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MAGAZIN Wir knacken auch harte Nüsse

| Redakteur: LP-Redaktion

Im Kompetenzzentrum Analytik der BASF bieten 30 Labors mehr als 6000 verschiedene Analysemethoden an. Dr. Andreas Groß, Gruppenleiter der Elementanalytik, weiß um die Vorteile dieses einzigartigen know-how-Verbundes.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Im Kompetenzzentrum Analytik der BASF bieten 30 Labors mehr als 6000 verschiedene Analysemethoden an. Jährlich analysieren die Mitarbeiter dort mehr als 250 000 Proben aller Art. Dr. Andreas Groß, Gruppenleiter der Elementanalytik, weiß um die Vorteile dieses einzigartigen know-how-Verbundes.

Frage: Herr Dr. Groß, seit einigen Jahren existiert das Kompetenzzentrum Analytik der BASF. Welche Aufgaben haben Sie im Konzernverbund?

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Dr. Groß: Das Kompetenzzentrum Analytik hat die Aufgabe, innerhalb der BASF-Gruppe für Fragestellungen der chemisch-physikalischen Analytik unseres Produktportfolios Lösungen zu erarbeiten und anzubieten. Dazu sind wir mit den modernsten und leistungsfähigsten Analysengeräten ausgestattet. Unsere Stärke sehen wir darin, analytische Probleme zu lösen, die in anderen Laboren nicht bearbeitet werden können. Mit unserem einzigartigen Methoden- und Know-how-Verbund „knacken wir auch harte Nüsse“. Darüber hinaus entwickeln wir analyti-sche Methoden, schulen Analytikpersonal anderer Einheiten und führen anspruchsvolle Routineanalytik bis hin zur Qualitätskontrolle inklusive Freigabe durch.

Frage: Was grenzt Sie als Analytik-Dienstleister von der eigentlichen Analytik-Forschung ab?

Dr. Groß: Die Entwicklung grundlegend neuer Analysenverfahren ist die Domäne der universitären Forschung und der Gerätehersteller. Dort „passiert“ die eigentliche Analytik-Forschung. Wir sind in diesem Prozess als „Ideengeber“ gefordert, der diesen Partnern den Bedarf aufzeigen kann und muss. Wichtig ist auch, dass wir neue Systeme und Konzepte als Beta-Tester auf Praxis- bzw. Industrietauglichkeit prüfen.

Frage: Wie sieht die Zusammenarbeit des Kompetenzzentrums Analytik mit den internen Forschungsabteilungen aus?

Dr. Groß: Die Forschung der BASF ist in vier Technologieplattformen organisiert. Aus diesem Umfeld kommt der größte Teil unserer Aufträge. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der „Know-how-Verbund“ der BASF eine Arbeitsteiligkeit als optimale Organisationsform vorgibt. Die Kapazitäten innerhalb der Technologieplattformen werden primär auf das Erreichen von Projektzielen verwandt. Vor allem aufwändigere Analytik wird deshalb nicht innerhalb dieser Plattformen durchgeführt, sondern im Kompetenzzentrum Analytik „eingekauft“. Die Gründe dafür sind: Das Know-how bleibt in der Firma; die räumliche Nähe und die kurzen Wege sind für alle Prozessbeteiligten von Vorteil, weil wir sehr schnell reagieren können. Typisch für einen „Forschungs-Probenmix“ ist, dass sich die analytischen Aufgabenstellungen ständig ändern; dafür sind wir bestens aufgestellt. Die Auftraggeber können somit sicher sein, dass wir eine komplette Problemlösung liefern. Das ist besonders bei einheitsübergreifenden und komplexen Fragestellungen wichtig.

Frage: Erlauben Sie uns einen Einblick an was Sie derzeit gerade arbeiten?

