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Kombination aus CACNA1C-Gen und Stress

Möglicher Auslöser psychischer Störungen: Umwelt und Gene

| Redakteur: Marc Platthaus

Stress kann bei manchen Menschen schwere psychischen Erkrankungen auslösen. Doch warum gibt es andere die stressresistenter sind. Schuld daran können Risikogene wie CACNA1C sein. Max-Planck-Wissenschaftler haben jetzt den Zusammenhang zwischen Stress und CACNA1C gezeigt.

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Warum reagieren machen Menschen auf Stress mit psychischen Störungen? Gene können Schuld sein.
Warum reagieren machen Menschen auf Stress mit psychischen Störungen? Gene können Schuld sein.
(Bild: ©peshkov - stock.adobe.com)

München – Forscher identifizieren mithilfe von Erbgutanalysen immer mehr Gene, die mit psychiatrischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Solche Studien beleuchten jedoch nicht die Wirkung von Umwelteinflüssen, die ebenfalls an der Entstehung psychiatrischer Störungen beteiligt sein können. Das Zusammenspiel von Umwelt und Genen haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München untersucht. Sie wollten herausfinden, wie der Umweltfaktor Stress das sogenannte CACNA1C-Gen beeinflusst, das aus Erbgut-Studien als Risiko-Gen für psychiatrische Erkrankungen bekannt ist.

Max-Planck-Wissenschaftler um den Neurobiologen Jan Deussing entwickeln Tiermodelle, an denen sie für das Zusammenspiel zwischen Umwelt und Genen wichtige Mechanismen erforschen. Die Forschungsgruppe der Ärztin und Neurowissenschaftlerin Elisabeth Binder wiederum beschäftigt sich mit den Interaktionen zwischen Genen und Umwelt beim Menschen.

Verbindung von CACNA1C-Gen mit Schizophrenie, bipolaren Störungen und Depressionen

Die Forscher haben das so genannte CACNA1C-Gen untersucht, das mit Schizophrenie und bipolaren Störungen sowie zu einem geringeren Grad auch mit Depression und Autismus in Verbindung gebracht wird. Zunächst entwickelten sie genetisch veränderte Mäuse ohne CACNA1C. Diese Tiere weisen den Ergebnissen zufolge Störungen auf wie sie von psychiatrischen Erkrankungen bekannt sind, zum Beispiel verminderte kognitive Leistungen und Sozialkompetenzen oder Hyperaktivität und erhöhte Ängstlichkeit. Außerdem wurden die Nager anfälliger für Stress. Schalteten die Wissenschaftler das Gen erst bei erwachsenen Mäusen aus, wurden sie dagegen interessanterweise unempfindlicher gegenüber Stress.

Als nächstes untersuchten Binder und ihre Forschungsgruppe Interaktionen einer Variante des CACNA1C-Gens beim Menschen. Sie entdeckten, dass sich das CACNA1C-Gen in schwierigen Lebenssituationen negativ auswirkt und das Risiko für eine psychiatrische Erkrankung erhöht. „Die Studie zeigt, wie wichtig es für das Verständnis psychiatrischer Erkrankungen ist, Gene und Umwelt gemeinsam zu betrachten“, so die Einschätzung von Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

Originalpublikation: N Dedic, M L Pöhlmann, J S Richter1, D Mehta, D Czamara, M W Metzger, J Dine, B T Bedenk, J Hartmann, K V Wagner, A Jurik, L M Almli, A Lori, S Moosmang, F Hofmann, C T Wotjak, G Rammes, M Eder, A Chen, K J Ressler, W Wurst, M V Schmidt, E B Binder, and J M Deussing; Cross-disorder risk gene CACNA1C differentially modulates susceptibility to psychiatric disorders during development and adulthood. Molecular Psychiatry advance online publication 11 July 2017

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Über den Autor

Marc Platthaus

Marc Platthaus

Chefredakteur, LABORPRAXIS - Mehr Effizienz für Labor & Analytik