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„Post Mortem Toxikologie“-Workshop Todesursachenforschung mit den Mitteln der Chemie

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Unfall, Selbstmord oder Mord? Um die Hintergründe eines Todesfalls aufklären zu können, genügen die äußere Leichenschau und auch die Obduktion der Leiche oft nicht aus. Insbesondere wenn die letzte Diagnose „unklare Todesursache“ lautet, sind die chemisch-analytischen Fähigkeiten forensischer Toxikologen gefragt. Am 7. und 8. Oktober haben sich mehr als 100 Experten anlässlich eines Workshops an die Untersuchung eines fiktiven, überaus brisanten Leichenfundes gemacht.

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„Die Wahrheit klärt letzten Endes nicht derjenige, der die besten Analysenergebnisse präsentieren kann, sondern jener, der über genügend Menschenverstand verfügt und in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen“, sagt Thomas Daldrup, Institut für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf.
„Die Wahrheit klärt letzten Endes nicht derjenige, der die besten Analysenergebnisse präsentieren kann, sondern jener, der über genügend Menschenverstand verfügt und in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen“, sagt Thomas Daldrup, Institut für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf.
( Bild: Guido Deußing )

Düsseldorf – An einem Eisenbahngleis wird die Leiche eines Mannes gefunden, nachdem ein Zugführer Meldung über einen möglichen Zusammenstoß gemacht hatte. Der Zug hat das Opfer in Höhe der Oberschenkel überrollt; beide Beine sind völlig zerstört. Die Polizei geht aufgrund der Fundsituation zunächst von einem Suizid oder Unglücksfall aus. Ungewöhnlich ist jedoch, dass der Oberkörper des Leichnams keinerlei Zeichen grober Gewalteinwirkung aufweist.

Die Identität des Mannes – es handelt sich um einen Politiker aus Mexiko – steht rasch fest und damit die mögliche Brisanz des Falles. Die Behörden drängen auf eine schnellstmögliche Durchführung der Obduktion und insbesondere auch der notwendigen toxikologischen Untersuchungen, um die genaue Todesursache festzustellen und um Erkenntnisse über die Todesumstände zu erhalten. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses an diesem Fall stehen die toxikologischen Untersuchungen unter enormen Zeitdruck. Mehrere Expertenteams müssen parallel arbeiten. Dieses Szenario war zugegebenermaßen fiktiv, nicht aber die Arbeit, die auf die mehr als 100 Wissenschaftler wartete, die der Einladung von Prof. Thomas Daldrup zu einer naturwissenschaftlich geprägten Detektivarbeit folgten.

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Keine Aufklärung „ungeklärter Todesursachen“ ohne Experten

Prof. Daldrup ist Leiter der forensischen-toxikologischen Abteilung am Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und war als solches dieses Jahr Ausrichter des turnusmäßigen Workshops der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh). Ziel des diesjährigen Workshops „Post Mortem Toxikologie“ war es, den nach Düsseldorf gereisten GTFCh-Mitgliedern anhand eines zwar theoretischen, jedoch überaus realistisch präsentierten Todesfalls die Strategie der labortechnischen Aufklärungsarbeit didaktisch aufzuzeigen und gleichzeitig das formaljuristische Rüstzeug für die Gestaltung gerichtsfester Gutachten mitzugeben.

Die Vorbereitung für die Laborarbeit war der Realität entlehnt: Der Polizeibericht des Vorfalls lag vor, ebenso der Sektionsbefund der Rechtsmediziner. Aufgabe der Toxikologen war es schließlich, mithilfe unterschiedlicher Analysetechniken und -verfahren herauszufinden, ob das Opfer gegebenenfalls unter Drogen stand oder vielleicht vergiftet wurde, also ob es sich um einen Unfall, Suizid oder gar Mord gehandelt hatte, der durch die gewaltsame Zerstörung des Körpers durch den Zug zu vertuschen versucht wurde. Am Ende des Workshops sollten alle Arbeitsgruppen ihr Gutachten vorlegen und ein möglichst detailgetreues Bild der Todesursache abliefern.

Der Teufel steckt im Detail

Keine leichte Aufgabe, schließlich lag den Toxikologen kein Blut oder Urin vor; die Körperflüssigkeiten dienen in der Regel als ideale Matrix, um Drogen-, Arzneimittel- oder Giftrückstände im menschlichen Organismus – auch dem toten – nachzuweisen. Im vorliegenden Fall konnten die Experten für forensische Chemie ausschließlich auf Gewebe – namentlich Gehirn – des Verstorbenen zurückgreifen. (Im vorliegenden fiktiven Fall wurde Rinderhirn beim Metzger besorgt und mit einer speziellen Drogen- und Medikamentenmischung versetzt.) Das bedeutete eine Herausforderung, konstatiert Professor Daldrup, „kaum eine andere Matrix könnte schwieriger zu handhaben sein.“ Darin besagte Rückstände nachzuweisen und die Todesumstände zu rekonstruieren oder gar aufzuklären, brauche labortechnisches Know-how und eine ausgefeilte Analysentechnik. Dank der Unterstützung durch namhafte Hersteller und Anbieter von Analysengeräten- und -systemen wie AB Sciex, Agilent Technologies, Gerstel, Biotage, Nal, Mahsan, Perkin Elmer, Shimadzu, Thermo Fisher Scientific und Waters, durfte es nicht allzu schwer sein, den Fall in der gebotenen Zeit zu klären. Oder doch?

Thomas Daldrup: „Die Wahrheit klärt letzten Endes nicht derjenige, der die besten Analysenergebnisse präsentieren kann“, weiß der Experte für forensische Chemie aus eigener Erfahrung zu berichten, „sondern jener, der über genügend Menschenverstand verfügt und in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen.“

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