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Folgen unausgewogener Ernährung

Studie zu Herz-Kreislauf und Ernährung: Fast jeder zweite Deutsche stirbt unnötig

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Auf Basis des Lebensmittelkonsums und weiterer Risikofaktoren der jeweiligen Staaten errechneten Forscher in einer aktuellen Studie den Anteil der Todesfälle, der in Europa auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen ist. (Symbolbild)
Auf Basis des Lebensmittelkonsums und weiterer Risikofaktoren der jeweiligen Staaten errechneten Forscher in einer aktuellen Studie den Anteil der Todesfälle, der in Europa auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen ist. (Symbolbild) (Bild: gemeinfrei)

Folgen unausgewogener Ernährung dramatischer als gedacht: Eine aktuelle Studie hat über einen Zeitraum von 26 Jahren den Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Ernährung in Europa analysiert. Demnach ist jeder zweite bis dritte Todesfall auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen und damit vermeidbar. Im Ländervergleich zeigten sich deutliche Unterschiede, ebenso hinsichtlich Alter und Geschlecht.

Halle, Jena – Von insgesamt 4,3 Millionen kardiovaskulären Todesfällen im Jahr 2016 in Europa gehen 2,1 Millionen auf eine unzureichende Ernährung zurück. Auf die 28 Mitgliedstaaten der EU entfallen davon rund 900.000, auf Russland 600.000 und auf die Ukraine 250.000 Todesfälle. Jeder zweite bis dritte vorzeitige Todesfall könnte durch eine bessere Ernährung vermieden werden. Das berichtet ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Kompetenzclusters nutriCARD und der University of Washington in den USA in einer aktuellen Veröffentlichung

Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Ernährung in Europa analysiert

Für die Studie wertete das Team repräsentative Daten der globalen Krankheitslastenstudie (Global Burden of Disease Study) von 1990 bis 2016 aus. Sie analysierten, wie häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. Herzinfarkte oder Schlaganfälle, in den 51 Ländern vorkamen, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als europäische Region zusammengefasst werden. Hierzu gehören neben den EU-Mitgliedsstaaten und weiteren europäischen Ländern auch mehrere Staaten Vorder- und Zentralasiens, wie Armenien, Aserbaidschan, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan und Usbekistan.

Auf Basis des Lebensmittelkonsums und weiterer Risikofaktoren der jeweiligen Staaten errechneten die Forscher den Anteil der Todesfälle, der auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen ist. Dazu zählen die Forschenden etwa einen zu geringen Verzehr von Vollkornprodukten, von Nüssen und Samen sowie von Gemüse und einen zu hohen Salzkonsum.

Kardiovaskuläre Todesfälle: Deutliche Unterschiede im Ländervergleich

Der Ländervergleich zeigt deutliche Unterschiede: 2016 waren in Deutschland 160.000 Todesfälle (46 Prozent aller kardiovaskulären Todesfälle), in Italien 97.000 (41 Prozent), in Großbritannien 75.000 (41 Prozent) und in Frankreich 67.000 (40 Prozent) mit einer unausgewogenen Ernährung assoziiert. In Israel und Spanien war dagegen nur jeder dritte vorzeitige kardiovaskuläre Todesfall ernährungsbedingt.

Ernährungsbedingte Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der WHO-Europaregion 2016
Ernährungsbedingte Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der WHO-Europaregion 2016 (Bild: (c) MLU)

Im Rahmen der Studie wurden spezifische Länderprofile erstellt: „Während in Schweden und Norwegen ein zu geringer Verzehr von Nüssen und Samen zu den meisten ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt, ist in vielen zentral- und osteuropäischen sowie zentralasiatischen Ländern der zu geringe Verzehr von Vollkornprodukten der Hauptrisikofaktor. Oder anders formuliert: Ein vermehrter Verzehr von ballaststoffarmen Weißmehlprodukten hat in den letzten Jahren zu einer Zunahme von Herzkreislauf-Erkrankungen geführt. In Albanien, Aserbaidschan und Usbekistan haben sich entsprechende Fallzahlen im betrachteten Zeitraum sogar mehr als verdoppelt", sagt Studienleiter Dr. Toni Meier von der MLU.

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„Unsere Ergebnisse sind von entscheidender gesundheitspolitischer Relevanz und sollten unbedingt bei der Entwicklung zukünftiger Präventionsstrategien berücksichtigt werden“, ergänzt Prof. Dr. Stefan Lorkowski von der Universität Jena, Koautor der Studie und Sprecher des Kompetenzclusters nutriCARD. „Wir müssen das Potenzial einer ausgewogenen und gesundheitsfördernden Ernährung besser nutzen, sonst werden kardiometabolische Erkrankungen zukünftig noch mehr vermeidbare Todesfälle verursachen.“

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