Dr. Groß: Eine Auswahl der wichtigsten analytikrelevanten Entwicklungsarbeiten sind beispielsweise die Weiterentwicklung der Laborautomation auf dem Gebiet der Metallspurenbestimmung in organischen Proben. In diesem Zusammenhang implementieren wir zurzeit einen neuen Analysevollautomaten, über dessen Vorgänger wir schon im September 2004 in der LaborPraxis berichtet haben. Die neue Anlage wird uns auch die Analyse von Proben gestatten, die bisher von Hand bearbeitet werden mussten. Außerdem liegt unser Augenmerk auf der Schaffung von Laborbereichen und Arbeitstechniken, die uns ohne systematische Beeinflussung richtige Ultraspurenanalytik ermöglicht. Im gerätetechnischen Bereich gibt es ein Projekt zur Kopplung der Chromatographie mit der ICP-MS für die Speziationsanalytik.

Frage: Und welche Serviceleistungen bieten Sie Ihren internen und externen Kunden auf dem Gebiet der Elementanalytik an?

Dr. Groß: In der Gruppe Elementanalytik innerhalb des Kompetenzzentrums Analytik führen wir Bestimmungen fast aller Elemente des Periodensystems durch - im Konzentrationsbereich von 100 Prozent für Reinheitsuntersuchungen bis in den ng/kg-Bereich zur Charakterisierung von hochreinen Chemikalien. Das bedeutet, wir fühlen uns als „Vollsortimenter“ für alle analytischen Fragestellungen verantwortlich. Dabei decken wir alle Qualitätsanforderungen aus dem geregelten Bereich (GXP) und dem gesetzlich nicht geregelten Bereich (DIN/ISO) ab. Hervorheben möchte ich auch das Angebot an unsere meist internen Kunden, die Analytik sehr zeitnah durchzuführen.

Frage: Welche Systeme und Technologien setzen Sie dabei bevorzugt ein?

Dr. Groß: Überwiegend arbeiten wir mit kommerziell verfügbaren Analysengeräten. Diese Systeme haben wir aber in den meisten Fällen modifiziert, sodass sie sich als „Universalsysteme“ optimal für das breite Probenspektrum unserer Kunden einsetzen lassen. Nur dort, wo adäquate Gerätschaften nicht zur Verfügung stehen, setzen wir auf Eigenentwicklungen. Für den Bereich der Metallanalysen kommen die ICP-basierten Geräte auf Basis Atomemission und Massenspektrometrie zum Einsatz. Über 80 Prozent der Messaufgaben werden mittels ICP-AES und ICP-MS bearbeitet. Als Multielementmethoden erlauben sie die simultane Bestimmung eines großen Elementkanons.

Frage: Gibt es im Bereich der Elementanalytik noch technologisches Entwicklungspotenzial?

Dr. Groß: Die Elementanalytik geht auf Liebig und Bunsen zurück und ist somit eine der ältesten Analysenverfahren. In dieser „reifen Technologie“ steckt aber immer noch einiges Potenzial. Multielementdetektoren für die organische Elementaranalyse der Nichtmetalle sind hier ein Beispiel. Im Bereich der Metall- und Halbmetallanalytik haben die Probenvorbereitungstechniken für anorganische Matrices (Schmelzaufschlüsse) noch Entwicklungspotenzial. Bei der Messtechnik ist der Dauerbrenner „Probenzuführung“ immer noch ein Schwachpunkt. Die Kombination chromatographischer und spektrometrischer Verfahren wird sicher eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie On- und Inline-Verfahren.

Frage: In welchen Bereichen spielt die Elementanalytik ihre Vorteile richtig deutlich aus?

Dr. Groß: Drei Faktoren bestimmen die Güte einer analytischen Dienstleistung: Qualität, Schnelligkeit und Preis. Im Vergleich zu den sehr viel mehr strukturliefernden Methoden der Chromatographie und Spektroskopie findet die Elementanalytik dann ihre Berechtigung, wenn sie ihre Stärken ausspielt: Sie ist eine präzise quantitative Methode, die sehr schnell analytische Informationen zu vergleichsweise günstigen Kosten anbietet. In der Katalyseforschung und auf dem Gebiet der Qualifizierung hochreiner Chemikalien ist und bleibt die Elementanalytik unverzichtbar.

Herr Dr. Groß, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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