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Empfehlungen zum Salzkonsum zu niedrig? Überraschung bei Vergleichsstudie: Ist (mehr) Salz gesünder als gedacht?

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Chips, Fertiggerichte, Wurstwaren – die Liste der wegen ihrer hohen Salzgehalte verpönten Lebensmittel ist lang. Zu viel Salz in der Ernährung schadet unserer Gesundheit und salzarm zu essen, ist in jedem Fall die gesündere Wahl. Das ist gängige Meinung, aber stimmt das wirklich? Offenbar nur bedingt, wie Ergebnisse einer aktuellen internationalen Vergleichsstudie mit 18 Ländern nahe legen: Demnach korreliert der tägliche Salzkonsum bis zu einem gewissen Grad sogar positiv mit der Lebenserwartung. Statt weniger Salz zu essen, empfehlen die Forscher, auf die Zufuhr eines anderen Mineralstoffs zu achten.

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Salz ist nicht zwingend gesundheitsschädlich (Symbolbild)
Salz ist nicht zwingend gesundheitsschädlich (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei)

Bern/Schweiz – Eine salzreiche Ernährung gilt allgemein hin als ungesund. Wer viel Salz isst, erhöht früher oder später seinen Blutdruck. Das ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt und durch zahlreiche wissenschafliche Publikationen untermauert. Ärzte warnen daher vor einem exzessiven Salzkonsum und die Weltgesundheitsorganisation, die European Society of Cardiology und die American Heart Association empfehlen eine drastische Reduktion der Salzzufuhr für die Gesamtbevölkerung. Dass durch einen niedrigeren Salzkonsum das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse automatisch gesenkt wird, konnte aber bislang keine Studie belegen.

Nun untersuchte eine internationale Vergleichsstudie mit 18 Ländern und 94.378 Personen über acht Jahre, inwiefern die tägliche Salzzufuhr tatsächlich zu mehr Herzinfarkten, Hirnschlägen oder Gesamtsterblichkeit führt. Die Relevanz der Ergebnisse ordnete Prof. Dr. Franz Messerli, Kardiologe am Inselspital, für die Fachzeitschrift „The Lancet“ am 9. August 2018 ein.

Hirn durch zu viel Salz eher gefährdet als Herz

Die Forschenden der McMaster University in Kanada fanden in ihrem Vergleich zwar eine lineare Beeinflussung von Salzkonsum und Bluthochdruck (+2.8 mmHg Zunahme pro Gramm Salz/Tag); diese betraf aber eher Personen, die bereits mehr als fünf Gramm Salz pro Tag zu sich nahmen. Ein sehr hoher Salzkonsum führte zu einem größeren Schlaganfallrisiko, was hauptsächlich in China der Fall war, wo der durchschnittlich Konsum bei fast 14 g pro Tag liegt.

Überraschend war jedoch die Beobachtung einer negative Korrelation zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität: Je mehr Salz, desto geringer das Risiko. Bei zu tiefem Salzkonsum stieg das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall wiederum geringfügig an. Franz Messerli vermutet daher, dass nicht alle Organe gleich empfindlich auf Salz reagieren bzw. dass Salz möglicherweise sogar einen kardioprotektiven Effekt ausüben könnte.

Nicht exzessiver Salzkonsum anscheinend positiv mit Lebenserwartung verbunden

Bis zu einem gewissen Grad korreliert der tägliche Salzkonsum positiv mit der Lebenserwartung.
Bis zu einem gewissen Grad korreliert der tägliche Salzkonsum positiv mit der Lebenserwartung.
(Bild: Messerli et al, The Lancet, Volume 392, ISSUE 10146, zvg.)

Um dies noch besser beurteilen zu können, analysierten Messerli und seine Kollegen zudem den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Lebenserwartung in 182 Ländern. Es zeigte sich, dass Salzkonsum, außer wenn exzessiv, positiv mit der Lebenserwartung verbunden war (je geringer der Konsum desto kürzer die Lebenserwartung und umgekehrt) – Salz also an sich nicht unbedingt gesundheitsschädlich scheint. Andererseits war die Lebenserwartung bei tiefem Salzkonsum, wie er teilweise in den Empfehlungen definiert ist, deutlich vermindert.

Kalium macht's: Mehr Obst und Gemüse statt weniger Salz

Die Studie erforschte zudem die Korrelation zwischen Kaliumgehalt der Nahrung und Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität. Unabhängig vom Salzkonsum senkte Kalium alle drei Risiken. Das bedeutet: Auch Patienten mit einem hohen Salzkonsum können mit zusätzlichem Kalium ihr Risiko vermindern. Kalium kommt hauptsächlich in Früchten, Nüssen und Gemüse vor.

Originalpublikation: Franz H Messerli, Louis Hofstetter, Sripal Bangalore: Salt and heart disease: a second round of “bad science”? The Lancet, Comment| Volume 392, Issue 10146, P456-458, August 11, 2018

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