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Schlangengift-Schnelltest Schlangengift erkannt, Gefahr gebannt

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Ein neuer von Wissenschaftlern des Biotechnologie-Unternehmens miprolab GmbH und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) gemeinsam mit Forschern aus Myanmar entwickelter Schlangengift-Schnelltest weist innerhalb von 20 Minuten nach, ob ein Patient von einer bestimmten Schlangenart vergiftet wurde.

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Vergiftung durch Kettenviperbiss (Daboia siamensis) in Myanmar. Das Gift verhindert die Blutgerinnung und verursacht dadurch innere und äußere Blutungen. Außerdem zerstört es Muskeln und Nieren.
Vergiftung durch Kettenviperbiss (Daboia siamensis) in Myanmar. Das Gift verhindert die Blutgerinnung und verursacht dadurch innere und äußere Blutungen. Außerdem zerstört es Muskeln und Nieren.
(Bild: Aniruddha Ghose)

Frankfurt am Main – Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich fünf Millionen Menschen von Schlangen gebissen. Über 100.000 der Betroffenen sterben, mehr als 300.000 tragen bleibende Schäden davon. Neue Studien lassen jedoch vermuten, dass das wahre Ausmaß des Problems erheblich unterschätzt wird. Demnach erliegen allein in Indien jedes Jahr 46.000 Menschen den Folgen von Schlangenbissen. Kinder sind aufgrund ihres geringeren Körpergewichts besonders häufig betroffen. „Schlangenbiss-Vergiftungen sind unter den so genannten ,Vernachlässigten Tropenkrankheiten’ die am wenigsten beachtete, da sie vor allem die arme Landbevölkerung in Entwicklungsländern betreffen“, so Dr. Ulrich Kuch vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Als Leiter der Nachwuchsgruppe über ‚Aufkommende und vernachlässigte Tropenkrankheiten‘ gab er mit seiner Arbeit zu den Giftschlangen Südostasiens den Anstoß zur Entwicklung des Tests.

Schnelle Diagnose bei Schlangengift-Vergiftungen bisher unmöglich

Grundsätzlich können Schlangenbiss-Vergiftungen sehr gut behandelt werden, oft genügt eine einzige Infusion – wenn man das richtige Gegenmittel hat. Erreicht ein Patient die Klinik, in vielen Ländern per Motorrad-Ambulanz oder auf einer Bahre durch unwegsames Gelände getragen, so müssen ihn die Ärzte zunächst 24 Stunden lang beobachten, um festzustellen, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen. Denn häufig werden Menschen auch von ungiftigen Schlangen gebissen. Außerdem kommt es vor, dass Giftschlangen nur zur Abschreckung beißen, ohne Gift zu injizieren. Erst wenn anhand der Vergiftungserscheinungen auf die Schlangenart rückgeschlossen werden kann, wird das Gegengift (Antiserum) verabreicht – denn die Seren sind zu knapp und teuer, um sie zu verschwenden. Oft hat das Gift in dieser Zeit aber seine zerstörerische Wirkung bereits entfaltet und irreversible Schäden angerichtet: Die enthaltenen Toxine lösen z.B. Haut, Muskeln, Blutgefäße oder Nerven auf und hemmen die Blutgerinnung. Normalerweise töten und verdauen Schlangen auf diese Weise ihre Beute, die am Stück verschlungen wird.

Schlangengift-Schnelltest spart lebensrettende Diagnosezeit

Mit dem von BiK-F-Wissenschaftlern und der Göttinger miprolab GmbH gemeinsam mit Forschern aus Myanmar entwickelten Schnelltest lässt sich injiziertes Gift in nur 20 Minuten nachweisen: Zwei rote Linien im Sichtfenster zeigen an, dass sich das Gift der gesuchten Schlange im Patientenblut befindet. Die Ärzte benötigen für die Diagnose keine aufwändige Laborinfrastruktur und können das lebensrettende Gegengift sofort verabreichen, ohne kostbare Zeit zu verlieren. „Die Überlebensaussichten der Patienten sind um so höher, je früher die Behandlung beginnt“, so Kuch. „Außerdem sinkt bei früher Behandlung das Risiko, dass das Gift z.B. Muskeln oder die Nieren so weit zerstört, dass Arme oder Beine amputiert werden müssen oder der Patient künftig eine Dialyse braucht.“ Solche bleibenden Schäden sind für Menschen in Entwicklungsländern noch gravierender, da viele Familien dadurch in dauernde Armut abrutschen. Nicht zuletzt entlastet eine schnelle Diagnose auch die ohnehin überfüllten Krankenhäuser, da nicht vergiftete Schlangenbiss-Patienten früher entlassen und solche mit Vergiftung schneller geheilt werden können.

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