenoviren quasi zu tunen. Im Reagenzglas konnten wir schon schöne Erfolge in der Krebszellenbekämpfung erzielen. Jetzt müssen wir das im Tierversuch auch noch hin bekommen“, umreißt sie dieses Thema. Denn im Tierversuch gibt es viel mehr Wechselwirkungen und Störfaktoren, die den biochemischen Ablauf beeinflussen können.
Die neu berufene Professorin der Universität Witten/Herdecke hat in Göttingen und Hamburg Biologie mit den Schwerpunkten Genetik, Mikrobiologie und Biochemie studiert, in Hannover promoviert und war in den USA an der Stanford University bevor sie über das Münchener Max-von-Pettenkofer-Institut nach Witten kam. „Nach Witten hat es mich gezogen, weil hier mein Forschungsgebiet der Virologie so eng mit der Humanmedizin zusammen arbeitet. Dadurch können meine Ergebnisse schneller in die Behandlung der Patienten einfließen“, beschreibt sie den Reiz des Umzugs. „Und die kleinen Seminare! Da kennt man wirklich alle Studierenden, nicht wie in den anonymen Großveranstaltungen, die ich bisher kennen gelernt habe.“
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